Vollversammlung der internationalen Meeresbodenbehörde startet am Montag in Jamaika – Massiver Druck könnte Moratorium gefährden – WWF fordert das Verhindern einer Umweltkatastrophe
WWF-Hilferuf: Amphibien in Not am Tiroler Inn
Die Bestände von Fröschen, Unken und Co. sind im Tiroler Inntal stark zurückgegangen. Wo früher ausgedehnte Flussauen mit Tümpeln, Altarmen und Feuchtgebieten waren, sind viele dieser Landschaften und ihre Bewohner nun verschwunden. Im Rahmen des Artenschutz-Projekts INNsieme connect fanden nun umfassende Erhebungen im mittleren Inntal statt. Der Befund ist dramatisch: „Den Amphibien im Inntal geht es schlechter denn je. Wir brauchen dringend Hilfsmaßnahmen um Fröschen, Unken und Co. wieder auf die Sprünge zu helfen”, so INNsieme connect Projektleiterin Evelyn Seppi vom WWF Österreich.
Von 15 in Tirol ursprünglich vorkommenden Amphibienarten sind elf Arten (stark) gefährdet, vom Aussterben bedroht und eine davon bereits regional verschwunden. Besonders betroffen sind spezialisierte Arten der Tallagen wie die Gelbbauchunke, die Wechselkröte oder der Laubfrosch. Aber auch recht anspruchslose Arten wie Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch sind in der intensiv genutzten Inntalsohle massiv zurückgegangen. Im Vergleich zu den 90er Jahren bis heute hat sich die Population des Laubfrosches im Tiroler Inntal mehr als halbiert. Kleiner Wasserfrosch und Teichfrosch sind aus dem mittleren Inntal dem Anschein nach komplett verschwunden. Der Grund für den Rückgang der Amphibien ist vielfältig, erklärt Amphibienexperte Florian Glaser: „Amphibien sind an ursprüngliche Auenlebensräume – entlang kleiner und großer Flüsse wie dem Inn – angepasst. Diese haben ihre ursprüngliche Dynamik heute vielerorts verloren – und damit fehlt vielen Amphibien geeigneter Lebensraum.” Feuchtlebensräume wurden im Tiroler Inntal im großen Stil trockengelegt, Tümpel verschüttet, Auflächen verbaut. Hinzu kommt die Zerschneidung der wenigen verbliebenen Lebensräume durch Straßen und Siedlungsbau, wodurch Populationen voneinander isoliert werden.
Die abgeschlossenen Erhebungen zeichnen erstmals ein aktuelles Bild der Amphibienbestände im Tiroler Inntal. Dabei wird auch deutlich, wo eine Vernetzung der Lebensräume und die Schaffung sowie Aufwertung von Gewässern und Landlebensräumen besonders wichtig wäre. Gemeinsam mit Amphibienexperte Florian Glaser setzt der WWF Hilfsmaßnahmen, wie die Anlage von Laichgewässern im Inntal um. „Diese Daten ermöglichen uns Hilfsmaßnahmen mit Blick aufs Ganze zu schnüren. So können Maßnahmen gezielt dort ansetzen, wo sie ihre maximale Wirkung entfalten und dafür sorgen, dass der Inn wieder zur Lebensader für Mensch und Natur wird”, so Evelyn Seppi.
INNsieme connect
Gemeinsam für den Inn – das ist das Motto von INNsieme connect, der Fortsetzung des erfolgreichen Projekts INNsieme (2019–2022): Partnerorganisationen mehrerer Länder kommen zusammen, um den Inn als wertvollen Lebensraum für Mensch und Natur zu stärken und ein Netzwerk für den Schutz des Inns zu schaffen. Dabei werden Maßnahmen zum Artenschutz, zur Umweltbildung und zur Planung konkreter Renaturierungen am Inn und seinen Zubringern umgesetzt. Ermöglicht wird dies durch die Kofinanzierung der Europäischen Union im Rahmen des Förderprogramms Interreg Bayern–Österreich 2021–2027, sowie durch die Förderung durch das Land Tirol.
Bilder zur redaktionellen Verwendung hier.
News
Aktuelle Beiträge
Amazonas: Neue Studie warnt vor 1,4 Millionen Hektar zusätzlicher Entwaldung
Science-Studie untersucht Folgen des Rückzugs großer Sojahändler aus freiwilligem Soja-Moratorium – WWF-Umrechnung: Prognostizierte Rodungsfläche entspricht rund 34-mal Wien – Entwaldungsfreie Lieferketten gefordert
WWF startet Biodiversitäts-Training für Lehrlinge
Neues Weiterbildungsangebot verbindet Naturerlebnis, Artenschutz und Wirtschaft – Pilotphase mit Wien Energie und Caritas Wien im WWF-Auenreservat Marchegg in Niederösterreich
WWF startet erstmals Wahl zu Österreichs Fluss des Jahres
Online-Voting über neun Flüsse aus allen Bundesländern bis 1. September – Fachleute wählten Kandidaten nach Artenvielfalt, Gefährdung und Schutzbedarf aus
Google-Ausbau: WWF fordert rasche Reparatur des UVP-Gesetzes
Google-Ausbau: WWF fordert rasche Reparatur des UVP-Gesetzes
Neue Zahlen: Möglicher Stromverbrauch entspricht fast einem Drittel des Stromverbrauchs von ganz Oberösterreich – Gesamter Ausbau muss Umweltprüfung durchlaufen – Stromhunger darf nicht auf Natur abgewälzt werden
Huchensterben in der Ybbs: WWF warnt vor tödlichen Wanderhindernissen
Fotos zeigen stark gefährdete Fische vor Kraftwerksbarrieren – WWF fordert funktionsfähige Fischaufstiege und durchgängige Flüsse als Schutz vor zunehmender Hitze
WWF-Erfolg: Tiwag muss Gefahrenanalysen herausgeben
Das Tiroler Landesverwaltungsgericht gibt dem WWF recht: Die Tiwag muss wichtige Dokumente rund um den geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal herausgeben. Dazu zählen auch Flutwellenberechnungen und Gefahrenszenarien.
WWF-Untersuchung: Wildfluss-Heuschrecken am Tiroler Inn verschwunden
Drei stark gefährdete Arten nur noch am Zubringer Ötztaler Ache nachweisbar – Flussverbauungen und Wasserableitungen setzen letzte Lebensräume unter Druck – WWF fordert großflächige Renaturierungen
WWF: Gericht verpflichtet Tiwag zur Herausgabe von Gefahrenanalysen
Landesverwaltungsgericht gibt WWF recht: Landesenergiekonzern muss Untersuchungen zu klimabedingten Naturgefahren, Flutwellenberechnungen, Alarmpläne und Gefahrenszenarien zum Gepatsch-Speicher herausgeben










