Spektakuläre Aufnahmen zeigen Leopardensprung über Grenzzaun – Hoffnung für eine bedrohte Art – WWF Österreich setzt sich zum Arterhalt im Kaukasus ein – Internationaler Tag des Leoparden am 3. Mai
Umweltverbände fordern Flussgipfel gegen Kraftwerks-Flut
Wien, 25. September 2014 – Einen Runden Tisch sowie eine rechtskonforme Strategische Umweltprüfung zum Rahmenplan der Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) für sechs Großkraftwerke wie das Kaunertal, fordern heute die Umweltorganisationen Greenpeace, GLOBAL 2000, ÖKOBÜRO und WWF von Umweltminister Andrä Rupprechter. Sie appellieren an den Minister, den Wasserwirtschaftsplan keinesfalls anzuerkennen, sondern an die TIWAG zurückzuschicken.
„Eine deutliche Mehrheit lehnt diesen Plan entschieden ab. Rund 60 überwiegend kritische Stellungnahmen zeigen, dass der Umweltminister die Bedenken der BürgerInnen und der Umweltverbände ernst nehmen und sie endlich in solch wichtige Fragen wie die Zukunft der Tiroler Gewässer einbinden muss – statt ohne Vorbehalte in den faulen Apfel der TIWAG zu beißen“, so Beate Striebel, stellvertretende WWF-Geschäftsführerin in Anspielung auf einen twitter-Aufruf von Andrä Rupprechter zum Genuss heimischer Äpfel. „Der Umweltminister hat sich im April im Umweltausschuss des Parlaments für einen Runden Tisch ausgesprochen bei dem gemeinsame Lösungen erarbeitet werden sollen. Diesen Flussgipfel fordern wir nun ein“, bekräftigt Striebel.
Ohnehin hätte die Öffentlichkeit in derart konfliktträchtige Vorhaben wie den Wasserwirtschaftsplan viel früher eingebunden werden müssen. Stattdessen hat die TIWAG seit dem Jahr 2007 hinter verschlossenen Türen an ihrem Rahmenplan für die sechs Großkraftwerke, darunter die umstrittene Kaunertal-Erweiterung, gearbeitet. „Der gesamte Prozess erinnert derzeit eher an eine Friss-Vogel-oder-Stirb-Politik als an einen effektiven Beteiligungsprozess“, kritisiert Thomas Alge, Geschäftsführer von ÖKOBÜRO – Allianz der Umweltbewegung. „Eine Strategische Umweltprüfung hätte zeitlich weit vor dem UVP-Verfahren und vor der Festlegung konkreter Kraftwerksstandorte, Sinn gemacht“, so der Umweltjurist. „Außerdem erfolgte die Kundmachung erst nach Beginn der Auflagefrist.“
Auch aus der Sicht von Greenpeace darf der Umweltminister den TIWAG-Plan rechtlich nicht anerkennen. „Die Realisierung hätte einen gigantischen ökologischen Schaden zur Folge, obwohl in einem solchen Plan nach geltendem Recht der Gewässerschutz im Vordergrund stehen muss,“ erklärt Hanna Simons, umweltpolitische Direktorin von Greenpeace. „Schon aus den vorliegenden Stellungnahmen kann der Minister niemals ein öffentliches Interesse ablesen, denn statt begeisterter Zustimmung spricht aus nahezu allen Stellungnahmen Ablehnung und Skepsis“, so Simons.
Die wahre Flut an Stellungnahmen zum Wasserwirtschaftsplan unterstreicht dies eindrucksvoll. „Alles andere als die sofortige Zurückweisung des TIWAG Planes wäre nicht nur demokratiepolitisch, sondern auch fachlich nicht zu rechtfertigen,“ betont Reinhard Uhrig, Energieexperte von GLOBAL 2000. In einem Wasserwirtschaftsplan, dürfen die energiewirtschaftlichen Interessen nicht höherrangig bewertet werden als etwa jene der betroffenen Schutzgüter. Das sei hier eindeutig der Fall, denn die Pläne der TIWAG könnten nur dann durchgesetzt werden, wenn im Wesentlichen das gesamte Tiroler Oberland vom Verschlechterungsverbot der EU-Wasserrahmenrichtlinie ausgenommen wird. Der WWF zählt auf: „Über 100 Kilometer Flüsse würden ihres Wassers beraubt, weitere 32 Kilometer ökologisch degradiert, 200 Hektar wertvolle Lebensräume für Steinadler, Alpenschneehuhn, Birkhuhn verloren gehen, 180 Hektar geschützte Biotope zerstört und 17 Hektar Moore überstaut werden.“
Einem derart großflächigen Angriff auf die Tiroler Naturschätze im Rahmen der vorgeschlagenen wasserwirtschaftlichen Ordnung des Rahmenplans kann daher keinesfalls öffentliches Interesse zugesprochen werden, so die Umweltorganisationen WWF, ÖKOBÜRO, Greenpeace und GLOBAL 2000 abschließend.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF Österreich, Tel. 01 488 17 250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Lydia Matzka-Saboi, Pressesprecherin GLOBAL 2000, Tel. 0699-14200026, E-mail: presse@global2000.at
Florian Schweitzer, Pressesprecher Greenpeace, Tel. 0664/612 67 18, E-Mail: florian.schweitzer@greenpeace.org
Anne Erwand, Öffentlichkeitsarbeit ÖKOBÜRO – Allianz der Umweltbewegung, Tel.: 01/5249377, E-Mail: anne.erwand@oekobuero.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF fordert „Schwammwald-Paket“ gegen zunehmende Trockenheit
Wasserspeicher-Funktion der heimischen Wälder stark belastet – Folgen der Klimakrise machen sich immer stärker bemerkbar
Neuer Bericht: Waldzerstörung trotz Rückgang auf alarmierendem Niveau
2030-Ziel außer Reichweite – WWF fordert Waldschutzpaket und entwaldungsfreie Lieferketten
WWF: Bodenverbrauch in Österreich 2025 gestiegen
7,7 Hektar pro Tag – Politisches Ziel deutlich überschritten – „Boden-Budget“ bereits Ende April erschöpft – WWF fordert Maßnahmen gegen fortschreitende Verbauung
Budget: WWF fordert Wasserzins nach Schweizer Vorbild
Österreichisches Modell könnte rund 685 Millionen Euro jährlich für Budget bringen – Einnahmen sollen zweckgebunden in Gewässerschutz, Renaturierung und Energiesparmaßnahmen fließen
WWF: Salzburger Wolf-Verordnung verstößt gegen EU-Recht
Naturschutzorganisation warnt vor Gefährdung des Artenschutzes und erheblichem Tierleid – Rückzug der Verordnung aufgrund zahlreicher Mängel gefordert
WWF-Analyse zeigt dramatische Unterfinanzierung des Naturschutzes
Finanzierungslücke von fast einer Milliarde Euro beim Schutz der Biodiversität – Nur 30 Prozent des Bedarfs gedeckt – WWF und Wissenschaft fordern Kurswechsel bei Budget-Entscheidungen
WWF-Erfolg: Durchbruch bei Renaturierung an der Mur
Der WWF hat drei große Renaturierungsmaßnahmen in Slowenien erfolgreich abgeschlossen – mit spürbaren Effekten bis nach Österreich. Davon profitieren zahlreiche Arten wie Eisvögel und Uferschwalben.
WWF kritisiert Österreich-Vorstoß zur Lockerung von EU-Umweltauflagen
Kritik an Vorpreschen der Bundesregierung bei Deregulierung – Natur- und Artenschutz-Richtlinien wichtiges Schutzschild für Biodiversität und Klima













