Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
Xayaburi-Damm ist Todesstoß für Mekong-Riesenwels
Wien/Bangkok/Vientiane, Donnerstag, 20. Februar 2013 – Der 3,5 Milliarden Euro teure Xayaburi-Staudamm in Laos ist eine existenzielle Bedrohung für einen der größten und seltensten Süßwasserfische der Welt, den Mekong-Riesenwels. Das ergab eine neue Studie des WWF. „Den schon heute vom Aussterben bedrohten Riesenwelse droht mit dem neuen Megadamm der Todesstoß“, warnt der WWF-Experte Georg Scattolin. Die österreichische Firma Andritz AG hält dennoch an der Lieferung von acht Kaplanturbinen im Wert von 300 Millionen Euro für dieses naturzerstörende Monsterprojekt fest. Im Mekong werden bis zu einem Viertel aller Süßwasserfische weltweit gefangen.
Der 820 Meter breite und 30 Meter hohe Damm am Mekong-Hauptstrom im nördlichen Laos wäre eine unpassierbare Barriere für den großen Fisch, der dadurch nicht mehr zu seinen Laichplätzen wandern kann. „Ein Fisch mit einer Größe von drei Metern und mehr als 300 Kilogramm Gewicht kann diesen Damm nicht mehr überwinden und damit wäre diese Art zum Aussterben verdammt“, so Scattolin. Die Titanen der Flüsse brauchen große Strecken, die nicht unterbrochen sind sowie eine spezielle Wasserqualität und Strömungsbedingungen um ihren Lebenszyklus von Nahrungssuche, Laichplätzen und Brüten aufrechtzuerhalten“, so Zeb Hogan, Studienautor und Professor an der Universität von Nevada. Es wäre auch möglich, dass die Riesenwelse in dem Gebiet laichen wo der Xayaburi-Damm geplant ist.
Die Mekong-Riesenwelse sind seit Jahren durch Überfischung und Zerstörung ihrer Lebensräume bedroht und deren Zahl nimmt ständig ab. „Die letzten Riesenwelse würden in den gewaltigen Kaplanturbinen zermahlen werden. Die Firma Andritz AG würde so zum Totengräber für eine der seltensten Fischspezies der Welt“, so Scattolin. Der WWF ruft daher die Andritz AG zum sofortigen Rückzug aus dem Geschäft mit dem Artensterben auf.
Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die Riesenwelse noch sehr häufig in Kambodscha, Laos, Thailand, Myanmar bis nach Südchina vor. Zu dieser Zeit wurden jährlich noch tausende Exemplare gefangen. In den 1990er Jahren waren es nur mehr wenige Dutzend und heute gibt es nur mehr einzelne Fänge. Obwohl der Fisch unter strengem Naturschutz steht, wird er weiterhin illegal gefischt oder geht den Fischern zufällig in die Netze. Der WWF fordert auch für die zufälligen Fänge ein genaues Beobachtungssystem, das die Fänge registriert um die illegale Fischerei zu bekämpfen.
2011 hatten die Umwelt- und Wasserwirtschaftsminister der Mekong Flusskommission beschlossen die Entscheidung über den Dammbau zu verschieben, solange keine ausreichenden Umweltverträglichkeitsprüfungen vorliegen. Im November 2012 wurde dieser Beschluss auf Drängen der laotischen Regierung einfach verworfen. Der WWF und andere Umweltorganisationen kritisieren den Dammbau seit Jahren weil über die Folgen nur ungenügende Studien zu den Auswirkungen auf die Fischwelt und die Sedimentflüsse vorhanden sind. Die finnische Firma Pöyry meint zwar, dass Fischpassagen um die Turbinen herum gebaut werden könnten, aber bisher scheiterte dies an der Umsetzung. „Wir wissen noch viel zu wenig über diese Fischart um sicher sagen zu können, dass die Welse die Fischleitern auch benutzen würden.
Der Riesenwels ist ein wichtiger Indikator für die ökologische Stabilität des Mekong. Die Erholung dieser Art ist ein wichtiger Teil für ein nachhaltiges Flussmanagement“, sagt Lifeng Li, der Direktor des internationalen Flüsseprogramms. „Der Mekong-Riesenwels kann gerettet werden. Aber dazu braucht es das Bekenntnis der Anliegerstaaten und die Hilfe von internationalen Organisationen und Sponsoren“, so Li abschließend.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231, Email: franko.petri@wwf.at. Fotos auf Anfrage bei Manuela Janosch unter manuela.janosch@wwf.at.
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