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Fleischkonsum
Unser großer Hunger

Weltweit wächst der Appetit auf Fleisch. Seit Anfang der 1960er Jahre hat sich der weltweite Fleischverzehr mehr als vervierfacht. Aber – „Weniger ist mehr“ – das gilt besonders und immer dringlicher für unseren Fleischkonsum. Denn unsere Ernährung hat vielfältige und weitreichende Konsequenzen für unsere Umwelt und für uns selbst. Täglich entscheiden wir uns für Lebensmittel, die sich entweder positiv oder negativ auf unsere Umwelt auswirken können.

Insbesondere unser Fleischkonsum nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein: Wie viel Fleisch und welches Fleisch wir essen, hat große Auswirkungen auf unser Klima, die Biodiversität, Flächenverbrauch, Artenvielfalt, Böden, Gewässer und nicht zuletzt auch auf unsere eigene Gesundheit sowie die Welternährung. Denn falsche Ernährungsgewohnheiten und ein hoher Fleischkonsum befeuern die weltweite Naturzerstörung, die Klimakrise und das Artensterben.

Fleisch, der unterschätzte Klimafaktor

Für unsere Ernährung verbrauchen wir Fläche auf der Erde. Schließlich müssen Obst, Gemüse und Getreide, sowie Futtermittel für unsere Tiere angebaut werden. Wie viel Fläche ein Mensch rechnerisch für die Erfüllung seiner Bedürfnisse verbraucht, das gibt der ökologische Fußabdruck an. Unsere Ernährung verursacht etwa ein Viertel unseres ökologischen Fußabdrucks. Den Großteil des ernährungsbedingten ökologischen Fußabdrucks machen dabei tierische Produkte aus. Den größten Flächenanteil brauchen aber nicht die Tiere selbst, sondern ihr Futter.

Beim Anbau von Lebensmitteln entstehen auch Treibhausgase: Die Produktion von tierischen Lebensmitteln verursachen 67% der nahrungsmittelbedingten Treibhausgas-Emissionen Österreichs. Pro Österreicher*in entstehen somit mehr als 2.500 Kilogramm nahrungsmittelbedingte CO2-Äquivalente pro Jahr. Das beinhaltet sogar nur die direkten Treibhausgas-Emissionen, die bei der Landwirtschaft, Herstellung und Transport entstehen. Vergleichbar ist dies mit den Emissionen, die bei einer Autofahrt von Wien nach Peking und zurück entstehen würden. Wenn man nun noch 15 bis 20% zusätzliche indirekte Emissionen aus Landnutzungsänderungen (die beispielsweise bei der Umwandlung von Wald in Ackerland entstehen) berücksichtigt, geht sich umgerechnet noch ein extra Ausflug nach Istanbul aus.

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Zahlen & Fakten

  • Der jährliche Fleischkonsum in Österreich beträgt im Durchschnitt 63 kg pro Kopf
  • Wir essen drei Mal so viel Fleisch wie vom Gesundheitsministerium empfohlen
  • Global betrachtet werden 70 % der gesamten landwirtschaftlichen Fläche der Erde für Tierhaltung beansprucht – Tendenz steigend
  • Tierische Produkte sind für zwei Drittel der ernährungsbedingten Treibhausgase verantwortlich
  • Der Fleischkonsum an für sich ist für fast die Hälfte aller ernährungsbedingten Treibhausgase verantwortlich
  • Jede*r Österreicher*in verursacht mit dem Nahrungsmittelkonsum mehr als 2.500 kg CO2-Äquivalente pro Jahr. Das entspricht den Emissionen, die bei einer Autofahrt von Wien nach Peking und zurück entstehen würden.

Herausforderungen

Unser Fleischkonsum und seine Auswirkungen

Herausforderung 1: Hoher Fleischkonsum

In Österreich wird gerne und viel gegessen. Insbesondere Fleischgerichte gehören zu den Lieblingsspeisen: Mit einem Fleischkonsum von 63 kg pro Person und Jahr liegt Österreich jedoch leider im europäischen und weltweiten Spitzenfeld. Unser ungesunder Ernährungsstil schadet nicht nur der Gesundheit, sondern beschleunigt auch den Klimawandel, da tierische Produkte besonders viele klimaschädliche Treibhausgase verursachen.

