95 Prozent der Grillfleisch-Angebote aus konventioneller Tierhaltung, nur jedes 20. Angebot ist Bio – WWF fordert verpflichtende Kennzeichnung von Herkunft und Haltung
WWF: Artenvielfalt braucht „wilde“ Waldschutzgebiete ohne Nutzung
Wien, am 14. November 2012 – Der WWF hält großflächige Schutzgebiete, in denen sich Wälder ohne den Eingriff des Menschen frei entwickeln können, für unverzichtbar. „Damit die Artenvielfalt des Ökosystems Wald erhalten bleibt, brauchen wir Gebiete, in denen natürliche ökologische Prozesse Vorrang vor jeglicher Nutzung haben“, hält Bernhard Kohler, Leiter des WWF-Österreichprogramms, fest. Mit dieser Ansicht widerspricht er dem Präsidenten der Land & Forstbetriebe Österreich, Felix Montecuccoli, der jüngst erklärt hat, Wildnisgebiete würden die heimische Forstwirtschaft und in weiterer Folge sogar den Wald selbst bedrohen. Das Gegenteil ist der Fall: Ein Drittel der waldbewohnenden Arten ist auf nutzungsfreie Flächen angewiesen. So benötigt etwa der Weißrückenspecht besonders totholzreiche Wälder zur Nahrungssuche und zur Anlage seiner Bruthöhlen. In Wirtschaftswäldern kommt die Art nur in sehr geringen, langfristig nicht überlebensfähigen Beständen vor.
Zwei Drittel der heimischen Arten des Waldes kommen mit der Forstwirtschaft zurecht, sofern man konsequent auf eine naturschonende Nutzung setzt. Um das volle Spektrum der Tier- und Pflanzenwelt unserer Wälder zu erhalten, braucht es jedoch auch große Nicht-Eingriffsflächen, wie sie in Wildnisgebieten und Nationalparks vorgesehen sind. „Das ist keine Frage des Entweder-Oder, sondern des Sowohl-als-auch“, betont Kohler. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der größte Artenreichtum erreicht wird, wenn die Bäume älter als 200 Jahre werden dürfen. Wirtschaftswälder werden aber bereits nach 80 bis 160 Jahren geschlägert.
Totholz, das für viele Vogel-, Käfer-, Schnecken-, Pilz- und Flechtenarten überlebenswichtig ist, kommt in ausreichenden Mengen nur auf Waldflächen vor, die überhaupt nicht genutzt werden. In Wirtschaftswäldern mit einem Totholzanteil von nur zwanzig Kubikmetern pro Hektar kommen Arten wie Weißrückenspecht, Bechsteinfledermaus und Großer Eichenbockkäfer ‒ die als echte Urwaldrelikte gelten ‒ in arge Bedrängnis. „Wenn wir den Verlust zahlreicher Arten verhindern wollen, müssen wir zumindest Teile unserer Waldlandschaft außer Nutzung stellen“, unterstreicht Kohler.
Die Erhaltung einzelner Altbäume und Altholzinseln im Wirtschaftswald, wie sie derzeit im Rahmen von Umweltmaßnahmen gefördert wird, ist ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz. Wegen der Kleinflächigkeit reichen diese Maßnahmen alleine nicht aus, speziell für die anspruchsvollsten Arten. Wissenschaftler schätzen den Bedarf an nicht-genutzter Waldfläche für die Sicherung der Artenvielfalt in Österreich auf ungefähr zehn Prozent. Damit bliebe immer noch ein beträchtlicher Anteil für eine pflegliche Nutzung übrig.
Der Ruf nach Wildnisgebieten steht für den WWF nicht im Widerspruch zu einer ausgewogenen Nutzung des österreichischen Waldes. Gerade weil der Wald verschiedene Ansprüche der Gesellschaft an den Wald bedienen soll, kann nicht die ausschließliche flächendeckende Holznutzung zum Dogma gemacht werden. Der Schutz von Urwaldarten, waldökologische Grundlagenforschung und nicht zuletzt das Erleben unbeeinflusster, wilder Natur und sind nur in großflächig eingriffsfreien Waldgebieten möglich. Deshalb gehört laut WWF die Einrichtung von Wildnisgebieten unverzichtbar zu einem ausgewogenen Waldmanagement und somit zu echter Nachhaltigkeit.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250, E-Mail: cm@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Neue Studie: Ökonomin Stagl warnt vor Budgetrisiken durch fehlende Klimapolitik
Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget
WWF-Erfolg: WWF weitet Monitoring von Seeadlern aus
So viele besenderte Seeadler wie noch nie zuvor helfen dem WWF, die Rückkehr der Art zu begleiten. Die Daten liefern spannende Einblicke und zeigen, welche Schutzmaßnahmen besonders wichtig sind.
Wappentier im Aufwind: WWF weitet Seeadler-Monitoring aus
22 besenderte Greifvögel liefern wertvolle Daten für den Artenschutz – Erste markierte Seeadler brüten mittlerweile in drei Nachbarländern – Rund 90 Paare leben wieder in Österreich
Wasserkrise in der Lobau: Eines der größten Gewässer erstmals im Frühjahr geteilt
Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau
Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Neuer Bericht zeigt dramatisches Ausmaß illegaler Verfolgung geschützter Arten – BirdLife Österreich und WWF Österreich fordern nationalen Aktionsplan
Neuer Entwurf für Isel-Schutzgebiet verfehlt EU-Vorgaben
Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele













