Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
UN-Artenschutzkonferenz: Finanzierung wird bis 2015 verdoppelt
Haiderabad, 22.10.2012 – Das Ringen um die Finanzierung des Masterplans zum Schutz der biologischen Vielfalt war nach Informationen der Umweltschutzorganisation WWF am Abschlusstag der UN-Konferenz CBD in Hyderabad ein zähes Ringen. „Nachdem die Verhandlungen langwierig um verschiedene Finanzierungsoptionen kreisten, wurde schließlich in einer langen Nachtsitzung zum Samstag ein passabler Kompromiss gefunden“, lobt WWF-Artenschutzexperte Günter Mitlacher das Resultat. Die Gelder für den Artenschutz wurden verdoppelt. Auch beim Schutz der Hohen See gab es einen Durchbruch. 48 ökologisch bedeutsame Regionen wurden definiert, die nun von den Vereinten Nationen geschützt werden sollen.
Das Ergebnis zur Finanzierung des Masterplans des Übereinkommens über die biologische Vielfalt CBD ist ein guter Fortschritt angesichts der schwierigen Finanzsituation vieler EU-Länder und anderer Industriestaaten wie der Schweiz, Kanada und Japan. Demnach sollen die Finanzflüsse von „Nord nach Süd“ bis 2015 verdoppelt werden und danach bis 2020 stabil bleiben. Dies bedeutet zunächst eine effektive Steigerung von rund vier Milliarden Euro an öffentlichen Geldern über fünf Jahre verteilt. Im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2010 wurden über die bilaterale und multilaterale Entwicklungshilfe bereits rund vier Milliarden Euro für neue Nationalparks, Waldschutzgebiete und nachhaltige Landnutzungsprojekte ausgegeben, die vielfach auch dem Klimaschutz dienen. „Mit dem zusätzlichen Geld kann die chronische Unterfinanzierung ein gutes Stück gemildert werden. Nach WWF-Berechnungen müssten jedoch mindestens 11,5 Milliarden Euro pro Jahr in den Ökosystemschutz investiert werden“, stellt Günter Mitlacher fest.
Ausdrücklich begrüßt der WWF das Verhandlungsergebnis zum Meeresschutz. Demnach wurden die von Wissenschaftlern bisher in der Karibik und dem westlichen Atlantik sowie dem südwestlichen Pazifik beschriebenen 48 ökologisch bedeutsamen Meeresgebiete von den Vertragsstaaten akzeptiert. Informationen zu diesen Gebieten werden über eine Datenbank der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nun soll die UN-Vollversammlung aufgefordert werden, entsprechende Schutzmaßnahmen für die betreffenden Regionen zu ergreifen. Viele dieser Regionen liegen in internationalen Gewässern.
Die Global Environment Facility (GEF) ist der Finanzierungsmechanismus der Biodiversitätskonvention und spielt eine besondere Rolle in der Finanzierung der Ziele der Biodiversitätskonvention. Erstmalig wurde von einem Expertenteam, an dem auch WWF-Vertreter teilnahmen, der Finanzierungsbedarf errechnet, der notwendig ist, um im Zeitraum 2014-2018 die Erfüllung der Aichi Ziele wesentlich zu unterstützen. Die vorgelegten Szenarien gehen von mindestens vier Milliarden Euro bis maximal 22,2 Milliarden Euro aus. Die Entwicklungsländer wollen, dass die Industrienationen mindestens vier Milliarden Euro bereitstellen, was bei den Geberländern, u.a. der EU, Kanada, Japan und der Schweiz auf heftigen Widerstand stieß. Sie wollen keine Zahlen in den Vorgaben an die Geberländer sehen und die Diskussion um die Finanzierung den entsprechenden Geber-Ländern überlassen. Man einigte sich schließlich darauf, den Expertenbericht zur intensiven Beratung an die GEF weiterzuleiten.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, WWF-Pressesprecher, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231, E-Mail: franko.petri@wwf.at
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