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WWF und VIER PFOTEN: Ab heute erlaubt Niederösterreich Fischotter-Abschuss
Niederösterreichische Landesregierung behandelt Causa Fischotter wie Geheimakte – WWF-Petition wird mittlerweile von über 21.000 Menschen unterstützt – designierte Landeshauptfrau spricht von „neuen Wegen für Niederösterreich“, WWF und VIER PFOTEN sind gespannt und erwarten Ergebnisse
Wien, 3. April 2017 – Mit dem heutigen Tag dürfen in Niederösterreich 40 Fischotter innerhalb eines Jahres getötet werden. Der Bescheid der Niederösterreichischen Landesregierung an die NÖ-Teichwirte und den NÖ-Landesfischereiverband, der ab heute rechtswirksam ist, macht diesen Skandal möglich. „Mit dem Bescheid, der die Tötungen offiziell ermöglicht, bricht aus der Sicht von WWF und VIER PFOTEN die Niederösterreichische Landesregierung EU-Recht. Der Fischotter ist eine europaweit streng geschützte Art und die Niederösterreichische Landesregierung verfügt über keine ausreichenden Grundlagen für einen solchen drastischen Eingriff“, kritisiert Christian Pichler, Artenschutzexperte beim WWF. Indra Kley, Leiterin des Österreich-Büros von VIER PFOTEN ergänzend dazu: „Nicht nur EU-Recht wird gebrochen. Es ist ein Skandal, dass der in Niederösterreich für den Tierschutz zuständige Landesrat Androsch einfach komplett übergangen wurde. Das ist keine anständige Art, Politik zu machen.“
Der Bescheid hätte aus der Sicht von WWF und VIER PFOTEN auf Grund der fehlenden Wissensbasis niemals ausgestellt werden dürfen. „Es passt aber in das Gesamtbild dieser Causa, dass die Niederösterreichische Landesregierung das Thema Fischotter wie eine Geheimakte behandelt und den Umweltorganisationen und sogar auch interessierten Politikern die Information vorenthält, wie, wo, wann und durch wen Fischotter nun tatsächlich getötet werden dürfen. Trotz offizieller Anfrage basierend auf den NÖ-Informationsgesetz wurde uns der Bescheid bis heute nicht zur Verfügung gestellt“, so Pichler.
WWF und VIER Pfoten werden diese Woche am Mittwoch, 5. April, jedenfalls die Petition an Landesrat Pernkopf übergeben. „Mehr als 21.000 Unterschriften sind ein sehr lauter Aufschrei der Bevölkerung gegen dieses Unrecht. Mit der Übergabe der Petition erheben wir gleichzeitig den Anspruch, über die Tötungen der Fischotter laufend informiert zu werden. Wir wollen wissen, wann und wie viele Fischotter geschossen wurden. Und vor allem, welche fachlichen Argumente für die Tötung angeführt werden, um die Ausnahme vom strengen rechtlichen Schutz zu begründen“, fordert Pichler und hofft dabei auf die designierte Landeshauptfrau Mikl-Leitner: „Der scheidende Landeshauptmann hüllt sich bis heute in Schweigen, wenn es um diese Causa geht, wir hoffen, dass die neue Landeshauptfrau hier transparenter agieren wird.“
Beim ÖVP-Landesparteitag am 25. März sprach Mikl-Leitner davon, dass „wir uns zu neuen Wegen aufmachen müssen“. WWF und VIER PFOTEN dazu: „Das lässt doch hoffen, mit dem Fischotter hat die designierte Landeshauptfrau schließlich die beste Möglichkeit, völlig neue Wege zu beschreiten. Die durchsichtige Politik, den Fischotter als Sündenbock für den Rückgang von Fischpopulationen zu stilisieren, ist endlich zu beenden. Fakt ist, es waren die Sünden des altmodischen Wasserbaus, falsche Besatzmaßnahmen und viele weitere Faktoren, die es noch zu untersuchen gilt, welche den Fischen in unseren Gewässern massiv zugesetzt haben.“
Für den WWF und die VIER PFOTEN ist die Vorgangsweise der Niederösterreichischen Landesregierung ein mahnendes Beispiel: „Wir teilen die Sorge um den Fischrückgang in unseren Gewässern, es ist aber völlig verkehrt und zwecklos, heimische Fischarten retten zu wollen, indem ihre natürlichen Gegenspieler reguliert werden sollen. Es braucht Einzäunungen von kleinen Teichen, adäquate Entschädigungsmodelle und innovative Lösungsansätze für groß dimensionierte Teichflächen sowie völlig andere Besatzmaßnahmen als bisher. Andere Bundesländer, die möglicherweise schon bald mit dem Thema Fischotter konfrontiert sein werden, sollten ganz genau nach Niederösterreich schauen. Dann sehen sie, wie solche Probleme ganz sicher nicht zu lösen sind“, so Pichler.
Mit der offiziellen Erlaubnis, Fischotter aus der Natur zu entnehmen, enden die Bemühungen von WWF und VIER PFOTEN aber keineswegs: „Die Front gegen die Tötungen ist bereits sehr groß und sie wächst weiter. Die Landesregierung in Niederösterreich hat immer noch Möglichkeiten, diesen Wahnsinn zu beenden. Wenn keine Einsicht einkehrt, sind wir aber durchaus auch bereit, die nächsten Schritte zu setzen“, so Pichler abschließend.
Weitere Informationen:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF, 0676/83 488 203, claudia.mohl@wwf.at
Mag. Elisabeth Penz, Pressesprecherin VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz, 01 895 02 02 66, elisabeth.penz@vier-pfoten.org
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