Folgen der Klimakrise sorgen für Schäden in Millionenhöhe – Umweltschutzorganisation fordert konsequenten Klimaschutz und wirksame Klimawandelanpassung statt reiner Symptombekämpfung
WWF begrüßt Nominierung von Andritz Hydro zum „Schandfleck des Jahres“
Wien, 3. Februar 2014 – Seit 20. Jänner 2014 kann jeder am Online-Voting für den Schmähpreis „Schandfleck des Jahres“ des Netzwerks Soziale Verantwortung teilnehmen (www.schandfleck.or.at) . Mit diesem Titel werden Unternehmen, Organisationen, Institutionen oder Einzelpersonen bedacht, die sich durch mangelnde gesellschaftliche Verantwortung auszeichnen. Der WWF begrüßt die neuerliche Nominierung der Andritz Hydro GmbH. Im Vorjahr verfehlte das Unternehmen den Negativ-Titel für seine Beteiligung am sozial und ökologisch verheerenden Belo-Monte-Staudamm in Brasilien nur knapp. Dem Unternehmen wird die „wiederholte Beteiligung an ökologisch und menschenrechtlich problematischen Staudammprojekten“ vorgeworfen. Heuer wurde Andritz für die Beteiligung am verheerenden Staudammprojekt „Xayaburi“ in Laos nominiert. Der WWF fordert Andritz auf von diesem Projekt Abstand zu nehmen. Außerdem muss die österreichische Bundesregierung die Empfehlungen des UN-Komitees für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte umsetzen und mehr Verantwortungsbewusstsein von österreichischen Unternehmen bei deren Aktivitäten im Ausland einfordern.
Der Xayaburi-Staudamm am Mekongstrom in Laos soll 820 Meter lang und mehr als 30 Meter hoch werden. Weiters sind elf Wasserkraftanlagen am unteren Mekong und 77 weitere Kraftwerke an Nebenflüssen geplant. Die Kosten für den Megastaudamm belaufen sich auf etwa drei Milliarden Euro. Das Unternehmen Andritz soll für den Kraftwerksbau acht Kaplanturbinen im Wert von bis zu 300 Millionen Euro liefern.
Die Auswirkungen des Xayaburi-Staudamms – der erste am Unterlauf des Mekong – und weiterer geplanter Dämme können für die Ernährungssicherheit der Menschen in Südostasien verheerend werden, so der WWF. Der Mekong ist die Ernährungsgrundlage für 60 Millionen Menschen. Knapp ein Viertel aller Süßwasserfischfänge stammen aus diesem Fluss. Sollten die Dämme gebaut werden, muss mit einem Rückgang des Fischfangs um ein Siebtel, einem wirtschaftlichen Schaden für die Region von etwa 350 Millionen Euro pro Jahr sowie zerstörerischen Auswirkungen für das Mekongdelta gerechnet werden, befürchtet die Umweltorganisation. Die fehlenden Sedimente, die von den Dämmen zurückgehalten würden, gefährden die Landwirtschaft Vietnams im Mündungsgebiet des Flusses. Denn aus dem Delta stammen 50 Prozent der Grundnahrungsmittel des Landes.
Durch den Damm und weitere geplante Dämme ist auch die biologische Vielfalt in Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam gefährdet. Fischarten wie der drei Meter lange Riesenwels könnten durch den Damm zum Laichen nicht mehr stromaufwärts schwimmen. Wenn sich die Nahrung aus dem Fischfang verknappt, sind die Menschen gezwungen auf neue landwirtschaftliche Anbauflächen auszuweichen und neues Weideland für die Viehzucht zu begründen. „Mehr als 1.300 Quadratkilometer Land sollen in den insgesamt elf geplanten Stauseen am Hauptstrom verschwinden. Zusätzlich müssten fast 5.000 Quadratkilometer neue Landwirtschaftsflächen geschaffen werden“, sagt WWF Experte Georg Scattolin.
In Finnland hatte die Regierung massive Bedenken wegen der Beteiligung des finnischen Konzerns Pöyry und ordnete eine Untersuchung der Geschäftsgebarung des Konzerns an. In Österreich gibt es noch keine solche Untersuchung. „Die Bundesregierung darf sich hier nicht aus der Verantwortung stehlen, wenn ein österreichisches Unternehmen sich an diesem ökologisch katastrophalen Projekt in Südostasien beteiligt“, so Scattolin.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231, E-mail: franko.petri@wwf.at. Website: www.wwf.at.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Elefanten in der Klimakrise: WWF warnt vor “gefährlichem Cocktail” für Dickhäuter
Dürre, Hitze und extreme Niederschläge verändern den Lebensraum von Elefanten massiv – Suche nach Wasser und Futter zunehmend erschwert – WWF fordert verstärkte Schutzmaßnahmen
Ein Drittel des Tiroler Wolfsbestandes abgeschossen: WWF kritisiert Management des Landes scharf
2026 bereits zehn Wölfe in Tirol getötet – Naturschutzorganisation fordert Ende von Abschüssen als Standardlösung: „Wild sein ist kein Verbrechen“
Fischkonsum im Urlaub: WWF warnt vor Importware und verstecktem Haifisch-Fleisch
Fischgerichte auf Touristenmenüs und Märkten häufig aus Asien und Lateinamerika importiert oder unter irreführenden Namen angeboten – WWF fordert mehr Transparenz und ruft zur Vorsicht beim Fischkonsum auf
Klimakrise offenbart Grenzen der Wasserkraft: WWF fordert vielfältigen Energiemix statt weiterer Flussverbauung
Trockenheit bremst Stromproduktion – Energieversorgung muss klimafit und naturverträglich werden – WWF fordert Energiesparen und Vielfalt beim Ausbau Erneuerbarer Energien
WWF fordert Schutzpaket für heimische Flüsse: Flusspegel auf bisher tiefstem Stand
Juli-Abflüsse an 90 Prozent der Pegel-Messstellen sehr niedrig – Burgenland, Vorarlberg und Niederösterreich besonders betroffen – WWF fordert mehr Gewässerschutz und Renaturierung
Toni Innauer wirbt für den Lech als „Fluss des Jahres“
Tiroler Wildfluss steht beim österreichweiten WWF-Voting zur Wahl – Olympiasieger mobilisiert für den Schutz der letzten naturnahen Flusslandschaften
Klimakrise als Brandbeschleuniger: WWF fordert mehr Tempo bei Waldumbau
Klimakrise erhöht Waldbrandgefahr in Österreich dramatisch – Monokulturen besonders anfällig – WWF fordert Stärkung der Wasserspeicher-Funktion naturnaher Wälder durch “Schwammwald-Offensive”
Good News: Nashorn-Wilderei in Namibia geht zurück
In Namibia wurden 2025 so wenige Nashörner gewildert wie seit mehr als 10 Jahren nicht mehr. Der Rückgang um 53% zeigt, dass konsequenter Artenschutz wirkt.













