Aufnahmen von Wildtierkameras zeigen, wie thailändische Tigerfamilien durch die Wälder streifen. Und auch Zahlen bestätigen, dass sich die dortigen Tigerbestände erholen – in Thailand ist er seit 2024 um 16% angestiegen.
WWF kritisiert Abschuss-Pläne in Niederösterreich
WWF kritisiert Abschuss-Pläne in Niederösterreich
Landesregierung setzt auf Eskalation statt Herdenschutz – Naturschutzorganisation WWF fordert seriöses Wolfsmanagement mit Aufklärung, Beratung und Prävention
Wien, St. Pölten, 21. September 2018 – Anlässlich der populistischen Novelle des niederösterreichischen Jagdgesetzes warnt die Naturschutzorganisation WWF Österreich vor einem potenziellen Freibrief für Wolfs-Abschüsse. „Der Wolf ist ein EU-rechtlich streng geschütztes Wildtier. Daher braucht es ein seriöses Artenschutz-Management, das auf sachlicher Information und Herdenschutz aufbaut. Wer hingegen in erster Linie Ängste schürt, provoziert willkürliche und somit illegale Abschüsse“, sagt WWF-Experte Christian Pichler angesichts der vielen faktenfreien Behauptungen in der Begründung der Novelle. Tatsächlich will die Landesregierung mit der Erleichterung von Abschüssen vor allem von ihren eigenen Versäumnissen ablenken. „Die Politik muss alles dafür tun, dass sich vor allem die Schafbauern nicht im Stich gelassen fühlen. Hier braucht es dringend eine Beratungs-Offensive und deutlich mehr Unterstützung für Herdenschutz“, fordert Pichler.
Deshalb pocht der WWF Österreich erneut auf die lückenlose Einhaltung des bestehenden Managementplans, der zunächst auf Beratung und Prävention setzt, bevor weitere Maßnahmen überhaupt in Frage kommen. „Umso unverständlicher ist, wenn ein Antrag zum Thema Herdenschutz im Landtag nicht einmal diskutiert wird“, kritisiert Pichler. Denn im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in Niederösterreich bisher weder einen eigenen Wolfsberater noch öffentlich unterstützte Modellprojekte oder Förderungen zum Herdenschutz, obwohl sich der Wolf in der waldreichen Region als erstes angesiedelt hat.
Sachlich betrachtet gibt es bisher keinen Grund für Abschussfantasien oder die geforderte Lockerung des Schutzes auf EU-Ebene. Einerseits ist der dafür notwendige „günstige Erhaltungszustand“ weder im Alpenraum Österreichs noch in der kontinentalen Region gegeben, andererseits sind in der FFH-Richtlinie schon jetzt Ausnahmen festgelegt. „Die Entnahme einzelner Wölfe, die sich problematisch verhalten, wäre trotz des hohen Schutzstatus schon jetzt erlaubt. Zum Beispiel, wenn tatsächlich Menschen in Gefahr wären oder wiederholt Weidetiere trotz sachgerechtem Herdenschutz angegriffen werden. Dafür gibt es klare Kriterien und einen Stufenplan aber eben keinen Blankoscheck ohne sachliche Grundlage“, bekräftigt Pichler die WWF-Position.
Kein Grund zur Panik
Fakt ist: Gesunde Wölfe sind grundsätzlich vorsichtig und weichen Menschen aus. Dass es dort, wo sie regelmäßig leben, zu Sichtungen kommen kann liegt an der schieren Größe eines Wolfsrevieres – etwa 15.000 Hektar – das über wenig erschlossene Waldgebiete hinaus reicht. Selbst in stark vom Tourismus frequentierten Gebieten wie in der italienischen Toskana leben hunderte Wölfe. „‘Scheu‘ bedeutet übrigens nicht automatisch, dass Wölfe – im sehr seltenen Fall einer direkten Begegnung – panisch flüchten, sondern sie treten im Normalfall einen geordneten Rückzug an“ erklärt WWF-Experte Christian Pichler.
Auch im Vergleich zu anderen Tieren wie Wildschweinen, Kühen oder Hunden wird ihre Gefährlichkeit stark übertrieben. Denn seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland (nach zwei Jahrzehnten derzeit 60 Rudel, ca. 500 Wölfe) bzw. in die Schweiz (drei bis vier Rudel, ca. 50 Wölfe) gab es keine einzige Attacke oder gar Verletzte. Im Gegensatz dazu mussten allein im Jahr 2017 in Österreich rund 3.600 Personen nach einem Hundebiss im Krankenhaus nachbehandelt werden.
Außerdem sind Wölfe ökologisch nützliche Wildtiere. So können sie zur Kontrolle der übergroßen heimischen Wilddichten, etwa bei Wildschweinen beitragen, Krankheiten eindämmen und den Jägern dabei helfen, Verbiss-Schäden im Wald zu minimieren.
Im Rahmen des LIFE-Projektes EuroLargeCarnivores ging in Goslar/Deutschland kürzlich eine internationale Konferenz zum Thema Wildtierkonflikte zu Ende. Im Rahmen dieses Projekts haben sich 16 WWF-Landesbüros sowie vier Partnerorganisationen zum Ziel gesetzt, die Koexistenz mit großen Beutegreifern in Europa durch Kommunikation, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Wissensaustausch zu verbessern.
Kontakt:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF Österreich Tel. 01/48817-250,
E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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