Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
Wilderei: 20.000 Fallen in Vietnams Top-Nationalpark
Hanoi/Wien, 10. Juni 2009 – Bis zu 20.000 illegale Fallen werden jährlich in Vietnams bekanntestem Nationalpark Cat Tien von Rangern gefunden. Die Polizei beschlagnahmte nun fast 300 Kilogramm Wildfleisch und nahm mehrere Wilderer fest. Der Park ist die Heimat der letzten Annamiten-Nashörner, der seltensten Säugetierart der Welt. 40 weitere bedrohte Arten sind durch die Fallensteller massiv gefährdet. Der WWF Österreich betreibt zusammen mit dem WWF Vietnam derzeit ein Projekt um die letzten Nashörner zu retten.
Der Cat Tien Nationalpark mit seinen 72.000 Hektar ist Vietnams bekanntestes Naturschutzgebiet und wird jährlich von mehr als 15.000 Touristen besucht. 439 Arten von Schmetterlingen, 105 Säugetierarten, 1.600 Pflanzenarten, 348 Vogelarten und 133 Fischarten zeugen von seiner beeindruckenden Artenvielfalt. Allein im Jahr 2008 wurden von den 120 Rangern des Nationalparks über 20.000 Fallen entfernt. In einem besonders schlimmen Monat wurden 5.000 neue Fallen gefunden. Meist handelt es sich dabei um Eisen-, Schling- oder Käfigfallen. Leider legen die Bewohner die selbst gemachten Fallen auch im Bereich des Nationalparks aus und verkaufen dann die gefangenen Tiere tot oder lebend in den benachbarten Gemeinden. Für die Annamiten-Nashörner stellen die illegalen Fallen eine unkalkulierbare Bedrohung dar. Der WWF Österreich arbeitet derzeit an einem Projekt um die letzten drei bis acht Exemplare dieser Art zu retten. „Wenn nur ein einziges Tier stirbt, bedeutet dies sehr wahrscheinlich das Aus für den gesamten Bestand“, warnt Jutta Jahrl, Artenschutzexpertin des WWF Österreich und Verantwortliche für das WWF-Nashornprojekt.
Die Kontrolle der illegal gelegten Fallen wird für die Ranger immer schwieriger, obwohl die Jagd ohne Genehmigung in Vietnam seit 1975 verboten ist. Im März beschlagnahmten Ranger und Polizei 286 Kilo Fleisch von Wildtieren und fanden elf Stellen, wo die Reste der Tiere verkauft wurden. In zwei Staatswäldern im zentralen Hochland Vietnams haben Ranger neun Bewaffnete festgenommen, die Jagd auf gefährdete Tiere machten. Sie fanden dabei die Kadaver von zwei stark bedrohten Arten – ein Riesen-Moschustier und einen Kleideraffen. „Um das Überleben dieser extrem seltenen Tiere sicherzustellen muss der Kampf gegen die illegale Bejagung und den Konsum geschützter Arten massiv verstärkt werden“, fordert Jahrl.
Neben Wilderern und Fallenstellern bedroht auch der Straßenbau die Tiere im Cat Tien Nationalpark. Um der vietnamesischen Regierung zu beweisen, dass es die Annamiten-Nashörner noch gibt, startet der WWF im Oktober 2009 nach der Regenzeit ein Monitoring-Projekt. Mit Hilfe speziell trainierter Hunde und mit gut ausgebildeten Rangern wird nach dem Dung der Nashörner gesucht der dann genetisch untersucht wird um die Zahl und das Geschlecht festzustellen. Auch Kamera-Fallen sollen zum Einsatz kommen. Erst wenn diese Grundlagen vorliegen, kann der WWF zusammen mit der vietnamesischen Regierung ein langfristiges Schutzprogramm ausarbeiten und umsetzen.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231
Email: franko.petri@wwf.at.
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