Mutmaßlicher Fall von Wildtierkriminalität – Naturschutzorganisation fordert konsequente Ermittlungen
WWF: Kaviar – Nicht nur im Wahlkampf ein Thema!
Wien, 18.9.2008 – Aktuell ist die Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel ein heiß diskutiertes Wahlkampfthema. Auch die Preise von Luxusgütern wie Kaviar stehen dabei im Fokus. Doch die eigentliche Problematik rund um das Konsumgut Kaviar geht thematisch leider völlig unter: „Grundsätzlich freut der WWF sich über Interesse am Kaviar, wenngleich wir unser Augenmerk auf den illegalen Handel mit den Eiern des vom Aussterben bedrohten Störs legen, nicht auf die horrenden Preise“, sagt WWF-Artenschutzexpertin Jutta Jahrl.
Die Nachfrage nach dem Luxusgut Kaviar reißt nicht ab.
Die immensen Preise spielen dabei kaum eine Rolle. Der teuerste Kaviar der Welt stammt vom Hausen, auch Beluga genannt. Beluga-Kaviar kostet im Handel bis zu 600 Euro für Hundert Gramm. Etliche Störarten sind in der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „vom Aussterben bedroht“ geführt. Laut Artenschutz-Übereinkommen ist der kommerzielle Handel nur streng kontrolliert erlaubt. Für den gesamten internationalen Handel müssen behördliche Genehmigungen vorliegen. Ausgenommen sind nur Kaviar-Packungsgrößen unter 125 Gramm, die für den Eigenbedarf frei importiert werden dürfen.
Die Stör-Vorkommen im Kaspischen Meer sind bereits um 95 Prozent zurückgegangen.
Kaviar wird aus den Eiern der Störe gewonnen. Für die Gewinnung der Eier werden die Fische selbst getötet. Das riesige kommerzielle Interesse am begehrten Kaviar und somit die Überfischung der Störe stellt die hauptsächliche Bedrohung dar. Alle Störarten sind zwar längst in das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES aufgenommen und dürfen nur kontrolliert gehandelt werden. „Dennoch sind die Bestandszahlen der meisten Störarten durch die illegale Fischerei und die Zerstörung der Lebensräume bereits dramatisch zurückgegangen und die urzeitlichen Fische sind nach wie vor extrem bedroht“, so die WWF-Expertin.
Die Europäische Union ist der größte Kaviarimporteur weltweit.
Um den legalen Kaviarhandel zu erleichtern, einigte man sich darauf, dass weltweit alle Kaviardosen ein spezielles Etikett tragen müssen. Dieses Etikett zeigt mittels eines Buchstaben- und Zahlencodes detaillierte Informationen zu Herkunftsland, Jahr der Kaviarentnahme etc. Auch Kaviar aus Fischzucht muss verpflichtend gekennzeichnet sein.
„Trotzdem wird auch in Österreich Kaviar weiterhin ohne Etikett verkauft und ist damit illegal“, mahnt Artenschutzexpertin Jahrl. Der WWF setzt sich für die Bekämpfung der Stör-Wilderei und des illegalen Handels mit Kaviar ein und plädiert für die ausschließlich nachhaltige Kaviar-Nutzung. Eine Alternative zu Kaviar vom bedrohten Stör ist Kaviar von anderen Fischarten wie Forelle oder Lachs. Ein Geschenktipp, an den man auch in der bevorstehenden Weihnachtszeit denken kann.
Weitere Informationen:
Mag. Jutta Jahrl, WWF-Artenschutzexpertin, Tel. 01/488 17 264
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF warnt vor Artenverlust in der Unteren Lobau
Aktueller WWF-Artencheck: Langjähriger Wassermangel bedroht Bitterling, Donau-Kammmolch, Sumpfschildkröte und Flussmuscheln – Anhaltende Dürre verschärft die Lage und bedroht lokale Vorkommen
WWF-Ausblick: Österreichs Flüsse gehen stark geschwächt in den Herbst
Im August rund 90 Prozent der Pegelmessstellen mit sehr niedriger Wasserführung – Niederösterreich, Burgenland und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert Schutzprogramm und Renaturierung
Ende der Begutachtung – WWF fordert Rücknahme der Vorarlberger Biber-Verordnung
Naturschutzorganisation legt Stellungnahme vor – Entwurf sieht jährliche Tötungskontingente von bis zu 32 Tieren vor – WWF fordert Vorrang für Prävention
Biokunststoffe auf dem Prüfstand: Neue Studie untersucht tatsächliche Abbaubarkeit in der Natur
Neue Forschungsinitiative testet Zersetzbarkeit von Biokunststoffen in über 20 natürlichen Lebensräumen – Kooperation des WWF Österreich und der Technischen Universität Bratislava
Tiroler Lech ist Fluss des Jahres!
Sie haben mit Ihrer Stimme entschieden: Der Lech wurde zu Österreichs Fluss des Jahres 2026 gewählt. Auf Platz zwei folgt die Schwarze Sulm, auf Platz drei der Kamp.
WWF-Flusswahl: Lech ist Österreichs „Fluss des Jahres“ 2026
Tiroler Wildfluss gewinnt Online-Voting über neun Flüsse – Schwarze Sulm in der Steiermark auf Platz zwei, Kamp in Niederösterreich auf Platz drei – Naturschutzorganisation fordert dauerhaften Schutz und mehr Renaturierung
WWF: Bund-Länder-Konflikt hinter Leerstellen im Renaturierungsplan
Schlüsselkapitel zu EU-geschützter Natur und Städten ohne Flächenangaben und Maßnahmen – Gesamtausmaß der zu renaturierenden Flächen bis 2030 fehlt – WWF fordert rasche Nachschärfungen
Erstmals Wolfsrudel in Nordtirol nachgewiesen: WWF fordert Abschuss-Stopp
Neue Verbreitungskarte des Österreichzentrums dokumentiert Rudel im Bezirk Landeck – Vier Jungwölfe bei Fiss gesichtet – WWF: Drei Abschussverordnungen sofort aussetzen













