Neuer Rekord in Österreich: 123 territoriale Seeadler-Paare konnten gezählt werden. Ihr Lieblingsplatz ist das Waldviertel.
Uni Innsbruck startet „Aktionsplan Artenschutz“ für den Inn. WWF fordert Renaturierungs-Offensive
INNsieme-Projekt erarbeitet Grundlage für grenzüberschreitenden Artenschutz – Universität Innsbruck legt Entwurf für Aufwertung des Inns vor – WWF: Ein verzweigter Inn schützt viele Arten gleichzeitig
Innsbruck / Rosenheim / Suben, am 2. Oktober 2020. Um dem wachsenden Druck auf den Inn entgegenzuwirken, hat die Universität Innsbruck im Rahmen des EU-Interreg-Projektes „INNsieme“ erstmals einen „Aktionsplan Artenschutz“ für den gesamten Alpenfluss erarbeitet. Ziel ist es, bis Ende des Jahres eine solide Grundlage für wirksame Naturschutzmaßnahmen von der Quelle bis zur Mündung zu präsentieren. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit des WWF Österreich mit der Universität Innsbruck, dem Land Tirol, der Verbund AG und weiteren unterstützenden Partnern. „Nur mit einer grenzüberschreitenden Strategie können wir bestehende Defizite am Drei-Länder-Fluss erfolgreich beheben und den Zustand von Ökosystemen und Lebensräumen entscheidend verbessern. Der Weg zu mehr verzweigten Flussabschnitten mit einem wesentlichen Mehrwert für die Artenvielfalt muss über Renaturierungen führen“, erklärt INNsieme-Projektleiterin Elisabeth Sötz vom WWF Österreich. Um aus dem statischen Inn wieder einen lebendigen Alpenfluss zu machen, wurde im Rahmen der drei „INNvisionen“-Workshops in den Inn-Städten Innsbruck, Rosenheim und Suben ein wissenschaftlich fundierter Plan erarbeitet, der als Orientierungshilfe für konkrete Natur- und Artenschutzprojekte in allen drei Ländern dienen soll.
Für die Handlungsempfehlungen hat die Universität Innsbruck den historischen Naturzustand des Inn seinem aktuellen IST-Zustand gegenübergestellt. Das Ergebnis: die starke Nutzung von Landflächen und die Auswirkungen der Energieerzeugung haben die natürliche Form des Alpenflusses am stärksten negativ beeinflusst. Die einst langen, weitverzweigten Strecken sind davon besonders betroffen. „Heute weisen 20 Prozent der gesamten Flusstrecke, die ursprünglich vor allem pendelnd und verzweigt verlief, eine bogige und lineare Form auf, die den Fluss statisch werden lassen“, erklärt Dr. Prof. Leopold Füreder von der Universität Innsbruck. Die Ursache dafür liegt in Uferverbauungen, die den Fluss an seiner natürlichen Dynamik hindern. Dadurch bilden sich kaum noch Seitenarme, während Auwälder und Kiesbänke stark zurückgehen. Charakteristisch für einen verzweigten Fluss ist hingegen das Fehlen begrenzender Uferlinien, wodurch er breiter und dynamischer wird. Gleichzeitig führt das Vorkommen zahlreicher Rinnen zu regelmäßigen Wasserstands-Veränderungen, wodurch sich neue Schotterbänke und Inseln bilden können.
Basierend auf der Defizit-Analyse hat die Universität ein operatives Leitbild für den Inn ausgearbeitet. Dieses zeigt als Maßstab, wie der Inn wieder näher in Richtung einer strukturreichen und funktionierenden Flusslandschaft aufgewertet werden kann. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Inn mit vielen verzweigten Abschnitten zahlreiche Synergien schaffen und die Lebensraumbedingungen verschiedenster Arten – vom Fisch bis zum Vogel – entscheidend verbessern kann“, erklärt Füreder. Eine der unzähligen Arten, die von derartigen Lebensraumveränderungen profitieren würde, ist etwa der auf vegetationsarme Kiesbänke angewiesene Kiesbank-Grashüpfer. Durch die Verbauung und fehlende Flussdynamik hat er große Teile seines Lebensraumes verloren und kommt heute nur noch selten am Inn vor. In Deutschland gilt die Art sogar als vom Aussterben bedroht.
Ein weiteres Ergebnis der INNvisionen-Workshops war, dass auch die bereits spürbaren Auswirkungen der Klimakrise am Inn eine höhere Priorität erfordern. Im nächsten Schritt soll der Aktionsplan konkretisiert werden, um mehr Aufmerksamkeit für politische Maßnahmen und konkrete Projekte zu schaffen.
Rückfragehinweis:
Lisa Reggentin
WWF Österreich
Projektkommunikation INNsieme
Mobil: +43 676 83 488 307
E-Mail: lisa.reggentin@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF zu CloudHQ: Großrechenzentren brauchen verpflichtenden Umweltcheck
Umweltschutzorganisation begrüßt UVP für 6,7-Hektar-Projekt in Leopoldsdorf – WWF fordert einheitliche Bundesregeln statt Fleckerlteppich
Neuer Seeadler-Rekord in Österreich: WWF-Zählung erfasst so viele Paare wie noch nie
Konsequenter Schutz zeigt Wirkung: 123 territoriale Seeadler-Paare in Österreich – Hotspot im Waldviertel – Illegale Verfolgung bleibt große Bedrohung
WWF zu Klimaneutralität 2040: Fossile Abhängigkeit ist die wahre Standort-Hypothek
Umweltschutzorganisation weist IV- und WKO-Kritik zurück – Verbindliches Klimaziel schafft Planungssicherheit, senkt Energieabhängigkeit und stärkt Innovation – WWF fordert wirksame Maßnahmen für die Umsetzung
WWF zu Wolfsabschuss im Pitztal: Verdacht auf Straftat rasch aufklären
Mutmaßlicher Fall von Wildtierkriminalität – Naturschutzorganisation fordert konsequente Ermittlungen
WWF warnt vor Artenverlust in der Unteren Lobau
Aktueller WWF-Artencheck: Langjähriger Wassermangel bedroht Bitterling, Donau-Kammmolch, Sumpfschildkröte und Flussmuscheln – Anhaltende Dürre verschärft die Lage und bedroht lokale Vorkommen
WWF-Ausblick: Österreichs Flüsse gehen stark geschwächt in den Herbst
Im August rund 90 Prozent der Pegelmessstellen mit sehr niedriger Wasserführung – Niederösterreich, Burgenland und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert Schutzprogramm und Renaturierung
Ende der Begutachtung – WWF fordert Rücknahme der Vorarlberger Biber-Verordnung
Naturschutzorganisation legt Stellungnahme vor – Entwurf sieht jährliche Tötungskontingente von bis zu 32 Tieren vor – WWF fordert Vorrang für Prävention
Biokunststoffe auf dem Prüfstand: Neue Studie untersucht tatsächliche Abbaubarkeit in der Natur
Neue Forschungsinitiative testet Zersetzbarkeit von Biokunststoffen in über 20 natürlichen Lebensräumen – Kooperation des WWF Österreich und der Technischen Universität Bratislava










