77 Prozent der wertvollen Flussstrecken ohne verbindlichen Schutz vor weiterem Wasserkraftausbau – Hitze und Dürre machen Schutz und Renaturierung dringlicher – WWF legt Zeugnisse für alle neun Bundesländer vor
WWF Österreich begrüßt mutigen Beschluss zur Bewahrung des Flussheiligtums Schwarze Sulm
Schwanberg, 2. April 2019. Anlässlich einer neuen Entscheidung im Fall des umstrittenen Wasserkraftprojekts an der Schwarzen Sulm in der Weststeiermark geben sich heimische Umweltschützer vorsichtig optimistisch. „Mit dem Beschluss der Gemeinde Schwanberg, die für den Bau beanspruchten Flächen nicht zur Verfügung zu stellen, rückt eine Realisierung des Kraftwerks in weite Ferne“, erklärt Gebhard Tschavoll, Flussexperte beim WWF Österreich. Fixiert wurde dies durch den Gemeinderatsbeschluss von vergangenem Freitag nach einer entsprechenden dringlichen Anfrage der SPÖ-Fraktion. Insgesamt 14 von 15 Gemeinderäten haben gegen die Bereitstellung weiterer gemeindeeigener Grundstücke gestimmt. Zudem haben mehrere private Grundbesitzer den positiven Rodungsbescheid beeinsprucht. „Um den Bescheid für den Kraftwerksbau doch noch durchsetzen zu können, müsste nun für das private Kleinkraftwerk die Gemeinde enteignet werden. Damit wären wir wieder im Mittelalter angekommen“, erklärt WWF-Flussexperte Tschavoll. Seit Jahren kritisieren Umweltschutzorganisationen, Bürgerinitiativen sowie Anrainer und Anrainerinnen das geplante Bauprojekt an dem als ökologisch besonders wertvoll eingestuften Gewässer.
„Die Schwarze Sulm ist ein weitgehend ursprünglich erhaltener Bach, der eine Vielzahl an einzigartigen geschützten Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Sie ist Europaschutzgebiet, Naturdenkmal und wurde als WWF-Flussheiligtum ausgewiesen. Daher freut uns besonders, dass eine Allianz aus Anrainerinnen und Anrainern sowie der Gemeinde, sich so stark dafür einsetzt, um ihren Fluss in seiner Intaktheit für kommende Generationen zu erhalten“, sagt WWF-Experte Gebhard Tschavoll.
Der seit Jahren andauernde Rechtsstreit um das Naturjuwel Schwarze Sulm gilt über die Grenzen Österreichs hinaus als Beispiel für den Konflikt zwischen dem Erhalt einzigartiger Natur und des weiteren Wasserkraftausbaues. Bereits 2016 stimmte der Gemeinderat von Schwanberg gegen die Inanspruchnahme von Grund für die Leitungstrasse des Kraftwerks. Die Projektwerber reagierten mit einer Umplanung, die das fragliche Gebiet untertunnelt. Anfang März 2019 erging eine Rodungsbewilligung an die privaten Betreiber. Zwar wurde eine Genehmigung durch die steirische Landesregierung erteilt, aber mit der Einschränkung versehen, dass für alle berührten Grundstücke eine Einverständniserklärung der Grundstückseigentümer vorliegen muss.
Energiewende naturverträglich gestalten
Österreichweit gibt es bereits mehr als 5.200 Wasserkraftwerke. Diese starke Nutzung stellt eine enorm hohe Belastung für unsere Gewässer dar. Nur noch 15 Prozent der heimischen Flüsse gelten als ökologisch intakt. Trotz des bereits sehr hohen Ausbaugrades der Wasserkraft gibt es Pläne, hunderte neue Kraftwerke – teils mit hohen Förderungen – zu errichten. Der WWF Österreich und weitere Umweltverbände, Fischer und viele regionale Naturschützer fordern daher einen Stopp dieses ungeregelten Ausbaus. Vielmehr braucht es eine Trendwende im Klimaschutz, hin zu konkreten Energiesparmaßnahmen, einer Gesamtstrategie für die ökologisch verträgliche Nutzung erneuerbarer Energiequellen sowie strenge Naturverträglichkeitskriterien bei der Fördervergabe.
Rückfragehinweis:
Vincent Sufiyan
WWF-Pressesprecher
Tel.: +43 676 834 88 308
vincent.sufiyan@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
UNO-Artenschutzkonferenz: WWF bewertet Ergebnis als „verpasste Chance“
Staaten bleiben bei Naturschutz-Finanzierung und Abbau umweltschädlicher Subventionen hinter notwendiger Ambition zurück – WWF fordert Konsequenzen auch in Österreich
CITES-Meeting: WWF warnt vor Tigerfarmen als Deckmantel für illegalen Wildtierhandel
Große Datenlücken erschweren Kontrolle des Handels mit Tigern – WWF fordert strengere Aufsicht und ein Ende der Zucht für den Handel mit Körperteilen – Artenschutzgremium CITES tagt in Genf
WWF und Ozeanforscherin Sylvia Earle legen Grundstein für besseren Schutz des Mittelmeers
Neue Hoffnungs-Zone für den Artenschutz im Mittelmeer – Basis für grenzüberschreitenden Schutz seltener Hai- und Rochenarten, Wale, Delfine und Meeresschildkröten – WWF fordert politische Zusagen
Weltnaturkonferenz: WWF fordert Kurskorrektur bei Milliarden-Subventionen
UNO-Konferenz vor Abschluss – Reform umweltschädlicher Subventionen stark umkämpft – Naturschutzorganisation fordert verbindlichen Finanzierungsplan
WWF zum Klimagesetz: Ohne verbindliche Pflichten droht Mogelpackung
Begutachtungsfrist endet am Freitag: Verbindliche Sektorziele und Rechtsschutz fehlen, Standortklausel ermöglicht Rückzieher – Bundesregierung und Nationalrat müssen Entwurf nachschärfen
WWF: 20 Spitzmaulnashörner zum Schutz vor Wilderern evakuiert
Nashorn-Wilderei in Südafrika bedroht Arterhalt – Umsiedlung von Tieren nach Botswana zum Aufbau neuer Populationen – WWF vor Ort im Einsatz gegen illegale Jagd und Handel mit Nashorn-Horn
Weltnaturkonferenz: WWF warnt vor Scheitern zentraler Verhandlungen
Zum Start des Ministersegments stocken Verhandlungen über Naturschutz-Finanzierung – WWF fordert verbindliche Finanzierungszusagen und Abbau umweltschädlicher Subventionen
WWF: Über 1,25 Millionen Stimmen gegen Abbau des EU-Naturschutzes
Umwelt-Allianz übergibt Petition heute an EU-Umweltkommissarin Roswall – WWF fordert Erhalt zentraler Schutzgesetze und klare Position der Bundesregierung