Im Hinblick auf die Empfehlungen des Gesundheitsministeriums zeigt sich, dass wir etwa drei Mal so viel Fleisch essen, wie empfohlen. Maximal werden 300 bis 450g pro Woche empfohlen. Tatsächlich essen die Österreicher*innen im Schnitt jedoch 1240g pro Woche.

63 KG FLEISCH WERDEN IN ÖSTERREICH IN EINEM JAHR PRO PERSON GEGESSEN

Herausforderung 2: Ökologische Auswirkungen des Fleischkonsums

Mit jeder Mahlzeit können wir wählen, welche Lebensmittel auf unsere Teller kommen. Wir können uns für bestimmte Produktionsarten und Herkünfte unserer Nahrung entscheiden und somit auch über den Ressourcenverbrauch bestimmen. Je nach Ernährungsweise hat das Folgen für Tiere, unsere Gesundheit und das Klima. Falsche Ernährungsgewohnheiten befeuern weltweit Naturzerstörung, Klimakrise und Artensterben, da in einer globalisierten Welt unsere Ernährung in fast allen Teilen der Erde ökologische Auswirkungen hat. Denn Soja, das in der Tierfütterung eine wichtige Rolle spielt, wird häufig aus Ländern wie Brasilien, Argentinien und Paraguay importiert. Dort gehen durch die rücksichtslose Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen jährlich riesige Gebiete an wertvollen Regenwäldern oder waldreichen Savannen für immer verloren, die Ernährungssouveränität der lokalen Bevölkerung wird zudem gefährdet.

Unsere Ernährung ist für ein Viertel unseres ökologischen Fußabdrucks verantwortlich. Den Großteil machen dabei Herstellung und Konsum von tierischen Produkten wie Eier, Milch und Fleisch aus. Unser hoher Fleischkonsum hat hierzulande enorme negative Umweltauswirkungen – Fleisch ist in Summe für 43% der ernährungsbezogenen Treibhausgase verantwortlich.

 

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43% DER ERNÄHRUNGSBEZOGENEN TREIBHAUSGASE-EMISSIONEN SIND AUF FLEISCH ZURÜCKZUFÜHREN

Herausforderung 3: Fleisch ist oft zu billig

Ein ganzes Huhn für knapp vier Euro? Fleischprodukte werden oftmals unter ihrem Wert verkauft, ohne dass die Konsument*innen überhaupt wissen, woher das Huhn kommt oder wie es aufgewachsen ist.

Eine konsequente und transparente Kennzeichnungspflicht nach Herkunft und Tierwohl bei allen Fleischprodukten im Handel und in der Gastronomie würde dabei helfen, informierte Kaufentscheidungen zu treffen. Derzeit bleibt oft unklar, was genau auf unserem Teller liegt. Eine verpflichtende Herkunftsangabe gibt es derzeit nur bei verpacktem Frischfleisch im Handel. Diese Kennzeichnungspflicht entfällt, sobald Fleisch als „verarbeitet“ gilt, wie etwa bei Wurst, Fertiggerichten oder mariniertem Fleisch. Auch der Einsatz von gentechnisch veränderten Futtermitteln, für deren Anbau artenreiche Regenwälder und Savannen zerstört werden, muss bis jetzt nicht angegeben werden. Ein weiteres Problemfeld ist die Gastronomie. Fast zwei Drittel des Fleisches werden außer Haus gegessen, wo aufgrund der fehlenden Kennzeichnungspflicht besonders viel importiertes Billigfleisch zum Einsatz kommt.

Ernährung, Fleisch

Lösungen

Wie eine Ernährungswende unseren Planeten retten kann

Lösung 1: Gemüse in Massen, Fleisch in Maßen

Zurück zum Sonntagsschnitzel! Bei der Ernährung hat die Reduktion des Fleischkonsums die größten positiven Effekte für Klima und Gesundheit. Es geht darum, weniger und dafür qualitativ besseres Fleisch zu essen. An Stelle von Fleisch gibt es auch immer mehr alternative Proteinquellen, wie schmackhafte Hülsenfrüchte oder Produkte auf Soja- oder Tofubasis.

Auch der ökologische Landbau ist im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft ressourcenschonender und umweltverträglicher – und weist auch ein größeres Naturschutzpotential auf! Es werden keine chemisch-synthetische Pestizide, kaum mineralische Dünger verwendet und auch der Boden wird weniger bearbeitet – und das tut dem Boden gut. Wenn Fleisch auf dem Teller landet, dann bitte aus biologischer Produktion.

