Bund und Länder sollen Gemeinden beim Umbau stark versiegelter Orte unterstützen – Zusätzliche Mittel für Begrünung, naturnahe Gewässer und mehr Wasserrückhalt – EU-Renaturierungsgesetz ambitioniert umsetzen
WWF: Pottwale, Finnwale und Delfine im Mittelmeer zunehmend bedroht
Wien/Genua, am 22. August 2025 – Der intensive Schiffsverkehr setzt zahlreichen Tierarten im Mittelmeer zu, darunter vor allem Meeressäugern wie den seltenen Finn- und Pottwalen. “Wenn die Tiere zum Atmen an die Wasseroberfläche kommen, werden sie von viel zu schnellen Motorbooten, Fähren und Frachtern schlichtweg überfahren. Diese Kollisionen enden häufig tödlich für die Wale”, sagt WWF-Meeresexperte Axel Hein. Der WWF fordert daher Ausweichrouten für den Schiffsverkehr und Geschwindigkeitsbegrenzungen für Motorboote, um Wale vor Kollisionen und Verletzungen mit Schiffsschrauben schützen – besonders entlang wichtiger Wal-Wanderrouten und in Schutzgebieten. “Eine Reduktion der Geschwindigkeit erhöht die Sichtbarkeit für Boote und gibt den Walen Zeit auszuweichen. Außerdem könnten schon kleine Änderungen von Schiffsrouten das Risiko für Kollisionen deutlich verringern”, sagt Axel Hein vom WWF. Zusätzlich sollen Schiffsmotoren mit lärmdämpfenden Technologien ausgestattet werden, um die sensiblen Tiere bei der Kommunikation und Jagd durch Echoortung nicht zu stören.
Der WWF plädiert für eine rasche Umsetzung der Maßnahmen, um die acht regelmäßig im Mittelmeer vorkommenden Arten von Walen und Delfinen besser zu schützen. Neben den zweitgrößten Tieren der Welt, den bis zu 24 Meter langen Finnwalen, und den bis zu 2.000 Meter tief tauchenden Pottwalen, gibt es im Mittelmeer auch Grindwale, Cuvier-Schnabelwale, Rundkopfdelfine, Große Tümmler sowie gemeine und blau-weiße Delfine. “Das Mittelmeer ist ein besonderer Lebensraum und es braucht einen besonderen Schutzstatus. Denn es leidet wie kein anderes Meer an Massentourismus, Überfischung, Plastikverschmutzung und der Klimakrise”, sagt Hein vom WWF.
Kollisionen mit Frachtern, Fähren, Freizeitbooten
Im Sommer kommen Finn- und Pottwale vermehrt in ein Schutzgebiet vor der italienisch-französischen Küste, um zu fressen. Doch ausgerechnet hier ist der Schiffsverkehr durch Frachter, Fähren sowie zahlreiche Freizeitboote intensiv: “Kollisionen mit Finnwalen sind hier leider besonders häufig”, sagt Axel Hein und verweist auf einen Fall aus dem Jahr 2020, bei dem einem Finnwal durch einen Zusammenstoß zuerst die halbe und schließlich die ganze Schwanzflosse amputiert wurde. “Die Gefahren für Wale im Mittelmeer sind vielfältig, daher sind wir an mehreren Fronten im Einsatz: zur Ausweitung von Schutzzonen, zur Analyse und Entwicklung von Maßnahmen für die Schifffahrt, zur Verringerung von Beifang, zur Unterstützung von Walbeobachtung und -forschung sowie im Kampf gegen die Plastikflut”, sagt Hein.
Geisternetze als tödliche Fallen
Neben der Schifffahrt ist die Plastikverschmutzung die größte Bedrohung für Wale und Delfine im Mittelmeer. Die tödlichste Form davon ist verwaiste Fischeiausrüstung. Daher macht der WWF im Mittelmeer Jagd auf die sogenannten Geisternetze. „Geisternetze sind eine unsichtbare Todesfalle für Meerestiere. Insbesondere Wale, Delfine, Haie, Schildkröten und Seevögel verfangen sich darin oder verwechseln Teile davon mit Nahrung. Beides führt zum langsamen und qualvollen Tod“, sagt Hein. Untersuchungen der Umweltschutzorganisation zeigen, dass 66 Prozent aller Meeressäuger, 90 Prozent der Seevögel und alle sieben Arten von Meeresschildkröten Schaden durch Geisternetze sowie anderen Plastikmüll erleiden.
Weitere Infos hier.
Bilder hier.
Weitere Infos zu Geisternetzen hier.
Unterwasser-Videos zu Geisternetzberungen im Mittelmeer hier.
News
Aktuelle Beiträge
WWF und BirdLife fordern „Aktion scharf gegen Giftköder“
Grausame Geier-Vergiftung im Lesachtal muss Konsequenzen haben – Verbotenes Nervengift für 90 Prozent aller nachgewiesenen Wildtier-Vergiftungen verantwortlich – Seit Jahrzehnten verboten, aber bis heute eingesetzt
WWF: Anhaltende Hitzewelle belastet Wildtiere
Hitze und Trockenheit setzen Amphibien, Jungvögeln und Schmetterlingen besonders zu – WWF fordert mehr Wasserrückhalt und gibt Tipps, um Wildtieren zu helfen
llegaler Tigerhandel: Neuer Report zeigt Schwächen in Südostasiens Justizsystemen
WWF, GuArdean und TRAFFIC analysieren Strafverfolgung in sieben Tiger-Verbreitungsstaaten – Drahtzieher und Geldgeber werden bisher zu selten belangt – WWF fordert verstärkte Kontrollen und internationale Zusammenarbeit
Italienischer Top-Experte kritisiert Tiroler Wolfsabschuss: WWF fordert lückenlose Aufklärung
Zoologe Marco Apollonio bezeichnet Abschuss von Forschungswolf Mirco als „dumm und unnötig“ – WWF verlangt vollständige und transparente Aufklärung durch die Tiroler Landesregierung.
WWF-Erfolg: Mehr Wasser für den Mühlbach
Mehr Wasser, mehr Artenvielfalt: Dank der erfolgreich umgesetzten Maßnahme an der Grenzmur führt der Mühlbach heute mehr als doppelt so viel Wasser wie früher.
Forschungswolf getötet – WWF kritisiert überzogene Abschusspolitik in Tirol
Artenschutzorganisation fordert Kurskorrektur im Wolfsmanagement – Besenderte Wölfe liefern wertvolle Daten für Herdenschutz und Prävention – Italien forscht, Österreich schießt ab
Kampf gegen Plastikmüll: WWF weitert Offensive gegen Geisternetze im Mittelmeer aus
Plastikkrise im Mittelmeer spitzt sich zu – Bereits vier Tonnen alte Fischereisausrüstung geborgen – Neue Tauchausbildung soll Bergungsmenge bis Jahresende verdoppeln – Ausweitung von Meeresschutzgebieten gefordert
WWF: Portugal investiert groß in Renaturierung, Österreich soll nachziehen
Portugal will 500 Millionen Euro jährlich in Wiederherstellung der Natur investieren – Gemessen an der stärkeren Wirtschaftskraft wären das in Österreich rund 840 Millionen Euro pro Jahr – WWF fordert rasche Vorlage des gesamten Renaturierungsplans von Bund und Ländern










