Naturschutzorganisation warnt vor immer neuen Eingriffen durch Gletscherschwund – Land Tirol soll Ausnahmen einschränken und verbindliche Ausbaugrenzen festlegen
Wieder bei uns: Biber kehren nach Tirol zurück
Innsbruck, 8. März 2008 – Fast zwei Jahrhunderte nach seiner Ausrottung in Tirol kehrt der Biber seit 1990 nach und nach in seine alte Heimat zurück. Mittlerweile besiedelt der große Nager wieder 32 Reviere am Inn und seinen Zuflüssen, am Lech und an der Großache. „Wir freuen uns darüber, dass der Biber wieder unsere Landschaft bereichert und werden uns sehr bemühen, ihm ein erfolgreiches Comeback zu ermöglichen!“ erklären Landesrätin Anna Hosp und Hermann Sonntag vom WWF. Für alle Fragen, die im Zusammenhang mit dem geschützten Wildtier und Landschaftsgestalter auftreten können, haben Land Tirol und WWF eine eigene Biber-Betreuungsstelle eingerichtet.
Von der kleinen Biberpopulation im Tiroler Unterland breitet der Biber sich langsam flussaufwärts am Inn in Richtung Oberland aus. Diese Wanderbewegung lässt sich anhand der – teils wieder verwaisten – Reviere in Inzing, Leibling, Telfs und Prutz verfolgen. Die Anzahl der Individuen ist sukzessive angestiegen und liegt derzeit bei 50-60 Tieren. Für eine gesunde, sich selbst erhaltende Population fehlen den Familien jedoch Jungtiere. Offenbar haben die Biberpaare noch beträchtliche Schwierigkeiten ihren Nachwuchs großzuziehen: Die Tiroler Population besteht großteils aus „halbwüchsigen“ Tieren, die aus Bayern zuwandern; erst im Frühjahr 2007 konnten die ersten in Tirol geborenen Biber nachgewiesen werden. Die Ausbreitung der Biber bedingt auch einen Anstieg der „Verkehrsopfer“ unter den Tieren, die bei ihren Wanderungen Bundesstraßen und Autobahnen überqueren müssen. 2007 wurden vier Biber überfahren. Der verstärkte Einsatz von Schutzmaßnahmen wie dem Einsatz von Elektrozäunen soll in Zukunft Abhilfe schaffen.
„Im Sinne einer nachhaltigen Sicherung des Biberbestandes in Tirol ist eine präventive Herangehensweise zielführend“, erklärt LR Anna Hosp. „Damit Konflikte gar nicht erst entstehen oder bereits im Vorfeld entschärft werden können, haben wir eine Biberbetreuung eingerichtet.“ Mit der Stelle einer Biberbeauftragten wurde die Biologin Nadin Egger betraut. Ihr Aufgabengebiet umfasst neben der naturschutzfachlichen Kontrolle der Reviere und dem Umsetzen von Schutz- und Sofortmaßnahmen auch Umweltbildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Die junge Wissenschaftlerin konnte im Rahmen von Forschungsprojekten unter der Leitung des Innsbrucker Alpenzoo s in den letzten Jahren bereits wesentliche Grundlagen und Problemlösungen für den Biberschutz erarbeiten. „Es ist eine spannende Aufgabe, die Rückkehr dieser faszinierenden Wildtiere aktiv zu unterstützen“, freut sich die Biberexpertin.
Neuer Seitenarm am Inn bei Kundl bereits genützt!
Im November 2007 startete das erste Rückbauprojekt im Rahmen von „Unser Inn“, einer gemeinsamen Initiative von Lebensministerium, Land Tirol und WWF. Um die Strukturvielfalt des Inn zu erhöhen, wurde im Bereich von Radfeld/Kundl ein ehemals verlandeter Seitenarm wieder an den Hauptfluss angebunden. Bereits einen Monat später konnten erste Biberspuren nachgewiesen werden. „Mit jedem Biberrevier kehrt auch ein kleines Stück Wildnis in unsere intensiv genutzten Talräume zurück“, freut sich Sonntag vom WWF.
Rückfragehinweis:
Mag. Nadin Egger
Biberbeauftragte für Tirol
Tel.: +43 (0)664 311 86 38
E-mail: nadin.egger@seefeldnet.at
Wir bedanken uns beim Museum Ferdinandeum und dem Alpenzoo Innsbruck herzlich für die Unterstützung des Biberprojekts!
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Finn ist neuer WWF-Naturschutzhund
Der 5-jährige Rüde hilft mit seiner Spürnase dabei, Fälle von Wildtierkriminalität aufzudecken. Er gilt als besonders ausgeglichen und arbeitsfreudig.
Neuer WWF-Spürhund Finn soll illegale Wildtiertötungen aufdecken
Schäferhund-Mischling unterstützt Polizei-Ermittlungen durch Suche nach Tierkadavern und Giftködern – Einsätze vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark
WWF-Analyse: Zu wenig Bodenschutz bei neuen Betriebsgebieten
Bodenschutz bei Betriebsgebieten: Alle neun Bundesländer fallen im WWF-Check durch – Täglich fast zwei Fußballfelder zusätzlich beansprucht – WWF fordert Ende des Wildwuchses – LÄNDER-ZEUGNIS im Detail
Weltnaturkonferenz: WWF warnt vor Verfehlen der 2030-Ziele
Globale Halbzeitbilanz zeigt unzureichende Umsetzung – WWF fordert wirksame Maßnahmen und gesicherte Finanzierung, auch in Österreich – COP17-Konferenz startet am Montag
Klimastreik: WWF fordert Notfall-Programm für Klima und Natur
Umweltschutzorganisation verlangt verbindliches Klimagesetz und wirksamen Renaturierungsplan – Natürliche Schutzmaßnahmen stärken, fossile Großprojekte stoppen
Sanierungsoffensive: WWF sieht zu wenig Schub für die Wärmewende
Umweltschutzorganisation bewertet Regierungspaket als „sinnvollen, aber zu schwachen Impuls“ – WWF fordert mehrjährige Sanierungsförderung und verbindlichen Zeitplan für fossilen Heizungsausstieg
WWF: Nationaler Renaturierungsplan lückenhaft und ambitionslos
Zum Ende der Begutachtung: Zentrale Maßnahmen fehlen, Finanzierung ungeklärt – Weitreichende Ausnahmen bei Stadtbegrünung – WWF fordert grundlegende Überarbeitung
WWF-Städtecheck: Große Lücken bei Stadtbegrünungsplänen
14 Städte untersucht: Planungslücken bei Maßnahmen, Finanzierung und Erfolgskontrolle – WWF fordert langfristige Begrünungsplanung und mehr Unterstützung durch Bund und Länder












