Studie der Uni Graz zeigt steigende Kosten des Nicht-Handelns – WWF fordert verbindliche Klimaziele, Abbau klimaschädlicher Förderungen und mehr natürlichen Schutz vor Extremwetter
WWF: Nur zehn Prozent für die kommenden Generationen
Wien, 2. Juli 2009 – Weniger als sechs Prozent aller Ökoregionen der Erde stehen heute unter striktem Naturschutz. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Duke University and der University of Maryland, die den Fortschritt des Naturschutzes in den Landregionen der Welt untersucht hat. 1992 hatten 150 Staats- und Regierungschefs die Konvention zum Schutz der Artenvielfalt auf unserem Planeten unterzeichnet. Dort wurde festgelegt, dass bis 2010 zehn Prozent aller Ökoregionen strikt geschützt sein sollen. Zwar sind heute knapp 13 Prozent zumindest als Schutzgebiete ausgewiesen, aber ohne den damals vereinbarten starken Schutzstatus. „Kein Grund aufzugeben“, sagt Martina Glanzl, Amazonasexpertin des WWF Österreich. „Das Wissen und neue Techniken zur Schaffung und Erhaltung von Schutzflächen sind seit 1992 rapide gestiegen. Wir können heute viel effizienter und schneller arbeiten und werden das Ziel – wenn auch mit etwas Verspätung – erreichen.“ Weltweiter Vorreiter bei der Einrichtung von Schutzgebieten ist Brasilien.
Die Studienautoren haben festgestellt, dass es ohne weitere finanzielle Unterstützung nicht möglich sein wird, das Ziel von zehn Prozent Schutzgebieten zu erreichen. Die Autoren haben dazu Daten des WWF, des World Conservation Monitoring Center (WCMC) und des World Database on Protected Areas (WDPA) ausgewertet. Für die weltweit 14 untersuchten Biome (Großlebensräume) bewegt sich der Anteil geschützter Flächen zwischen vier und 25 Prozent. Sechs von 14 Biomen liegen noch unter dem Ziel von zehn Prozent Schutzzonenanteil. Drei Viertel aller 821 untersuchten terrestrischen Ökoregionen liegen derzeit noch unter der Zehn-Prozent-Marke. 13 Prozent der Regionen besitzen noch überhaupt keine geschützten Flächen.
Ein deutliches Gefälle zeigt sich zwischen Alter und Neuer Welt, denn deutlich höhere Raten von Schutzgebieten findet man in der Neuen Welt, vor allem in Nord-, Mittel- und Südamerika. Das weltweite Netzwerk geschützter Flächen wächst momentan um etwa 0,13 Prozent pro Jahr. Der Löwenanteil davon fällt auf Brasiliens Amazonas-Schutzgebiete. Vor allem das ARPA (Amazon Region Protected Areas)-Programm, das die brasilianische Regierung gemeinsam mit dem WWF, der Weltbank und weiteren Organisationen ins Leben gerufen hat, ist ein Motor dieser Entwicklung. Bis 2012 sollen 12 Prozent des brasilianischen Amazonasgebietes unter Schutz gestellt werden. Dieser Schutzgürtel im Süden des brasilianischen Amazonas soll die wertvollen Regenwaldflächen dauerhaft schützen. Mehr als die Hälfte der geplanten 600.000 Quadratkilometer an Schutzzonen sind bereits Wirklichkeit.
Im Jahr 2010 beginnt für das ARPA-Programm die nächste Phase. Weitere 200.000 Quadratkilometer an neuen Schutzgebieten sollen geschaffen werden und die finanziellen Mittel werden aufgestockt. „Die Welt hat endlich begriffen, dass Regenwaldschutz auch Klimaschutz bedeutet“, so Martina Glanzl. Der WWF hofft für die Klimakonferenz in Kopenhagen auf weitere Schutzinitiativen für die Wälder unseres Planeten um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231
Download der Studie: www.wwf.at/presse.
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