660 Meter Menschenkette in Innsbruck machte Ausmaß des geplanten Tiwag-Staudamms sichtbar – Initiative „Rettet das Platzertal“ fordert Stopp des Projekts und naturverträgliche Alternativen
WWF: Blatten-Katastrophe könnte sich im Kaunertal wiederholen
Anlässlich des Endes der UVP-Begutachtungsfrist zum Ausbauprojekt Kaunertal am 12. September warnt der WWF vor einer möglichen Katastrophe wie im Schweizer Blatten, wo im Mai ein ganzes Dorf durch einen Bergsturz verschüttet wurde. Grundlage dafür ist eine aktuelle Analyse des renommierten Glaziologen und Geomorphologen Prof. Dr. Wilfried Haeberli von der Universität Zürich. Demnach sind die thermischen und topographischen Charakteristiken des destabilisierten Berghangs im Schweizer Lötschental mit jenen oberhalb des Kaunertaler Gepatsch-Speichers vergleichbar. „Die Tiwag verliert in ihren UVP-Unterlagen kein Wort über diese potenziellen Risiken oder spielt sie sogar noch herunter. Das ist ein Skandal und vollkommen verantwortungslos gegenüber der betroffenen Bevölkerung”, sagt WWF-Experte Maximilian Frey. Der WWF fordert daher eine unabhängige Sicherheitsprüfung der bestehenden Anlage im Kaunertal und eine Absage des Ausbauprojekts. „Angesichts der Gefahrenpotenziale im Hochgebirge und der drohenden Zerstörung des Naturjuwels Platzertal ist ein Ausbau des Kraftwerks Kaunertal unvertretbar”, sagt Maximilian Frey vom WWF.
Auftauender Permafrost destabilisiert Berghänge
Bereits im März dieses Jahres hatte ein unabhängiges Gutachten des Glaziologen und Geomorphologen Prof. Dr. Haeberli auf klimabedingte Naturgefahren im Kaunertal hingewiesen – darunter die Entstehung neuer Gletscherseen am Gepatschferner. Felsstürze, die durch die Erwärmung und das Auftauen des Permafrosts häufiger werden, könnten dabei zu gefährlichen Flutwellen führen. „Die Natur im Hochgebirge verändert sich durch den Klimawandel. Es ist unverständlich, dass die jetzt vorgelegten UVP-Unterlagen der Tiwag diese Tatsache nicht berücksichtigen, obwohl es ausgezeichnete Studien dazu gibt – auch aus Österreich”, sagt Prof. Dr. Wilfried Haeberli von der Universität Zürich. Durch den Klimawandel habe sich das Risiko von Bergstürzen in den letzten Jahrzehnten vervierfacht – eine ernste Warnung für Kraftwerksbetreiber im Hochgebirge. „Die klimabedingten Veränderungen im Hochgebirge und die damit einhergehenden Naturgefahren müssen für bestehende und geplante Kraftwerksprojekte sorgfältig abgeklärt werden. Die vorliegenden UVP-Unterlagen werden dieser Notwendigkeit nicht gerecht und müssen überarbeitet werden”, sagt Prof. Dr. Wilfried Haeberli.
Bürgerinitiative unterstützt Forderungen
Auch die Bürgerinitiative Lebenswertes Kaunertal fordert Konsequenzen. Denn die Ereignisse in Blatten hätten gezeigt, welche verheerenden Folgen Naturgefahren im Hochgebirge haben können. „Die Risiken sind real und die Menschen im Kaunertal müssen damit jeden Tag leben. Wir erwarten uns von der Politik und der Tiwag klare Maßnahmen, die die Sicherheit der Bevölkerung an erste Stelle setzen”, sagt Obfrau Anita Hofmann. Ein „Weiter wie bisher” sei für die Menschen vor Ort jedenfalls keine Option.
Die gesamte Stellungnahme des Glaziologen und Geomorphologen Prof. Dr. Haeberli zu den aktuellen UVP-Unterlagen zum Ausbau des Kraftwerks Kaunertal ist hier zu finden.
News
Aktuelle Beiträge
WWF zu EABG-Einigung: Schutz der letzten Flussjuwele vor Aushebelung bewahrt
Untauglicher Entwurf der Koalition in parlamentarischen Verhandlungen entschärft, aber Druck auf Flüsse bleibt hoch – WWF fordert Energiewende mit naturverträglichen Standorten und mehr Effizienz
Budget: WWF kritisiert Kürzungen bei Umwelt und Klima
Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
WWF: Österreichs Luchsbestand auf nur mehr rund 30 Tiere geschrumpft
Tag des Luchses: Aktueller FFH-Bericht an die EU-Kommission zeigt weitere Verschlechterung der bislang größten Teilpopulation im Mühl- und Waldviertel – WWF fordert rasche Bestandsstützung
WWF: Neun von zehn Flusspegeln mit Niedrigwasser
90 Prozent der Pegelmessstellen mit niedrigen bis sehr niedrigen Abflüssen – Flüsse in Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert mehr Renaturierung und Schutz für Gewässer
Welttag der Ozeane: WWF fordert Verdreifachung der Schutzgebiete im Mittelmeer
Rund 90 Prozent der Meeresfläche im Mittelmeer derzeit nicht geschützt – Überfischung, Verschmutzung und Klimakrise bedrohen einzigartige Artenvielfalt
WWF-Check: Rund ein Drittel der Grillfleisch-Angebote ohne österreichische Herkunft
95 Prozent der Grillfleisch-Angebote aus konventioneller Tierhaltung, nur jedes 20. Angebot ist Bio – WWF fordert verpflichtende Kennzeichnung von Herkunft und Haltung
Neue Studie: Ökonomin Stagl warnt vor Budgetrisiken durch fehlende Klimapolitik
Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget
WWF-Erfolg: WWF weitet Monitoring von Seeadlern aus
So viele besenderte Seeadler wie noch nie zuvor helfen dem WWF, die Rückkehr der Art zu begleiten. Die Daten liefern spannende Einblicke und zeigen, welche Schutzmaßnahmen besonders wichtig sind.










