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WWF zu Kriterienkatalog Wasserkraft: „Für eine Unterschrift zu wenig“
Innsbruck, am 15. März 2011 – Der WWF sieht viele positive Ansätze im Bemühen des Landes Tirol, einen ökologisch verträglichen Wasserkraftausbau zu organisieren. Mit der Ausarbeitung des Kriterienkataloges hat Tirol eine Vorbildrolle innerhalb Österreichs eingenommen. Der WWF hat sich engagiert in die Erstellung des Kriterienkataloges eingebracht und trägt auch einige Punkte mit. Dazu gehört das Bekenntnis zu Tabuzonen für die E-Wirtschaft an Flussheiligtümern wie dem Lech. In anderen Punkten – wie etwa dem Ausbauziel von 2,8 Terawattstunden bis 2036 – konnte keine Einstimmung erzielt werden. „Der WWF anerkennt das Bemühen des Landes, ein strategisches Instrument zur weiteren Wasserkraftnutzung in Tirol zu erstellen. Letztlich waren die Auffassungen aber in ökologischen Kernfragen zu groß, als dass wir den Kriterienkatalog zur Gänze mittragen können“, schlussfolgert WWF-Wasserkraftexperte Christoph Walder.
Erster Schritt zu strategischer Wasserkraftnutzung
Insgesamt sieht der WWF den Tiroler Kriterienkatalog als guten Start zur strategischen Beurteilung der Kraftwerkspläne an. „Ein lange überfälliges Instrument, um den Wildwuchs an Kraftwerksplanungen in geordnete Bahnen zu lenken“, sagt Walder. Auch das Bestreben, die Interessen am Schutz und der Nutzung der Flüsse auf breiter Basis und sachlich abzustimmen, ist eine langjährige Forderung der Naturschutzorganisation.

Kriterienkatalog nennt Tabuzonen
Der WWF begrüßt das Bekenntnis zur Ausweisung von Ausschlussflächen, an denen intakte Flussnatur von energiewirtschaftlicher Nutzung freigehalten, und so für die kommenden Generationen erhalten wird. „Es wird unmissverständlich festgeschrieben, dass Gebiete wie das Lechtal mit seinen Seitenbächen, aber auch das Karwendel tabu sind“, freut sich Walder. Auch für das Innkraftwerk Telfs gibt es nun keine Realisierungsmöglichkeit mehr. „Hier wäre nicht nur ein Sonderschutzgebiet – also eine absolute Tabuzone im Kriterienkatalog – sondern auch letzte Reste von Innauen betroffen.“
Keine Übereinstimmung in der Gewässerökologie
Zu wenig weit geht dem WWF der ausreichende Schutz von Gewässerstrecken im „sehr guten ökologischen Zustand“. Darunter versteht man Strecken, die noch natürlich fließen und noch nicht von Querbauten oder Staudämmen unterbrochen sind. Davon sind in Tirol nur noch wenige Kilometer erhalten. „Der WWF hätte sich hier ein deutlicheres Signal der Landesregierung erwartet, dass man diese letzten Naturjuwele nicht mehr antastet“, so Walder. „Von diesen letzten Prozent Fließgewässern wird die Energiesicherheit Tirols sicherlich nicht abhängen!“. Davon betroffen sind etwa die Quellbäche des Ötztales, der Oberlauf der Isel oder des Kalserbachs. Darüber hinaus sieht der Kriterienkatalog die Möglichkeit vor, Beeinträchtigungen auch an den sensibelsten und schutzwürdigsten Fließgewässern vollständig auszugleichen. „Es sind aber nicht alle Eingriffe kompensierbar“, widerspricht Walder dieser Sichtweise.

WWF-Ökomasterplan muss berücksichtigt werden
Für den WWF stellt der Ökomasterplan die wichtigste Referenz für die Beurteilung der Schutzwürdigkeit der Flüsse dar. Die Studie ist unter www.oekomasterplan.at zugänglich und analysiert 31.459 Kilometer Fließstrecken. Auch Antragsteller würden eine höhere Planungssicherheit erhalten, wenn ökologisch bedenkliche Flussbereiche bereits im Vorfeld ausgeschlossen werden können. Der Kriterienkatalog berücksichtigt einige, aber nicht alle Inhalte des Ökomasterplanes. „Dadurch kann der WWF den Kriterienkatalog Tirol nicht zur Gänze mittragen, wird aber seine Umsetzung mit großem Interesse verfolgen“, so Walder abschließend.
Die WWF Stellungnahme zum Kriterienkatalog Wasserkraft Tirol kann hier heruntergeladen werden.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin
Tel. 01/488 17 250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Christoph Walder, WWF-Wasserkraftexperte
Tel. 0676/92 55 430, E-Mail: walder@ecotone.at
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