In Namibia wurden 2025 so wenige Nashörner gewildert wie seit mehr als 10 Jahren nicht mehr. Der Rückgang um 53% zeigt, dass konsequenter Artenschutz wirkt.
WWF gratuliert: Salzburger Sulzbachtäler werden Wildnisgebiet
Presseaussendung
Wien, Salzburg, 15. September 2017 – Der Nationalpark Hohe Tauern als größtes Schutzgebiet Mitteleuropas, ist seit vergangener Woche um eine Superlative reicher: Als erster heimischer Nationalpark, beherbergt er künftig in seiner Kernzone ein Wildnisgebiet. Vollkommen unberührt von jagdlicher und sonstiger Nutzung, bleiben die mehr als 67 Quadratkilometer großen Flächen in den Sulzbachtälern, in ihrer Ursprünglichkeit für die Nachwelt erhalten. Der WWF gratuliert dem Nationalpark Hohe Tauern zur Vorreiterrolle im Bemühen um die weltweit höchste Schutzkategorie „Wildnisgebiet“. Bernhard Kohler, Wildnisexperte beim WWF Österreich, freut sich: „Ein großer Erfolg für den österreichischen Naturschutz – das Prädikat Wildnisgebiet zeigt eindrucksvoll, welch einzigartige Naturschätze unsere Nationalparke beheimaten.“ Kohler hofft, dass bald andere Österreichische Nationalparks dem Salzburger Beispiel folgen werden.
Fast achteinhalb Prozent der Nationalparkfläche, das sind 6.730 Hektar, erhielten am 6. September den Status Sonderschutzgebiet und sind somit als Wildnisgebiet unter Schutz gestellt. Charakteristisch und einzigartig für die Sulzbachtäler ist die Unberührtheit des Gebietes. Die Hochtäler und Bergspitzen an der Nordabdachung des Großvenedigers sind wichtige Refugien für Arten wie Steinbock, Murmeltier und Bartgeier. Bedingt durch das Abschmelzen der Gletscher, werden dort große Flächen, die bisher von Schnee und Eis bedeckt waren, frei. In ihnen kann die Forschung künftig wie in einem großen Freiluftlabor herausfinden, wie sich Natur ohne Mensch, Nutztiere und Jagd entwickelt. Ein Schwerpunkt liegt dabei im Untersulzbachtal, wo die bereits heuer gestarteten Untersuchungen zur Etablierung eines Langzeitmonitorings fortgesetzt und erweitert werden sollen.
Kohler vom WWF erläutert: „Die Unterschutzstellung wird in Zukunft für den Erhalt dynamischer natürlicher Prozesse sorgen, das Gebiet frei von menschlichen Eingriffen halten und besondere Wildnisqualitäten wie Naturnähe, Ungestörtheit und die Abwesenheit von Bauwerken dauerhaft sichern“, und ergänzt: „Das bedeutet nicht, dass Menschen der Zutritt verwehrt bleibt, im Gegenteil: Respektvolle Besucher können ein einzigartiges Naturerlebnis genießen, ohne den Wildnischarakter des Gebietes zu beeinträchtigen.“ So steht eine Hütte im Obersulzbachtal, bis zu 30 interessierten Naturliebhabern als Basislager für spannende Wildniscamps zur Verfügung.
Eigentümer des Wildnisgebietes sind der Nationalpark selbst, sowie die Österreichischen Bundesforste (ÖBf), mit denen langfristig gültige Vertragsnaturschutz-Regelungen getroffen wurden. Damit hat auf der gesamten Fläche des neuen Schutzgebietes künftig die Natur Vorrang. Die ÖBf haben im Wildnis-Management bereits Erfahrung: Sie sind langjähriger Partner in Österreichs bislang einzigem Wildnisgebiet, dem Wildnisgebiet Dürrenstein zum Schutz des Rothwaldes in Niederösterreich.
Der Grundstein für den Schutz der Sulzbachtäler wurde 2014 vom WWF und dem Nationalpark Hohe Tauern mit einer Machbarkeitsstudie gelegt. 2016 erfolgte durch den Ankauf von 3.000 Hektar Fläche von der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide im Unter- und Obersulzbachtal durch den Salzburger Nationalparkfonds, ein weiter wichtiger Schritt.
Die Schutzkategorie "Wildnisgebiet" bezeichnet die höchste Schutzkategorie gemäß Weltnaturschutz IUCN und unterliegt damit noch höherem Schutz als Nationalparke. Das Wildnisgebiet Sulzbachtäler ist das erste Beispiel eines derartigen Schutzgebiets innerhalb eines österreichischen Nationalparks. Die offizielle Anerkennung des Wildnisgebietes Sulzbachtäler durch die IUCN wird im Laufe des kommenden Jahres erwartet.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF Pressesprecherin, Tel.: 0676 83 488 203, claudia.mohl@wwf.at
Bernhard Kohler, WWF Wildnisexperte, Tel. 0676 83 488 281, bernhard.kohler@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Tag des Tigers: WWF ortet Licht und Schatten beim Schutz der bedrohten Großkatzen
Nur mehr 5.500 wilde Tiger weltweit – Wilderei und illegaler Handel weitgehend ungestraft – Verlagerung von Handel mit Tiger-Präparaten ins Internet – Neue Schätzungen aus Nepal und China geben Hoffnung
WWF: Europas Meere in dramatischem Zustand – EU muss endlich handeln
Bericht zeigt alarmierende Entwicklung: Artensterben, Klimakrise und Verschmutzung setzen europäischen Meeren massiv zu – WWF fordert verbindlichen Meeresschutz im EU Ocean Act
Wasserkrise und Tiersterben: WWF fordert Krisengipfel zur Rettung der Unteren Lobau
Bürgermeister, Umweltstadträtin und Umweltminister sollen Sofortmaßnahmen gegen die Wasserkrise vereinbaren – Weiteres Zuschauen wäre völlig verantwortungslos
Tiefsee in Gefahr: Staaten entscheiden über Moratorium für Rohstoffabbau am Meeresgrund
Vollversammlung der internationalen Meeresbodenbehörde startet am Montag in Jamaika – Massiver Druck könnte Moratorium gefährden – WWF fordert das Verhindern einer Umweltkatastrophe
Vorarlberg – WWF kritisiert geplante Bibertötungen scharf
Neue Verordnung soll Tötung von bis zu 32 Tieren jährlich ermöglichen – Naturschutzorganisation fordert Vorrang für Prävention und unabhängige Einzelfallprüfung
Amazonas: Neue Studie warnt vor 1,4 Millionen Hektar zusätzlicher Entwaldung
Science-Studie untersucht Folgen des Rückzugs großer Sojahändler aus freiwilligem Soja-Moratorium – WWF-Umrechnung: Prognostizierte Rodungsfläche entspricht rund 34-mal Wien – Entwaldungsfreie Lieferketten gefordert
WWF startet Biodiversitäts-Training für Lehrlinge
Neues Weiterbildungsangebot verbindet Naturerlebnis, Artenschutz und Wirtschaft – Pilotphase mit Wien Energie und Caritas Wien im WWF-Auenreservat Marchegg in Niederösterreich
WWF startet erstmals Wahl zu Österreichs Fluss des Jahres
Online-Voting über neun Flüsse aus allen Bundesländern bis 1. September – Fachleute wählten Kandidaten nach Artenvielfalt, Gefährdung und Schutzbedarf aus













