EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
WWF: Bundesländer setzen rechtswidrig auf Flinte und Panikmache gegen Wolf
Wien/Klagenfurt, am 12.01.2018 – Der WWF kritisiert die heutige Forderung der Landesagrarreferenten nach einer „Regulierung“ der Wolfsbestände und einer Aufweichung des Schutzstatus von Wölfen als rechtswidriges Armutszeugnis. „Anstatt ihre politische Verantwortung wahrzunehmen, wollen die Agrar-Landesräte den Wolf in Österreich offenbar ein zweites Mal ausrotten. Das ist völlig inakzeptabel. Tatsächlich ist der Wolf durch EU-Recht streng geschützt und sind Abschüsse nur in eng definierten Ausnahmefällen möglich“, sagt WWF-Wolfsexperte Christian Pichler, der daher eine sofortige Rücknahme des Klagenfurter Beschlusses fordert. „Flinte und Panikmache sind der völlig falsche Weg. Vielmehr sind die Bundesländer endlich gefordert, länderübergreifende Management- und Förderkonzepte mit Herdenschutz-Maßnahmen und Entschädigungen zu etablieren. Wenn die einzelnen Länder dazu nicht in der Lage sind, muss die Bundesregierung koordinierend eingreifen und ein rechtskonformes Vorgehen sicherstellen“, betont Pichler.
Selbstverständlich ist die Sorge von Weidetierhaltern ernst zu nehmen und müssen Konfliktlösungen im gemeinsamen Dialog aller erarbeitet werden. Immerhin 74 Prozent der Österreicher stehen dem Wolf positiv gegenüber und erwarten, dass die Politik für ein konfliktfreies Miteinander sorgt, wie aktuelle Umfragen zeigen. „Am Beispiel Deutschlands und der Schweiz mit zwei Jahrzehnten Erfahrung im Herdenschutz ist zu erkennen, dass Herdenschutz sehr wohl erfolgsversprechend ist, wenn die Betroffenen sachlich informiert und unterstützt werden“, verweist WWF-Experte Pichler auf internationale Beispiele, an denen sich Österreich orientieren sollte.
Die Rückkehr des Wolfes nach Europa ist seit fast zwei Jahrzenten zu beobachten, wobei Österreich das letzte Alpenland ist, in das der Beutegreifer zurückkehrt. Im gesamten Bundesgebiet leben derzeit gerade einmal 15 Wölfe. Angesichts der Wolfsdichten in unseren Nachbarländern Italien und Deutschland mit 1000 bzw. 500 Wölfen, wird mit der Forderung nach einer Bestandsregulierung weit übers Ziel geschossen, so der WWF. In diesem Sinne müssen die Agrarreferenten ihre heutige Positionierung rasch revidieren und klarstellen, dass sie im Umgang mit Wildtieren auf dem Boden geltenden Rechtes agieren werden.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 0676/83488203, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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