September-Bilanz: Massiver Wassermangel in Flüssen von Niederösterreich bis Vorarlberg – Grundwasserstände bleiben vielerorts niedrig – WWF fordert Schutzprogramm und mehr Renaturierung
WWF: Österreich verbraucht ein Drittel mehr Wasser als der Weltdurchschnitt
Wien, 18. Dezember 2008 – In Österreich werden durchschnittlich 1,6 Millionen Liter Wasser pro Person und Jahr verbraucht. Dieser Wert liegt fast ein Drittel über dem Weltdurchschnitt. Sogar fünfmal höher als der globale Durchschnitt ist der Wasserverbrauch durch den Konsum von Importgütern. Ökologische, wirtschaftliche und soziale Kosten werden dabei in Länder ausgelagert in denen oftmals bereits Wasserknappheit herrscht. Dies zeigt der Wasser-Fußabdruck der erstmals im WWF „Living Planet Report 2008“ ermittelt wurde.
2008 zieht der Living Planet Report des WWF, der führende Bericht zum Gesundheitszustand unseres Planeten, erstmals Bilanz über den weltweiten Wasser-Fußabdruck des Konsums. Dieser beschreibt die Gesamtmenge an Wasser die für die Produktion von Gütern und Dienstleistungen benötigt wird. Dabei wird deutlich: Der weltweite Druck auf Süßwasserressourcen steigt stetig, da hinter den meisten Produkten gewaltige Mengen an verbrauchtem Wasser stecken. Die Produktion von Fleisch, Milch, Leder und anderen tierischen Erzeugnissen macht knapp ein Viertel des weltweiten Wasserverbrauchs in der Landwirtschaft aus. Das entspricht 1.150 Litern pro Person und Tag im globalen Durchschnitt. Für jedes Kilogramm Rindfleisch werden 15.500 Liter verbraucht. „Berücksichtigt man die mit der Rindfleischproduktion verbundenen besonders hohe CO2-Emissionen, nämlich 13.303 Gramm/Kilogramm, und die oftmals damit einhergehende Zerstörung von Tropenwäldern zur Gewinnung von Weideflächen, dann wird Rindfleisch schnell zum ökologischen Fehltritt“, warnt WWF-Experte DI Dr. Christoph Buksnowitz. “Besonders dann, wenn der Endkonsument nicht auf eine unbedenkliche Herkunft achtet.“
Österreich lagert 63 Prozent seines Wasserverbrauchs aus
Trotz seiner praktisch unerschöpflichen Wasserressourcen kommt Österreich im nachhaltigen Umgang mit Wasser eine wichtige globale Verantwortung zu. Denn Wasser wird nicht nur für Güter und Dienstleistungen benötigt, die im Inland hergestellt und konsumiert werden. „Auch durch den Konsum von Importgütern steigt unser Wasser-Fußabdruck. Nur das hier die Ressourcen bei der Herstellung vom Exportland eingesetzt werden müssen“, so Buksnowitz. „Mit mehr als einer Million Liter pro Person und Jahr macht dieser externe Wasser-Fußabdruck 63 Prozent des gesamten Wasserverbrauches von Österreich aus. Damit liegen wir mehr als das Fünffache über dem globalen Durchschnitt.“ Mehr als zwei Drittel des österreichischen Wasserverbrauches finden somit nicht im Land statt, sondern werden indirekt über Importgüter konsumiert. In den Herkunftsländern kann jedoch durchaus Wassermangel herrschen. Auch kann der von den Abnehmerländern induzierte nicht nachhaltige Wasserverbrauch zur Austrocknung von Flüssen und Zerstörung von Ökosystemen führen. Beispiele hierfür gibt es zahlreiche, z.B. die Baumwollproduktion im Einzugsgebiet des nahezu ausgetrockneten Aralsees. „Im externen Wasser-Fußabdruck liegt somit die besondere Herausforderung und Verantwortung für ein wasserreiches Land wie Österreich“, betont Buksnowitz. „Mögliche ökologische, wirtschaftliche und soziale Kosten für die exportierenden Länder werden nämlich oft übersehen.“
Wasser wird immer knapper
Weltweit betrachtet gilt Wasser nicht als knappe Ressource. Aufgrund der ungleichen räumlichen und zeitlichen Verteilung ist Wasserknappheit aber in vielen Regionen der Welt ein großes Problem. “Etwa 50 Länder müssen sich derzeit mit Wasserproblemen auseinandersetzten und die Zahl an Menschen, die unter saisonaler oder ganzjähriger Wasserknappheit leiden, wird als Folge des Klimawandels weiter steigen”, so der Bericht. Der Umgang mit unseren Wasserressourcen erfordert grenzübergreifendes Denken und Handeln. Immerhin erstrecken sich 263 der weltweit größten Flüsse und Seen und viele hundert Grundwasserschichten über nationale Grenzen hinweg. „Wasser zu sparen ist auch in einem Land sinnvoll wo diese Ressource im Überfluss vorhanden ist“, so Buksnowitz. „Denn für die Bereitstellung, die Erwärmung, den Transport, die Abwasseraufbereitung oder Entsorgung werden sehr große Energiemengen aufgewendet, die wiederum klimarelevanten Emissionen gleichzusetzen sind.“
WWF Living Planet Report
Die WWF Weltumweltstudie „Living Planet Report“ erscheint alle zwei Jahre und gilt seit 1998 als der führende Bericht zum Gesundheitszustand unseres Planeten. Weitere Informationen unter www.wwf.at.
Rückfragehinweis:
Mag. (FH) Lisa Simon, WWF Pressesprecherin, Tel. 01-48817-215.
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