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WWF: Brasilianische Regierung säumig bei Regenwaldschutz
Brasilia/Wien, 4. Juni 2009 – Brasilien brüstet sich damit, Vorreiter im Bereich des Schutzes des Naturerbes der Welt zu sein. Tatsächlich wurden drei wichtige Schutzgebietsgründungen bereits seit 2007 nicht bearbeitet. Dabei geht es um mehr als eine Million Hektar Regenwald. Der WWF und mehrere andere Umweltschutz- und Sozialorganisationen machen jetzt Druck. „Die Regierung von Präsident Lula muss die drei großen neuen Schutzgebiete sofort einrichten, bevor sie zerstört sind“, ruft Martina Glanzl, Amazonasexpertin des WWF.
25 Organisationen haben nun einen Brief unterschrieben, der am 2. Juni President Luiz Inácio Lula da Silva überreicht wurde. Darin wird der Präsident dazu aufgefordert, sich um das Schicksal von 750 Familien zu kümmern, die in drei von Zerstörung bedrohten brasilianischen Amazonasgebieten leben. Bereits im Jahr 2007 waren Konzepte zur Schaffung von Extraktions-Reservaten entwickelt worden, bis jetzt liegen diese Anträge unerledigt vor. Die Entscheidungslosigkeit des Präsidenten hat die Konflikte um diese Gebiete weiter geschürt. Die Zerstörung wichtiger Naturgebiete schreitet voran, obwohl diese Gebiete als immens wichtig für den Naturschutz gelten. Gerade in diesen Gebieten lebt eine große Zahl von Menschen im Wald und von den Waldprodukten – vom Ernten von Kautschuk bis zum Sammeln von Waldfrüchten und Nüssen. Viele dieser Gruppen leben seit mehr als 200 Jahren in dem Gebiet, ihre Waldrechte sind von der brasilianischen Regierung anerkannt. Leider kümmern sich aber illegale Holzfäller und große Firmen nicht um indigene Waldrechte – sie nehmen sich, was sie wollen, notfalls mit Gewalt. Im Zuge solcher Gewaltausbrüche wurde im Jahr 2006 sogar ein Mitarbeiter der brasilianischen Umweltbehörde Ibama getötet.
Drei naturschutztechnisch wichtige Gebiete stehen jetzt im Zentrum der Verhandlungen: Baixo Rio Branco-Jauaperi in den Bundesstaaten Roraima and Amazonas, Renascer im Bundesstaat Pará und Montanha Mangabal in Pará. Alle zusammen haben mehr als eine Million Hektar. Die Bevölkerung dieser Gebiete – insgesamt etwa 750 Familien – kämpft seit dem Jahr 2000 darum, dass ihre Heimat den Schutzstatus eines Extraktionsreservates erhält. Extraktionsreservate haben einen besonderen Schutzstatus für ein Gebiet, das nachhaltig genutzt werden darf.
Die brasilianische Umwelt erlebte kürzlich einige Tiefschläge in Form einer neuen Landwirtschaftsgesetzgebung und eines Forstkonzepts, in dem die Natur nur wenig Platz hat. Der WWF befürchtet, dass die Regierung Lula sich nicht hinter die Natur stellt, sondern eine kurzsichtige, die Regenwälder zerstörende Wirtschaftsweise unterstützt. „Es ist bedenklich, dass die brasilianische Regierung im Fall der Extraktions-Reservate-Gründung nicht einmal reagiert“, befürchtet Martina Glanzl, Amazonasexpertin des WWF Österreich ein völliges Desinteresse der brasilianischen Regierung selbst an den Problemen der Menschen im Amazonas. “Wir hoffen, dass der offene Brief einer breiten Plattform von unterstützenden Organisationen aus den Bereichen Naturschutz und Entwicklungshilfe die Regierung endlich wachrüttelt.“
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231
Email: franko.petri@wwf.at.
Factsheet und Karte zum Download unter www.wwf.at/presse
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