Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
WWF zum FAO Weltfischereireport: Weiter im Würgegriff der Weltfischerei
Wien, 9. Juli 2012 – Keine Entwarnung in den Weltmeeren: Zu dieser Einschätzung kommt der WWF angesichts des heute veröffentlichten Weltfischereireports der FAO. Danach liegt der Anteil überfischter Bestände nach 32 Prozent in 2010 weltweit bei nun 30 Prozent, während das Kontingent der Fischbestände mit Reservepotential auf nur noch 13 Prozent schrumpfte. „Die Fischwelt ist weiter fest im Würgegriff der globalen Fangflotten," resümiert Georg Scattolin, Fischereiexperte des WWF. „Die langsame Verbesserung macht deutlich, wie weit wir tatsächlich noch von nachhaltiger Fischerei und gesunden Meeren entfernt sind."
Der alle zwei Jahre erscheinende Report zum Zustand der weltweiten Fischerei und Aquakultur belegt auch, wie wichtig Fischerei und die Versorgung mit Fisch als Nahrungsgrundlage für Millionen Menschen geworden ist. Etwa 10 bis 12 Prozent der Weltbevölkerung waren im Jahr 2010 direkt oder indirekt von der Fischerei abhängig, da sie den Großteil ihres Lebensunterhaltes stellt. Gleichzeitig sind die Entwicklungsländer die Top-Exporteure von Fisch – ihr größter Abnehmer ist die EU. „Darin steckt eine große Verantwortung für uns", so Scattolin. „Europa muss seine eigenen Fischbestände besser pflegen. Nur so können wir den Anteil der Fischimporte von heute 60 Prozent drastisch reduzieren und damit auch die Nahrungsgrundlage für die Menschen sichern, die vom Fisch stärker abhängen als wir."
Gerade hat die EU Kommission der europäischen Fischerei erneut einen traurigen Spitzenplatz im globalen Vergleich attestiert: Trotz positiver Entwicklung in einigen Fanggebieten bzw. bei einigen Beständen sind 47 Prozent der europäischen Bestände überfischt. Gleichzeitig ist der Zustand von rund zwei Drittel der Bestände unbekannt, weil die Daten nicht ausreichten. „Europa braucht für die nächste Dekade den radikalen Kurswechsel in seiner Fischereipolitik. Der gelingt nur mit Rückwurfverboten, weniger Fangkapazität und Fangquoten, die den wissenschaftlichen Empfehlungen entsprechen", fordert Scattolin.
Weltweit wächst der Bedarf für Fisch. Nach Analysen der FAO stieg der jährliche pro Kopf Verbrauch nun auf die höchste je ermittelte Menge von 18,4 Kilogramm. Damit stellt sich die Frage, wie die ständig wachsende Nachfrage in Zukunft gestillt werden kann. „Wir müssen heute verhindern, dass morgen der Fisch ausgeht. Die überfischten Bestände brauchen langfristige Wiederaufbaupläne, um in Zukunft wieder deutlich produktiver zu sein", fordert Fischereiexperte Scattolin. Nach WWF Ansicht sei es keine Lösung, einfach die bislang moderat genutzten Bestände ohne strikte Auflagen stärker auszubeuten: „Wir dürfen nicht unser jahrzehntelanges Fehlverhalten auch noch auf die letzten unversehrten Reserven übertragen."
Die Welternährungsorganisation wertete Daten zu 395 Beständen aus, die 70 Prozent des Weltfischfangs repräsentieren. Für das Jahr 2011 wird die weltweite Fischproduktion auf die Rekordhöhe von 154 Millionen Tonnen geschätzt. Der Ertrag aus Meeresfischerei stagniert dabei seit Mitte der 1990er Jahre und liegt bei knapp 80 Millionen Tonnen. Eine rapide Entwicklung machte die Meer- und Süßwasserzucht von Fischen, sie versorgt heute schon 42 Prozent des globalen Marktes mit ihren Produkten.
Rückfragehinweis:
Mag.(FH) Lisa Simon, Pressesprecherin WWF Österreich, Tel. 01-48817-215, E-Mail: lisa.simon@wwf.at.
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