Anhaltende Trockenheit verschärft Wassermangel im Nationalpark und gefährdet Biodiversität – WWF fordert Stadt Wien zum Handeln auf
WWF zur Wasserkraft: Wo kann noch gebaut werden?
Wien, am 29. Juni 2011 – Trotz eines Ausbaugrades von bereits über 70 Prozent, ortet die E-Wirtschaft noch reichlich Potential für die Wasserkraft an Österreichs Flüssen. In einer heute präsentierten Untersuchung zeichnet der WWF ein realistischeres Bild: Soll der Ausbau der Wasserkraft in Österreich nicht nur rein technisch möglich, sondern auch ökologisch vertretbar sein, ist der Plafond mit 3.100 Gigawattstunden (GWh) erreicht. Dies geht aus einer detaillierten Analyse der Universität für Bodenkultur im Auftrag des WWF hervor, für die bislang noch ungenutzte Abschnitte der 53 größten Flüsse Österreichs untersucht wurden. Addiert man jedoch jene 2.000 GWh, die in Modernisierungen bestehender Kraftwerke stecken, könnte Österreich die Ziele der Energiestrategie der Bundesregierung dennoch erreichen, ohne wertvolle Flussstrecken wie jene in Schutzgebieten heranzuziehen.
Die Energiestrategie sieht einen Ausbau der Erneuerbaren um 3.500 GWh bis 2015 vor.
Für die WWF-Untersuchung, wurde das technisch mögliche Ausbaupotential für die Wasserkraft der Schutzwürdigkeit der Gewässer gegenübergestellt. Die vorliegende Studie schlüsselt das Ausbaupotential von insgesamt 3.100 GWh erstmals konkret und detailliert auf.
Ökologischer Ausbau ist möglich
Ein Potential von 2.700 GWh liegt an Flussabschnitten, die ökologisch bereits stark degradiert sind, und deshalb für einen weiteren Ausbau der Wasserkraft zuerst herangezogen werden sollten. Solche Strecken liegen etwa in Vorarlberg an der Bregenzer Ache und der Ill, in Tirol an der Rosanna, der Trisanna, dem Inn, der Sill und der Melach. Auch an der Kärntner Drau, der Steirischen Mürz oder der Salzach im Bundesland Salzburg gibt es noch Platz für neue Kraftwerke. „Natürlich empfiehlt unsere Studie nicht, dass alle geeigneten Flüsse sofort vollständig ausgebaut werden sollen“, stellt WWF-Wasserkraftexperte Christoph Walder klar. „Sie soll Politik und Wirtschaft vielmehr zeigen, wo ökologisch verträglicher Ausbau theoretisch noch möglich ist.“ Dennoch müssen alle Projekte umsichtig geplant und für die entsprechenden Genehmigungsverfahren vorbereitet werden. Oft sprechen im konkreten Verfahren dennoch lokale Konflikte oder spezielle Naturschutzbelange gegen eine Realisierung.
Hohe Potentiale – aber viele in Schutzgebieten
Die Energieerzeugung aus Wasserkraft hat in der Alpenrepublik einen hohen Stellenwert. Insgesamt stellen Österreichs 53 größte Flüsse ein energiewirtschaftliches Potential von rund 41.615 GWh bereit. Rund die Hälfte davon – 20.580 GWh – wird bereits genutzt.

Von den restlichen rund 21.000 GWh liegen 4.400 GWh in Schutzgebieten wie dem Nationalpark Hohe Tauern und können laut WWF nicht mehr genutzt werden. Weitere 7.290 GWh sind aus WWF-Sicht unantastbar, weil es sich um natürliche bzw. naturnahe Strecken mit hoher Artenvielfalt und typischen Gewässer- und Auenlandschaften handelt. Weitere 5.890 GWh Potential wiederum liegen in Flussabschnitten, deren Besonderheit es ist, dass sie noch auf langen Strecken unzerschnitten sind. „Gerade für wandernde Arten wie den seltenen Huchen, sind Flüsse wie die Obere Mur, der Inn oder die Enns, die noch frei fließen, extrem wichtig. Hier ist darauf zu achten, dass diese Fließstrecken so lange wie möglich so großflächig wie möglich erhalten bleiben. Sie sind aber nicht grundsätzlich alle für den weiteren Ausbau tabu“, erklärt Walder. Der Rest von rund 320 GWh verteilt sich vor allem auf Strecken, in denen die Datengrundlage nicht ausreichend war.
Insgesamt könnten laut WWF daher maximal 3.100 GWh für die Errichtung neuer Anlagen unter Berücksichtung realisiert werden. Rund die Hälfte der 60 in Österreich geplanten Großkraftwerke liegt jedoch in sensiblen Gebieten, die eines oder mehrere dieser schützenswerten Merkmale aufweisen.
Energiewende braucht Mix aus Wasserkraftausbau und Energieeffizienz
Der WWF plädiert für einen ökologisch verträglichen Ausbau der Wasserkraft bei gleichzeitiger Nutzung aller Effizienzpotentiale. „Eine echte Energiewende weg von Öl und Kohle und hin zu Erneuerbaren ist nur möglich, wenn wir unser Energiesystem in geeigneter Weise umbauen“, ist Annabella Musel, Energieexpertin des WWF, überzeugt. Alleine durch Effizienzmaßnahmen in der Gebäudesanierung könnten bis 2050 rund 60.000 GWh – das sind 50 Prozent des derzeitigen Gebäudeenergiebedarfs – eingespart werden. Würde noch verstärkt in den Ausbau von Solar, Wind und Biomasse investiert, könnten bis 2050 rund 33.000 GWh Strom zusätzlich erzeugt werden.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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