Fischgerichte auf Touristenmenüs und Märkten häufig aus Asien und Lateinamerika importiert oder unter irreführenden Namen angeboten – WWF fordert mehr Transparenz und ruft zur Vorsicht beim Fischkonsum auf
WWF zum Auftakt des internationalen Weltnaturschutzgipfels in Nagoya/Japan
Wien, am 18. Oktober 2010 – Im japanischen Nagoya hat heute die zehnte UN-Konferenz zur Wahrung der biologischen Vielfalt begonnen. Delegierte aus 193 Vertragsstaaten der Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD) diskutieren über Strategien, den galoppierenden Artenverlust zu stoppen. „Wir dürfen angesichts der berechtigten weltweiten Sorge um so attraktive Arten wie Tiger oder Nashorn nicht auf die Artenvielfalt vor unserer Haustüre vergessen“, erklärt Christoph Walder vom WWF. Auch die heimische Fauna und Flora braucht unsere Unterstützung. Deshalb ist es wichtig, dass jetzt die richtigen Schritte zur Erhaltung unserer letzten Flüsse und Bäche, die die Lebensadern Österreichs sind, gesetzt werden. „Fließgewässer zählen zu den wertvollsten und zu den bedrohtesten Ökosystemen der Welt“, erinnert der Flussexperte.
Dies geht auch aus dem aktuellen WWF-Living Planet Report hervor. Der umfassende Umweltbericht über den Zustand der Erde einerseits und den Einfluss menschlicher Aktivitäten andererseits zeichnet für Süßwasserarten ein alarmierendes Bild: 2.750 Bestände von 714 Fisch-, Vogel-, Reptilien- und Säugetierarten in gemäßigten und tropischen Süßwasserökosystemen sind teilweise dramatisch zurückgegangen.
Neben Wasserverschmutzung und unnachhaltigen Fischereimethoden, liegt eine Hauptursache für den weltweiten Verlust an Wasser liebenden Arten im Bau von Staudämmen mit teilweise gigantischen Ausmaßen. 500 Millionen Menschen weltweit leiden unter den negativen Auswirkungen von Dämmen und anderen Flussregulierungen, heißt es im WWF-Bericht. Besonders Dämme von riesigem Ausmaß verändern die Fließeigenschaften, die Menge und die Qualität des Wassers nach Stauhaltungen in einer Weise, die das Ökosystem Fluss nachhaltig beeinträchtigt. Insgesamt ist der Living Planet Index – der Artenindex der Natur – für Süßwasserarten zwischen den Jahren 1970 und 2007 um 35 Prozent gesunken.
In Österreich zerschneiden insgesamt 3.900 Wasserkraftwerke das Flussadernetz, konkret die 2.880 heimischen Flüsse und Bäche. „Durchschnittlich steht alle 800 Meter eine Staumauer“ rechnet Walder vom WWF vor, der den Bestand an bestehenden und zukünftig geplanten Kraftwerksbauten detailliert untersucht hat. „Dies hat katastrophale Auswirkungen für die Fauna und Flora.“ Hunderte Tier- und Pflanzenarten sind bereits aus Österreich verschwunden. Darunter befinden sich zahlreiche Fisch-, Vogel- und Schmetterlingsarten, wie etwa das Rote Ordensband, einer der schönsten Schmetterlinge Europas. Diese Art benötigt natürliche Flusslandschaften für ihr Überleben.
Angesichts der verloren gegangenen Artenvielfalt in Österreich und des massiven neuen Wasserkraftbooms als vermeintlichem Ausweg aus der Klimakrise, fordert der WWF die Ausweisung von No Go-Areas für die Wasserkraft in Österreich. „Dadurch sollen wenigstens die naturbelassensten Flüsse und Bäche und ihre bedrohten Arten für die kommenden Generationen erhalten bleiben“, so Walder.
Gemeinsam mit den Vertretern der Initiative „Flüsse voller Leben“ (Österreichischer Fischereiverband, Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz, kajak.at, Naturschutzbund, Naturfreunde, sowie Alpenverein Sektion Edelweiss) will der WWF daher die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltungen zum Nationalfeiertag in Wien über die Bedrohungen der letzten Flussjuwele informieren. „Wir appellieren an Umweltminister Berlakovich, dass Österreich das ’Land am Strome’ bleibt, und nicht zum Land der lückenlosen Kraftwerksketten wird“, so Walder abschließend.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, e-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Christoph Walder, WWF-Flussexperte, Tel. 0676/92 55 430, e-Mail: walder@ecotone.at
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