EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
WWF alarmiert: 40 Prozent des weltweiten Fischfangs weggeworfen
Wien / Gland, 15. April 2009 – Fast die Hälfte des weltweit gefangenen Fischs wird weggeworfen oder nicht verarbeitet. Dies ergab eine soeben veröffentlichte, wissenschaftliche Studie unter Mitwirkung des WWF, die auf Daten aus 46 Nationen beruht. Die Autoren der Studie – „Defining and estimating global marine fisheries bycatch“ – fanden heraus, dass jedes Jahr mindestens 38 Millionen Tonnen Fisch nicht verwendet oder verarbeitet werden – das sind mindestens 40 Prozent der gesamten Menge an gefangenem Fisch aus unseren Weltmeeren.
Wenn Fischerboote aufs Meer hinausfahren, suchen sie primär nach ihrem „Zielfang“. Oft werden riesige Schleppnetze verwendet, die großflächig am Meeresboden entlang gezogen werden. Durch derlei unselektive Fischerei-Methoden fangen Fischerflotten auch Millionen Tonnen anderen marinen Lebens, den so genannten Beifang. Die Fischer unterscheiden nicht, was in ihre Netze geht – erst im Nachhinein wird ausselektiert und der nutzlose Rest verletzt, sterbend oder tot wieder ins Meer zurückgeworfen. Auf diese Weise verenden Delfine, Wale, Schildkröten oder Seevögel.
Ergebnisse noch alarmierender als angenommen:
Die Ergebnisse der soeben veröffentlichten Studie liegen sogar noch weit über den vorherigen weltweiten Schätzungen.
Besonders dramatisch ist die Fischerei auf Haie: nur deren Flossen werden abgeschnitten und der Rest des Kadavers zurück ins Wasser geworfen. Dadurch werden 92 Prozent des eigentlichen Fangs wieder in den Ozean entsorgt. „Dies ist der alarmierenste Fall von verschwenderischem Fischfang“, so WWF-Meeresexperte Georg Scattolin. „Es gibt bereits simple, als wirksam erwiesene Methoden um sicherzustellen, dass alle Fischereiaktivitäten angemessen gehandhabt werden, um Beifang zu reduzieren, wie zum Beispiel eine selektivere Ausrüstung und Beobachter auf Fischerbooten“, fügt Scattolin hinzu. „Allerdings müssen diese Methoden zur Regel, als Teil von langfristigem, nachhaltigem Management unserer Meere werden. Noch sind sie eine Ausnahme.“
Beifang ist ein Wirtschaftsfaktor:
Der Beifang kostet den Fischern Zeit und Geld und trägt langfristig zur Überfischung unserer Weltmeere bei. Somit gefährdet er zum einen die zukünftigen Einkommen und Existenzen der Fischer selbst, zum anderen aber auch die Nahrungsversorgung weltweit. Viele Spezies sind bereits an den Rand des Aussterbens gedrängt, und auch in die sensible Balance des marinen Ökosystems wird durch die menschliche Ausbeutung drastisch eingegriffen.
„Die Gesundheit unserer Weltmeere kann nicht wiederhergestellt werden und die Fischerei nicht nachhaltig gehandhabt werden, wenn 40 Prozent des weltweiten Fischfangs nicht verwendet oder verarbeitet werden“, resümiert James P. Leape, Generaldirektor des WWF International. Der WWF setzt sich deshalb seit Jahren für eine nachhaltige Fischerei und eine sorgsame Verwaltung unsere Ozeane ein.
Was kann der Konsument tun:
Was als Fischmenü auf unseren Tellern landet, hat oft eine zerstörerische Vorgeschichte. Dies kann der Konsument nur umgehen, indem er beim Einkauf auf das blaue MSC-Gütesiegel auf der Fischverpackung achtet, dem weltweit einzig anerkannten Gütesiegel für nachhaltige Meeres-Fischerei. Produkte mit dem MSC-Siegel können bedenkenlos verzehrt werden.
Rückfragehinweis:
WWF Österreich, Mag. Georg Scattolin, Tel. 01- 48817-265
Studie zum Download unter
http://assets.panda.org/downloads/bycatch_paper.pdf
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Tigerinnen in Thailand ziehen erfolgreich Nachwuchs groß
Aufnahmen von Wildtierkameras zeigen, wie thailändische Tigerfamilien durch die Wälder streifen. Und auch Zahlen bestätigen, dass sich die dortigen Tigerbestände erholen – in Thailand ist er seit 2024 um 16% angestiegen.
WWF-Flüssereport: Drei Viertel der ökologisch wertvollen Flussstrecken ungeschützt
77 Prozent der wertvollen Flussstrecken ohne verbindlichen Schutz vor weiterem Wasserkraftausbau – Hitze und Dürre machen Schutz und Renaturierung dringlicher – WWF legt Zeugnisse für alle neun Bundesländer vor
UNO-Artenschutzkonferenz: WWF bewertet Ergebnis als „verpasste Chance“
Staaten bleiben bei Naturschutz-Finanzierung und Abbau umweltschädlicher Subventionen hinter notwendiger Ambition zurück – WWF fordert Konsequenzen auch in Österreich
CITES-Meeting: WWF warnt vor Tigerfarmen als Deckmantel für illegalen Wildtierhandel
Große Datenlücken erschweren Kontrolle des Handels mit Tigern – WWF fordert strengere Aufsicht und ein Ende der Zucht für den Handel mit Körperteilen – Artenschutzgremium CITES tagt in Genf
WWF und Ozeanforscherin Sylvia Earle legen Grundstein für besseren Schutz des Mittelmeers
Neue Hoffnungs-Zone für den Artenschutz im Mittelmeer – Basis für grenzüberschreitenden Schutz seltener Hai- und Rochenarten, Wale, Delfine und Meeresschildkröten – WWF fordert politische Zusagen
Weltnaturkonferenz: WWF fordert Kurskorrektur bei Milliarden-Subventionen
UNO-Konferenz vor Abschluss – Reform umweltschädlicher Subventionen stark umkämpft – Naturschutzorganisation fordert verbindlichen Finanzierungsplan
WWF zum Klimagesetz: Ohne verbindliche Pflichten droht Mogelpackung
Begutachtungsfrist endet am Freitag: Verbindliche Sektorziele und Rechtsschutz fehlen, Standortklausel ermöglicht Rückzieher – Bundesregierung und Nationalrat müssen Entwurf nachschärfen
WWF: 20 Spitzmaulnashörner zum Schutz vor Wilderern evakuiert
Nashorn-Wilderei in Südafrika bedroht Arterhalt – Umsiedlung von Tieren nach Botswana zum Aufbau neuer Populationen – WWF vor Ort im Einsatz gegen illegale Jagd und Handel mit Nashorn-Horn