Ernährung, Kuhweide

Lösung 2: Gesunde und nachhaltige Ernährung

Wie eine gesunde und nachhaltige Ernährung aussehen kann, wird in verschiedensten Studien thematisiert. Wie eine gesunde Ernährung für uns und unseren Planeten aussehen kann, wurde auch in unsere Studie „Achtung: Heiß und fettig – Klima und Ernährung in Österreich“ analysiert.

Eine gesunde Ernährung wurde in dieser Studie mit einer deutlichen Verringerung des Fleischverzehrs (–70 % der aktuellen Menge) und einem moderat verminderten Verzehr von Milchprodukten (–20 %) definiert. Die Reduktion des Fleischverbrauchs, bzw. der tierischen Proteine sollten durch einen vermehrten Konsum von pflanzlichen Proteinen wie Hülsenfrüchte und Getreide ersetzt werden. Auch mehr Gemüse und Obst zu essen wird empfohlen. Da tierische Lebensmittel im Vergleich zu anderen Lebensmitteln die höchsten Treibhausgasemissionen ausmachen, verringert sich der Pro-Kopf Ausstoß unserer Ernährung. Insgesamt können mit solch einer stärker pflanzenbasierten Ernährung die nahrungsmittelbedingten Treibhausgase um 22% verringert werden!

 

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NAHRUNGSMITTELBEDINGTE TREIBHAUSGASE KÖNNEN DURCH EINE PFLANZENBASIERTE ERNÄHRUNG UM 22% VERRINGERT WERDEN

Lösung 3: Ernährungswende auf wirtschaftlicher und politischer Ebene

Der WWF unterstützt Unternehmen in umfassenden Kooperationen dabei, Aspekte einer nachhaltigen Ernährung wirksam umzusetzen. In gemeinsamen Aktionen wird ein nachhaltigeres Angebot unter die Lupe genommen, sodass Unternehmen der Lebensmittelbranche vermehrt auf biologisches und regionales Fleisch setzen. Auch kleinere Fleischportionen und nahrhafte vegetarische Alternativen stehen hier im Fokus.

Mehr denn je ist auch die Politik gefordert, ihren Beitrag zu leisten und einen umfassenden Aktionsplan zur Verringerung des Fleischkonsums vorzulegen. Der WWF macht dafür konkrete Vorschläge für Themen wie die Fleisch-Beschaffung in öffentlichen Kantinen, die gesetzliche Verankerung der Kennzeichnungspflicht, die Förderung biologischer Lebensmittel und die Reduktion von (Billig)Fleisch.

 

Ernährung, Obst

Indem wir uns gesünder ernähren – das heißt unter anderem weniger Fleisch- und Milchprodukte, mehr Gemüse und Hülsenfrüchte – können wir unser Klima schonen und eine Ernährungswende vorantreiben.

Hannah-Heidi Schindler

Programmleitung Nachhaltige Ernährung, WWF Österreich

Projekte

Wie sich der WWF für eine Reduktion des Fleischkonsums einsetzt

Fleischratgeber – Weniger und dafür besseres Fleisch

Der WWF Fleischratgeber unterstützt Österreicher*innen, weniger und dafür besseres Fleisch zu essen. Doch oftmals fehlt Konsument*innen die benötigte Information um einschätzen zu können, unter welchen Bedingungen Produkte hergestellt wurden und welchen Einfluss sie auf die Umwelt haben.

Der WWF Fleischratgeber schafft hier Transparenz. Er zeigt Auswirkungen der Produktion verschiedener Fleischsorten auf und bewertet sie anhand sechs wissenschaftlicher Indikatoren: Klima, Artenvielfalt, Überdüngung, Pestizide, Antibiotika und Tierwohl. Aktuell werden Rind-, Schweinefleisch und Geflügel sowie pflanzliche Alternativen wie Soja oder Tofu bewertet. Die Analyse wurde mit wissenschaftlicher Unterstützung des Forschungsinstituts für biologischen Landbaus (FiBL) durchgeführt.

Allgemein lässt sich sagen, dass die Kriterien „bio“ und „regional“ in jedem Fall einen sehr positiven Einfluss auf die Produktionsbedingungen und deren Umweltwirkung haben. Dennoch ist ganz klar: Fleisch sollte nur bewusst und in Maßen konsumiert werden.

