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WWF: Gasbohrungen bedrohen das Leben im östlichen Mittelmeer
Wien/Rom, Mittwoch 9. Februar 2011 – Gigantische Gasvorkommen in der Tiefsee des levantinischen Beckens im östlichen Mittelmeer haben derzeit eine große Zahl von Ansuchen für die Bewilligung von Tiefseebohrungen zufolge. Die negativen Auswirkungen der zu erwartenden Schäden an der einzigartigen Artenvielfalt dieser Gewässer sowie die gesetzlich vorgeschriebenen Beschränkungen werden noch weitgehend ignoriert, kritisiert der WWF. Die Umweltorganisation warnt davor, dass durch Bohrungen in dieser ökologisch sensiblen Region das Meeresleben auf Tausende Jahre zerstört werden könnte. „Der Boden des Levantinischen Meeres ist von einer Vielzahl an einzigartigen Tierarten bevölkert. Der WWF verurteilt Tiefseebohrungen an Hotspots der Artenvielfalt, da hier irreversible Schäden auftreten können“, so WWF-Meeresbiologe Axel Hein.
Die kürzliche entdeckten levantinischen Gasfelder liegen 135 Kilometer vor der israelischen Küste – mit einer geschätzten Größe von etwa 450 Milliarden Kubikmeter an Erdgas. Das ist das größte Erdgasvorkommen in der Tiefsee, das in den letzten Jahrzehnten gefunden wurde. Das Gasfeld im West-Nil-Delta in den ägyptischen Gewässern liegt 80 Kilometer nordwestlich von Alexandria. Die einzigartigen und empfindlichen Ökosysteme beinhalten eine Vielzahl von seltenen Arten von Tiefsee-Schwämmen, -Würmern, Weichtieren bis hin zu Tausende Jahre alten Kaltwasserkorallen. „Diese einzigartigen marinen Ökosysteme sind äußerst empfindlich und anfällig auf externe Einflüsse. Das Gebiet des Nil-Deltas bietet Lebensräume für eine biologische Vielfalt, die stark auf das aus dem Meeresboden sickernde Erdgas angewiesen ist.
Das levantinische Meer ist durch ein Gesetz der UN-Fischerei-Kommission, das im gesamten Mittelmeerraum gilt und das die zerstörerische Schleppnetzfischerei über einer Tiefe von Tausend Metern verbietet, geschützt. Dieses Verbot umfasst unter anderem auch zwei Tiefsee-Schutzgebiete, in denen auch andere schädliche Aktivitäten stark eingeschränkt sind.

Inzwischen rief die Europäische Union die EU-Mitgliedsstaaten auf, diese marinen Lebensräume auf europäischer und internationaler Ebene vor menschlichen Aktivitäten zu schützen, um die Artenvielfalt im Mittelmeerraum zu erhalten. Der WWF ersucht die östlichen Mittelmeerstaaten – speziell Zypern, Ägypten, Israel und Libanon – als auch die EU-Mitgliedstaaten, sicherzustellen, dass höchstmögliche Umweltauflagen festgelegt werden, die sowohl derzeitige als auch künftige Tiefseebohrungen für Gas und Öl im östlichen Mittelmeer mit einbeziehen.
„Umweltverträglichkeitsprüfungen müssen dringend ausgearbeitet und umgesetzt werden, bevor die Forscher der großen Gasfirmen auch nur einen Fuß in diesen Teil des Mittelmeers setzen“, fordert Hein. Um irreversible Schäden zu verhindern, sollten industrielle Entwicklungen und Bohrungen in Tiefseeregionen ausgesetzt werden. „Ist so eine Tiefseeregion einmal durchbohrt, kann es Jahrtausende oder sogar länger dauern, bis das einzigartige Ökosystem wieder nachwächst. Deshalb müssen diese fragilen und wertvollen Arten in ihren Unterwassergebieten weiterhin unberührt bleiben“, betont Hein.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, WWF Pressesprecher
Tel. 01/488 17 231, E-Mail: franko.petri@wwf.at.
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