Neuer Bericht des Österreichzentrums: Rückgang auf acht Wolfsrudel im Vorjahr, nur wenige Welpen, Rekordzahl an Abschüssen – WWF fordert mehr Herdenschutz
WWF: Weiterer verschwundener Ötscherbär identifiziert
Wien, am 29. 4. 2009 – Dieser Tage konnte das Rätsel rund um eine 2002 aus dem Ötschergebiet verschwundene erwachsene Bärin gelöst werden. Damals war ein Bärenschädel gefunden worden, der nicht eindeutig einem bestimmten Tier zugeordnet werden konnte. Aktuelle Nachforschungen der Genetiker des Naturhistorischen Museums in Wien erbrachten nun unter Einsatz einer speziell für die DNA-Analyse aus Knochenmaterial geeigneten Kugelschwingmühle den Beweis, dass es sich bei dem Fund um die Bärin “Rosemarie” aus dem WWF-Bärenprojekt handelt.
“Die Kugelschwingmühle kann auch sehr harte organische Materialien wie Knochen oder Zähne so schonend vermahlen, dass die darin enthaltene DNA in guter Qualität und ausreichender Menge aufgeschlossen werden kann,” erklärt Dr. Haring vom Genetiklabor des Naturhistorischen Museums (NHM). “Dadurch war es uns möglich die DNA aus dem Schädel genau zu analysieren”. Dabei wurde ein Zahn fein vermahlen, die DNA daraus extrahiert und anschließend eine DNA-Fingerprintanalyse durchgeführt. Durch Vergleich mit den genetischen Fingerprints der Bären der Population steht nunmehr zweifelsfrei fest, dass es sich bei dem Tier um die Bärin "Rosemarie" handelt, die seit 2002 aus der Population verschwunden ist.
Die 1996 geborene Rosemarie hatte als Tochter der Bären “Mona” und “Djuro” seit 1999 vier Mal für Bärennachwuchs in Österreich gesorgt. Insgesamt vier Jungtiere brachte sie zur Welt, so auch den Bären “Moritz” im Jahr 2001, der nach den ersten Jahren an der Seite seiner Mutter ins oberösterreich-steirische Salzkammergut abwanderte. Rosemarie’s Mutter Mona ist seit 2003 verschwunden, als letztes Individuum der Bärenpopulation im Kerngebiet der Nördlichen Kalkalpen von Niederösterreich und der Steiermark hat Djuro überlebt.
"Rosemarie war als eines der wenigen produktiven Weibchen der Population eine Hoffnungsträgerin – sie hätte noch für viele weitere Nachkommen sorgen können", erklärt Bärenanwalt Dr. Georg Rauer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Uni Wien. “Nun fügt sich ein weiteres Mosaiksteinchen in die traurige Geschichte des Bärenschwundes”, meint Christoph Walder, WWF-Bärenprojektleiter. Er begrüßt das Engagement der Wissenschaftlerinnen im Labor des NHM, die das genetische Monitoring der Bärenpopulation seit dem Jahr 2001 durchführen. Die anhaltende Aufklärungsarbeit im Bärenmanagement stelle eine wichtige Basis im Bestreben dar, dem Wildtier Bär in unserer Heimat seine verdiente Chance zu geben.”Wir sind auch weiterhin für Meldungen und Hinweise aus der Bevölkerung dankbar, die zur Aufklärung führen, wohin die Bären in Österreich verschwunden sind”, so Walder abschließend.
Etliche der ehemals im Zeitraum zwischen 1989 und 2009 ingesamt 35 Indiviuden umfassenden österreichischen Bärenpopulation sind auf ungeklärte Weise verschwunden. Wenige hinterließen dabei Spuren, die Hinweise auf eine eindeutige Todesursache geben. In einem Fall konnte das Bundeskriminalamt in Zusammenarbeit mit FIWI, WWF und NÖ Jägerschaft beweisen, dass ein illegaler Abschuss erfolgt ist: Die Trophäe eines Jahrlings wurde im Kellerstübchen eines Jägers im Bezirk Lilienfeld sicher gestellt. Die Identität dieser jungen Bärin konnte mittels DNA-Analyse einer Hautprobe aus diesem Präparat geklärt werden. Demnach handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die 1,5 Jahre alte Tochter der Bärin “Cilka”, die 1994 verschwunden war.
Rückfragehinweis:
Dr. Elisabeth Haring, Naturhistorisches Museum Wien, Tel. 01/52177-332
Dr. Georg Rauer, Bärenanwalt
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Brutsaison am Inn: WWF und BirdLife appellieren für mehr Rücksicht auf seltene Kiesbrüter
Gefährdete Vogelarten brüten am Inn – Steigende Bestände bei Flussuferläufern geben Hoffnung – Naturschutzorganisationen warnen vor Störungen durch Menschen
Steiermark: WWF kritisiert Frontalangriff auf den Artenschutz
Naturschutzorganisation warnt vor ökologischen Folgen und rechtlichen Problemen – Umdenken der Landesregierung gefordert
Energieeffizienz: Österreich seit sechs Monaten säumig bei EU-Richtlinie, 2030-Ziel wackelt
Stillstand bei Umsetzung verschärft Energiekrise und erhöht Abhängigkeit von Importen – Anhaltende EU-Vertragsverletzung könnte Österreich Millionen kosten – WWF fordert rasches Gegensteuern
Tennis-Star Dominic Thiem engagiert sich für seltene Donau-Störe
Prominente Hilfe für den Artenschutz – Naturschutzorganisation WWF bekommt Unterstützung im Einsatz für die am stärksten bedrohte Tiergruppe der Welt
WWF warnt vor rechtswidriger Wolfsverordnung in Vorarlberg
Naturschutzorganisation kritisiert Begutachtungsentwurf und befürchtet pauschale Abschüsse durch die Hintertür – Forderung nach Überarbeitung und mehr Herdenschutz
Good News: Schon wieder Gorilla-Zwillinge im Virunga-Nationalpark
Gleich zwei Zwillingsgeburten bei den Berggorillas im Virunga-Nationalpark sorgen für Aufsehen. Feldteams konnten bereits beobachten, dass die Tiere innerhalb ihrer Familie einen bemerkenswerten Zusammenhalt zeigen.
WWF: Neue Salzburger Wolfsverordnung widerspricht europäischem Artenschutzrecht
Naturschutzorganisation kritisiert die geplanten anlasslosen Tötungen von Wölfen – Vorgehen gegen geschützte Wildtiere ist in Salzburg völlig überschießend
WWF: Interne Akten zeigen schwere Mängel beim Kraftwerksausbau Kaunertal
23 Nachforderungen, jede zweite betrifft Sicherheitsfragen – Tiwag-Unterlagen unvollständig, zentrale Risiken trotz Nachreichungen immer noch ungeklärt – WWF fordert Stopptaste für UVP












