22 besenderte Greifvögel liefern wertvolle Daten für den Artenschutz – Erste markierte Seeadler brüten mittlerweile in drei Nachbarländern – Rund 90 Paare leben wieder in Österreich
WWF: Gasbohrungen bedrohen das Leben im östlichen Mittelmeer
Wien/Rom, Mittwoch 9. Februar 2011 – Gigantische Gasvorkommen in der Tiefsee des levantinischen Beckens im östlichen Mittelmeer haben derzeit eine große Zahl von Ansuchen für die Bewilligung von Tiefseebohrungen zufolge. Die negativen Auswirkungen der zu erwartenden Schäden an der einzigartigen Artenvielfalt dieser Gewässer sowie die gesetzlich vorgeschriebenen Beschränkungen werden noch weitgehend ignoriert, kritisiert der WWF. Die Umweltorganisation warnt davor, dass durch Bohrungen in dieser ökologisch sensiblen Region das Meeresleben auf Tausende Jahre zerstört werden könnte. „Der Boden des Levantinischen Meeres ist von einer Vielzahl an einzigartigen Tierarten bevölkert. Der WWF verurteilt Tiefseebohrungen an Hotspots der Artenvielfalt, da hier irreversible Schäden auftreten können“, so WWF-Meeresbiologe Axel Hein.
Die kürzliche entdeckten levantinischen Gasfelder liegen 135 Kilometer vor der israelischen Küste – mit einer geschätzten Größe von etwa 450 Milliarden Kubikmeter an Erdgas. Das ist das größte Erdgasvorkommen in der Tiefsee, das in den letzten Jahrzehnten gefunden wurde. Das Gasfeld im West-Nil-Delta in den ägyptischen Gewässern liegt 80 Kilometer nordwestlich von Alexandria. Die einzigartigen und empfindlichen Ökosysteme beinhalten eine Vielzahl von seltenen Arten von Tiefsee-Schwämmen, -Würmern, Weichtieren bis hin zu Tausende Jahre alten Kaltwasserkorallen. „Diese einzigartigen marinen Ökosysteme sind äußerst empfindlich und anfällig auf externe Einflüsse. Das Gebiet des Nil-Deltas bietet Lebensräume für eine biologische Vielfalt, die stark auf das aus dem Meeresboden sickernde Erdgas angewiesen ist.
Das levantinische Meer ist durch ein Gesetz der UN-Fischerei-Kommission, das im gesamten Mittelmeerraum gilt und das die zerstörerische Schleppnetzfischerei über einer Tiefe von Tausend Metern verbietet, geschützt. Dieses Verbot umfasst unter anderem auch zwei Tiefsee-Schutzgebiete, in denen auch andere schädliche Aktivitäten stark eingeschränkt sind.

Inzwischen rief die Europäische Union die EU-Mitgliedsstaaten auf, diese marinen Lebensräume auf europäischer und internationaler Ebene vor menschlichen Aktivitäten zu schützen, um die Artenvielfalt im Mittelmeerraum zu erhalten. Der WWF ersucht die östlichen Mittelmeerstaaten – speziell Zypern, Ägypten, Israel und Libanon – als auch die EU-Mitgliedstaaten, sicherzustellen, dass höchstmögliche Umweltauflagen festgelegt werden, die sowohl derzeitige als auch künftige Tiefseebohrungen für Gas und Öl im östlichen Mittelmeer mit einbeziehen.
„Umweltverträglichkeitsprüfungen müssen dringend ausgearbeitet und umgesetzt werden, bevor die Forscher der großen Gasfirmen auch nur einen Fuß in diesen Teil des Mittelmeers setzen“, fordert Hein. Um irreversible Schäden zu verhindern, sollten industrielle Entwicklungen und Bohrungen in Tiefseeregionen ausgesetzt werden. „Ist so eine Tiefseeregion einmal durchbohrt, kann es Jahrtausende oder sogar länger dauern, bis das einzigartige Ökosystem wieder nachwächst. Deshalb müssen diese fragilen und wertvollen Arten in ihren Unterwassergebieten weiterhin unberührt bleiben“, betont Hein.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, WWF Pressesprecher
Tel. 01/488 17 231, E-Mail: franko.petri@wwf.at.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Wasserkrise in der Lobau: Eines der größten Gewässer erstmals im Frühjahr geteilt
Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau
Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Neuer Bericht zeigt dramatisches Ausmaß illegaler Verfolgung geschützter Arten – BirdLife Österreich und WWF Österreich fordern nationalen Aktionsplan
Neuer Entwurf für Isel-Schutzgebiet verfehlt EU-Vorgaben
Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect
WWF: Neue Hoffnung für den Tiger – Laos startet nationalen Aktionsplan zur Rückkehr der Großkatzen
Nur mehr rund 5.500 Tiger in freier Wildbahn – Neuer Zehn-Jahres-Plan zur Aufwertung der Tiger-Lebensräume in Laos beschlossen – WWF vor Ort zur Umsetzung im Einsatz













