Internationale Konferenz berät über Abbau von seltenen Rohstoffen in der Tiefsee Ende Juli – Neue Studie beschreibt globale Negativ-Folgen durch Zerstörung artenreicher Tiefsee-Lebensräume – WWF fordert Stopp der Abbaupläne
WWF: Wolfsabschüsse schützen keine Nutztiere
Presseaussendung WWF
Wien, 16. 9. 2016 – Der Abschuss von Wölfen schützt Nutztiere nicht, das ergab eine kürzlich erschienene Studie im US-amerikanischen Fachjournal ‘Frontiers in Ecology and the Environment’. Ganz im Gegenteil: getötete Wölfe führen in fast einem Drittel der untersuchten Fälle zu mehr Nutztierschäden. Diese Erkenntnisse lassen sich auch auf die Situation der Wölfe in Österreich umlegen. „Gerne wird bei entdeckten Rissen von Schafen sofort der Abschuss von Wölfen gefordert. Doch die Milchmädchenrechnung geht leider nicht auf. Weniger Wölfe führen oft sogar zu einem Ansteigen an Nutztierrissen“, erklärt Christian Pichler, WWF Österreich-Wolfsexperte. Als wirksame Methode zum Schutz von Schafen hat sich der Herdenschutz erwiesen, er zeigte in 80 Prozent der untersuchten Fälle Erfolg.
Wenn Wölfe Nutztiere reißen, ist meist die Forderung nach einem Abschuss der großen Beutegreifer nicht weit. Doch das Töten einzelner Wölfe bringt nur selten den gewünschten Effekt, ergab eine kürzlich erschienene Studie im Fachjournal ‘Frontiers in Ecology and the Environment’. Nur in 29 Prozent der untersuchten Fälle konnte ein minimaler und nur kurzfristiger Rückgang der Übergriffe auf Nutztiere durch eine Wolfstötung erzielt werden. Bei 71 Prozent wurden hingegen keine Effekte oder sogar mehr Nutztierschäden festgestellt. Herdenschutzmaßnahmen und visuelle Abschreckungen wie Flatterbänder hingegen erfreuen sich großer Wirksamkeit. In 80 Prozent der untersuchten Fälle nahmen die Risse deutlich ab.
„Der Abschuss einzelner Wölfe zum Schutz von Schafherden greift zu kurz und ist oft sogar kontraproduktiv“, fasst Pichler vom WWF zusammen, „solche Eingriffe bringen die soziale Struktur in Wolfsfamilien durcheinander. Der Abschuss eines Elterntieres kann beispielsweise dazu führen, dass Wölfe ihr Jagdverhalten ändern und wegen der fehlenden Erfahrung auf leichter zu erbeutende Tiere wie ungeschützte Schafe ausweichen müssen. Zusätzlich wird durch das Töten von Tieren die Zerstörung der ohnehin nur sehr kleinen Populationen riskiert.“
Darum fordert der WWF einmal mehr Herdenschutzmaßnahmen wie Elektrozäune oder Schutzhunde. Zu den Vorzeigeprojekten zählen die Herdenschutzprojekte in der Schweiz. Hierzulande hat das Pilotprojekt in Kals in Osttirol bereits wichtige Erkenntnisse hinsichtlich Behirtung, Integrierung der Schutzhunde in die Herden und Aufklärungsarbeit gebracht.
Für die aktuelle Studie hat ein internationales Forschungsteam systematisch die Resultate und die Aussagekraft von verschiedenen Studien in Amerika und Europa unter die Lupe genommen. Auch Resultate aus Afrika und Asien bestätigen die Befunde. Die Ergebnisse decken sich auch mit jenen einer 2014 veröffentlichten Studie für den amerikanischen Raum. Auch damals kamen Wissenschaftler zum Schluss, dass Wolfsabschüsse kontraproduktiv für den Schutz von Nutztieren sind.
Die Österreichischen Lotterien unterstützen den WWF und insbesondere seine Arbeit zum Schutz des Wolfes in Österreich.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel.: 01/48817-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF warnt: Viele Flüsse gehen mit Niedrigwasser in den Hochsommer
An rund 85 Prozent der Pegel lagen die Juni-Abflüsse unter dem langjährigen Mittel – Hohe Wassertemperaturen verschärfen Lage für Fische und Gewässerlebensräume
WWF warnt vor Tabubruch im Lech-Schutzgebiet
Wasser aus intaktem Namloserbach im Natura-2000-Gebiet soll großteils abgeleitet werden – WWF sieht Genehmigungsfähigkeit höchst fraglich und fordert E-Werke Reutte zum Abbruch der Planungen auf
Tiwag-Gehälter: WWF fordert neue Strategie für Landeskonzern
Debatte über millionenschwere Vorstandsbezüge zeigt großen Reformbedarf bei Transparenz, Gemeinwohl und Naturverträglichkeit
Invasive Arten im Mittelmeer: WWF warnt vor Folgen für Artenvielfalt, Fischerei und Tourismus
Hasenkopf-Kugelfisch, Rotfeuerfisch, blaue Schwimmkrabbe & Co. bedrohen Mittelmeer-Lebensraum – WWF fordert: Natürliche Feinde wie Haie, Rochen und Oktopusse besser schützen; Überfischung stoppen; Meeresschutz ausweiten
WWF-Analyse: Untere Lobau fehlt im Renaturierungsatlas für Gewässer
Ausgerechnet eines der wichtigsten Sanierungsgebiete im Nationalpark Donau-Auen ist bisher nicht ausgewiesen – WWF sieht kritische Lücke und fordert Nachmeldung durch Wien und Niederösterreich beim Umweltministerium
Rekordtemperaturen, Massentourismus, Überfischung: WWF fordert 5-Punkte-Schutzpaket für das Mittelmeer
Umweltschutzorganisation macht auf dramatischen Zustand des Mittelmeers aufmerksam – Konkrete Maßnahmen gegen Plastikverschmutzung, Überfischung, intensive Schifffahrt und Artensterben gefordert
Hitzewelle: Stark gefährdete Huchen in der Pielach verendet
Fotobelege aus Wasserkraft-Restwasserstrecken – WWF fordert akute Wasserabgabe, Schutzprogramm und rasche Renaturierung der letzten Huchenflüsse
WWF-Analyse stellt Tiroler Abschuss von Forschungswolf infrage
Auswertung der Standortdaten zeigt unauffällig wandernden Wolf abseits von Ortschaften – Forschungsleiter kritisiert Vorgehen der Behörden – WWF fordert volle Aufklärung durch Landesregierung













