Im WWF-Reservat hat die Storchen-Saison begonnen – 2025 gutes Jahr für den Storchen-Bestand – Weitere Rückkehrer werden in den kommenden Wochen erwartet
WWF: Artenvielfalt braucht „wilde“ Waldschutzgebiete ohne Nutzung
Wien, am 14. November 2012 – Der WWF hält großflächige Schutzgebiete, in denen sich Wälder ohne den Eingriff des Menschen frei entwickeln können, für unverzichtbar. „Damit die Artenvielfalt des Ökosystems Wald erhalten bleibt, brauchen wir Gebiete, in denen natürliche ökologische Prozesse Vorrang vor jeglicher Nutzung haben“, hält Bernhard Kohler, Leiter des WWF-Österreichprogramms, fest. Mit dieser Ansicht widerspricht er dem Präsidenten der Land & Forstbetriebe Österreich, Felix Montecuccoli, der jüngst erklärt hat, Wildnisgebiete würden die heimische Forstwirtschaft und in weiterer Folge sogar den Wald selbst bedrohen. Das Gegenteil ist der Fall: Ein Drittel der waldbewohnenden Arten ist auf nutzungsfreie Flächen angewiesen. So benötigt etwa der Weißrückenspecht besonders totholzreiche Wälder zur Nahrungssuche und zur Anlage seiner Bruthöhlen. In Wirtschaftswäldern kommt die Art nur in sehr geringen, langfristig nicht überlebensfähigen Beständen vor.
Zwei Drittel der heimischen Arten des Waldes kommen mit der Forstwirtschaft zurecht, sofern man konsequent auf eine naturschonende Nutzung setzt. Um das volle Spektrum der Tier- und Pflanzenwelt unserer Wälder zu erhalten, braucht es jedoch auch große Nicht-Eingriffsflächen, wie sie in Wildnisgebieten und Nationalparks vorgesehen sind. „Das ist keine Frage des Entweder-Oder, sondern des Sowohl-als-auch“, betont Kohler. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der größte Artenreichtum erreicht wird, wenn die Bäume älter als 200 Jahre werden dürfen. Wirtschaftswälder werden aber bereits nach 80 bis 160 Jahren geschlägert.
Totholz, das für viele Vogel-, Käfer-, Schnecken-, Pilz- und Flechtenarten überlebenswichtig ist, kommt in ausreichenden Mengen nur auf Waldflächen vor, die überhaupt nicht genutzt werden. In Wirtschaftswäldern mit einem Totholzanteil von nur zwanzig Kubikmetern pro Hektar kommen Arten wie Weißrückenspecht, Bechsteinfledermaus und Großer Eichenbockkäfer ‒ die als echte Urwaldrelikte gelten ‒ in arge Bedrängnis. „Wenn wir den Verlust zahlreicher Arten verhindern wollen, müssen wir zumindest Teile unserer Waldlandschaft außer Nutzung stellen“, unterstreicht Kohler.
Die Erhaltung einzelner Altbäume und Altholzinseln im Wirtschaftswald, wie sie derzeit im Rahmen von Umweltmaßnahmen gefördert wird, ist ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz. Wegen der Kleinflächigkeit reichen diese Maßnahmen alleine nicht aus, speziell für die anspruchsvollsten Arten. Wissenschaftler schätzen den Bedarf an nicht-genutzter Waldfläche für die Sicherung der Artenvielfalt in Österreich auf ungefähr zehn Prozent. Damit bliebe immer noch ein beträchtlicher Anteil für eine pflegliche Nutzung übrig.
Der Ruf nach Wildnisgebieten steht für den WWF nicht im Widerspruch zu einer ausgewogenen Nutzung des österreichischen Waldes. Gerade weil der Wald verschiedene Ansprüche der Gesellschaft an den Wald bedienen soll, kann nicht die ausschließliche flächendeckende Holznutzung zum Dogma gemacht werden. Der Schutz von Urwaldarten, waldökologische Grundlagenforschung und nicht zuletzt das Erleben unbeeinflusster, wilder Natur und sind nur in großflächig eingriffsfreien Waldgebieten möglich. Deshalb gehört laut WWF die Einrichtung von Wildnisgebieten unverzichtbar zu einem ausgewogenen Waldmanagement und somit zu echter Nachhaltigkeit.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250, E-Mail: cm@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
20 Jahre WWF Earth Hour: Weltweit gehen am 28. März die Lichter aus
Bundespräsident Alexander Van der Bellen ruft gemeinsam mit WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides zur Teilnahme an der globalen Klima- und Naturschutz-Aktion auf
WWF-Klimaschutz-Monitor: Schlechte Klimapolitik wird zum Milliardenrisiko
Analyse nach erstem Jahr der Dreier-Koalition zeigt große Defizite – Bundesregierung verspielt Erreichen der Klimaziele und erzeugt Milliardenrisiken für Budget – WWF fordert Kurskorrektur
Bundesregierung: Erstes Bodenschutz-Zeugnis zeigt große Defizite
WWF-Bodenschutz-Monitor 2026 veröffentlicht: Ein Jahr nach Regierungsstart prägen Stillstand und Rückschritte die Bodenpolitik – Widmungsabgabe als positive Ausnahme
Video: Animation zeigt Klimarisiken im Kaunertal
Eine ZDF-Animation zeigt, was passieren könnte, wenn ein Felssturz den Gepatsch-Stausee trifft.
Notruf vom Nordpol: WWF warnt vor zunehmenden Gefahren für die arktische Tierwelt
Eisbären, Walrosse und Ringelrobben leiden unter Klimakrise und Öl-Industrie – WWF fordert konsequenten Ausstieg aus fossiler Energie und wirksam geschützte Rückzugsräume
Good News: Seltene Gorilla-Zwillinge im Virunga-Nationalpark geboren
Seltene Neuigkeiten aus dem Virunga-Nationalpark: Gorillaweibchen Mafuko hat Zwillinge bekommen!
„Achtung Gefahr“: WWF protestiert mit 20-Meter-Banner gegen Kaunertal-Ausbau
Massive Gefahren für Bevölkerung und Natur weiterhin ungeklärt – UVP-Unterlagen „skandalös unvollständig“ – WWF macht mit Riesen-Banner auf Sicherheitsrisiken aufmerksam
Nach Massen-Fischsterben: WWF fordert Wasser-Rettungspaket für Untere Lobau
Naturschutzorganisation: Langjähriger Wassermangel wirkt sich in niederschlagsarmen und kälteren Wintern besonders fatal für Fische aus – Stadt Wien sollte rasch mit Gegenmaßnahmen starten













