14 Städte untersucht: Planungslücken bei Maßnahmen, Finanzierung und Erfolgskontrolle – WWF fordert langfristige Begrünungsplanung und mehr Unterstützung durch Bund und Länder
WWF warnt vor Aufweichung des Gewässerschutzes in Europa
Am morgigen Donnerstag beschäftigen sich die Wasserdirektoren aller EU-Mitgliedsländer bei ihrem informellen Treffen in Wien mit der Zukunft des Wasserschutzes in Europa. Im Rahmen dieser Konferenz soll ein äußerst bedenkliches Papier vorgestellt werden, in dem eine Öffnung und Änderung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vorgeschlagen wird. „Auf Druck von Wirtschaft und Industrie wird bereits über eine Aufweichung der sehr guten Richtlinie diskutiert, obwohl der laufende Fitness-Check noch gar nicht abgeschlossen ist. Viele Mitgliedsländer wollen sich davor drücken, sämtliche Gewässer in einen guten Zustand zu bringen und vor Verschlechterungen zu schützen. Das ist der völlig falsche Weg und geht auf Kosten von Mensch und Natur“, sagt WWF-Expertin Bettina Urbanek.
Daher appelliert der WWF an die österreichische Ratspräsidentschaft, jede Aufweichung dieser Richtlinie zu verhindern und stattdessen überfällige Maßnahmen für mehr Gewässerschutz auf Schiene zu bringen. „Wer unser Wasser nicht ausreichend schützt, gefährdet nicht nur den Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten, sondern langfristig auch das Grundwasser und damit die Trinkwasserqualität“, warnt Urbanek vor weiterem Stillstand bei der Umsetzung der EU-Vorgaben.
Denn bisher haben die EU-Staaten viel zu wenig getan, um unsere Gewässer und das Grundwasser zu schützen und zu sanieren. Auch in Österreich ist der ökologische Zustand der Flüsse und Bäche besorgniserregend: Laut EU-Bewertung sind gerade noch 15 Prozent intakt. Beispielsweise sind bereits neun von zehn Alpenflüssen beschädigt – hauptsächlich aufgrund von Wasserkraftwerken und Flussbegradigungen. „Nur gesunde Flüsse sind genügend widerstandsfähig, um mit den Extremen der Klimakrise wie heftigeren Hochwassern oder längeren Trockenperioden fertig zu werden. Auch zahlreiche Vogel-, Fisch-, Säugetier- und Insektenarten profitieren von gesünderen Flüssen“, erläutert Wasser-Expertin Bettina Urbanek.
Eine aktuelle EU-weite Studie belegt die grundsätzliche Vereinbarkeit der Schutzziele der Wasserrahmenrichtlinie mit Schifffahrt, Wasserkraft und Landwirtschaft. Dennoch fordern mächtige Lobbys wie der Verband Deutscher Industrie, dass schädliche Projekte in ganz Europa viel leichter umgesetzt werden können oder wieder mehr Chemikalien in die Flüsse eingeleitet werden dürfen. „Der Angriff auf den Gewässerschutz läuft an vielen Fronten, gut getarnt über Fristverlängerungen und diverse Aufweichungen. Die Öffentlichkeit muss hier äußerst wachsam sein“, betont Urbanek.
Mehr als 100 Umweltorganisationen und Verbände, darunter der WWF, rufen die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich aktiv für den Schutz des Wassers einzusetzen. Bereits 147.000 Menschen unterstützen die Initiative. Unter www.wwf.at/wasser kann der Appell für Österreich unterzeichnet werden. Dort steht auch die Studie: „Bringing Life Back to Europe´s Waters – EU Water Law in Action“ zum Download bereit.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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