Zum Ratgeber

Bewusstseinsbildung fördern

Es ist an der Zeit, ein Umdenken anzustoßen, damit nachhaltige Ernährung nicht nur Trend, sondern Alltag wird. Jedoch brauchen wir dafür bewusste Kaufentscheidungen und fundiertes Vorwissen. Hier arbeitet der WWF eng mit der Wissenschaft zusammen und veröffentlicht verschiedene Studien, die den Zusammenhang unserer Ernährung mit unserer Gesundheit und unserer Klimakrise betrachten. So entstanden in den letzten Jahren die Studien Klima & Ernärung in Österreich und die Warenkorbstudie.

Darüber hinaus führt der WWF in regelmäßigen Abständen Marktanalysen in heimischen Supermarktketten durch, die untersuchen, wie häufig Fleisch zu Schleuderpreisen verkauft wird. Die Rabatt-Analyse verdeutlicht die absurde Schieflage bei der Wertigkeit von Produkten und macht darauf aufmerksam, dass es schleunigst verbindliche Regelungen braucht, damit unsere Lebensmittel wieder den Wert bekommen, den sie verdienen.

Politische Arbeit des WWF

Die Politik muss eine Vorbildrolle einnehmen. Tagtäglich werden in diversen Kantinen des Landes mit öffentlichen Geldern hunderttausende Mahlzeiten serviert. Klare Vorgaben für eine nachhaltige Beschaffung würden den ökologischen Fußabdruck der jeweiligen öffentlichen Einrichtung verkleinern. Auch eine konsequente Kennzeichnungs- und Herkunftspflicht bei allen Fleischprodukten im Handel und in der Gastronomie, verhilft zu nachhaltigeren Konsum- und Kaufentscheidungen.

Um diese Trendwende zu schaffen, braucht es einen politischen Rahmen sowie eine Sensibilisierung der Bevölkerung durch weitreichende öffentliche Informationskampagnen. Hier arbeitet der WWF mit diversen Stakeholdern zusammen, um sich für eine Ernährungswende einzusetzen, die uns und unserem Planeten guttut. Studien und Publikationen werden medienwirksam veröffentlicht und mittels WWF-Kampagnen öffentlicher Druck initiiert.

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Häufig gestellte Fragen zum Fleischkonsum

Wieso fordert der WWF nicht einen Verzicht jeglicher tierischer Produkte? Das wäre ja im Hinblick auf Umwelt, Gesundheit und Tierwohl am sinnvollsten.

Aus Umweltsicht wäre es am sinnvollsten, weitgehend auf tierische Produkte zu verzichten. Wir wollen jedoch einen Weg aufzeigen, der für die meisten Österreicher*innen tatsächlich machbar ist. Für viele ist der Schritt von 63 kg Fleisch pro Jahr auf gänzlich vegetarische oder vegane Ernährung einfach zu groß. Es kann für die Umwelt aber auch durch eine Reduktion des Fleischkonsums und ein Umstieg auf umweltschonenderes Fleisch viel erreicht werden.

Der Fleischratgeber empfiehlt hauptsächlich Bio-Fleisch. Das ist aber viel teurer als konventionelles Fleisch. Wie soll sich das ausgehen?

Österreicher*innen konsumieren drei Mal so viel Fleisch wie nach den Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit empfohlen ist. Ein erster Schritt für eine bessere Gesundheit und eine gesündere Umwelt muss daher eine Reduktion unseres ernährungsbezogenen Fußabdruckes sein. Wer weniger Fleisch kauft, kann sich dann auch bessere Qualität – also bio – leisten. Das zeigt auch unsere Warenkorb-Studie. Außerdem empfiehlt der WWF, Speisepläne durch gute pflanzliche Proteinquellen wie etwa Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, Getreide und Sprossen zu erweitern.

Wenn wir statt Fleisch jetzt mehr Tofu oder Sojaprodukte essen sollen, wird dann nicht auch mehr Regenwald dafür abgeholzt?

Tofu und Sojaprodukte für den direkten menschlichen Verzehr machen nur einen geringen Anteil der Sojaproduktion aus. Der Großteil wird für die Futtermittelproduktion angebaut. Dabei muss festgehalten werden, dass Soja nicht per se problematisch ist, sondern dass sein Einsatz als Futtermittel sehr ineffizient ist. Für die Erzeugung von einem Kilogramm Fleisch wird – je nach Tierart und Haltungsform – bis zu 16kg Futtermittel benötigt. Das meiste Soja, das in österreichischen Produkten (wie Tofu) verwendet wird, stammt auch aus österreichischem Anbau.

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