Internationale Konferenz berät über Abbau von seltenen Rohstoffen in der Tiefsee Ende Juli – Neue Studie beschreibt globale Negativ-Folgen durch Zerstörung artenreicher Tiefsee-Lebensräume – WWF fordert Stopp der Abbaupläne
Neuer WWF-Bodenreport: Österreich wird weiter verbaut, die Politik schaut tatenlos zu
Österreich geht fahrlässig und verschwenderisch mit wertvollen Böden um, wie der am Dienstag veröffentlichte WWF-Bodenreport zeigt: Seit der Jahrtausendwende sind hierzulande rund 1.300 Quadratkilometer Boden verbraucht worden – das entspricht mehr als 100 Quadratmetern pro Minute oder umgerechnet mehr als der dreifachen Fläche der Bundeshauptstadt Wien. “Die Politik hat beim Bodenschutz versagt. Seit es in Österreich ein Nachhaltigkeitsziel gibt, wird es konsequent verfehlt. Österreich braucht daher rasch ein bundesweites Bodenschutzgesetz, das den Flächenfraß bis 2030 um 90 Prozent reduziert“, sagt WWF-Programmleiterin Hanna Simons. Als ersten Schritt fordert die Naturschutzorganisation von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, im Juni eine wirksame Bodenstrategie vorzulegen. “Der bisherige Entwurf gleicht einer Kapitulation vor dem Flächenfraß. Es fehlt jede Verbindlichkeit und Ambition, die dem Problem gerecht wird”, kritisiert Simons. Denn derzeit liegt Österreich mit einem Bodenverbrauch von im Schnitt 11,3 Hektar pro Tag (2019 bis 2021) um das Vierfache über dem “Nachhaltigkeitsziel” des Bundes für 2030. Der WWF-Bodenreport liefert dafür 18 Lösungsvorschläge, die im Zuge eines “Bodenschutz-Vertrages” von Bund, Ländern und Gemeinden umgesetzt werden sollen – darunter grundlegende Reformen in der Raumordnung, Maßnahmen gegen die Zersiedelung und für die Ökologisierung des Steuersystems.
“Die Verbauung wertvoller Grünräume befeuert die Klimakrise und das Artensterben. Ein weiter wie bisher wäre fatal”, sagt der Biodiversitätsforscher und Wissenschafter des Jahres 2022 Franz Essl von der Universität Wien. Die Bundesländer und Gemeinden seien bei der Verbauung großzügig, aber zum Beispiel bei der Einrichtung von Schutzgebieten säumig. Ohne Trendwende wäre langfristig auch die Versorgungssicherheit bedroht, da viele Böden für die Lebensmittelproduktion verloren gehen und es immer weniger Rückzugsräume für die Natur gibt. “Wir sägen am eigenen Ast”, warnt Essl. Durch die komplette Versiegelung mit Beton oder Asphalt gehen überlebenswichtige Bodenfunktionen verloren. Das erhöht das Risiko für lokale Überschwemmungen, füllt die Grundwasservorräte weniger auf und führt im Sommer zu Hitzeinseln.
Die Anzahl der großen Fachmärkte und Einkaufszentren hat sich seit dem Jahr 2000 von 112 auf über 280 erhöht und damit weit mehr als verdoppelt. Zudem liegt Österreich mit umgerechnet rund 1,5 Quadratmetern Einkaufsfläche pro Kopf auch im EU-Spitzenfeld. “Immer noch lässt die Politik neue Einkaufs- und Gewerbeparks auf der grünen Wiese zu, während die Ortszentren veröden und mit Leerständen kämpfen. Das verstärkt die Zersiedelung des ländlichen Raums und hat hohe Folgekosten für die Gesellschaft”, kritisiert WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories. “Daher braucht es strengere und vor allem verbindliche Regeln in der Raumordnung auf Bundes- und Landesebene. Denn solange Gemeinden allein über Flächenwidmungspläne entscheiden, aber dabei primär Steuereinnahmen durch eine Ausdehnung der Siedlungs- und Gewerbegebiete anstreben, wird sich das Problem nicht lösen.”
Die Länge des Straßennetzes beträgt bereits rund 128.000 Kilometer, aber weite Teile der Politik fordern immer noch neue hochrangige Straßen. “Die ständige Erweiterung des Straßennetzes versiegelt wertvolle Äcker, sabotiert den Klimaschutz und führt am Ende zu mehr Verkehr. Das ist wissenschaftlich seit Jahrzehnten belegt, dennoch fehlt bisher ein Umdenken”, kritisiert Simon Pories vom WWF. Ebenfalls falsche Anreize zum Bodenverbrauch setzen umweltschädliche Subventionen in Milliardenhöhe. Daher fordert der WWF die sofortige Vorlage eines Reform- und Abbauplans.
Der neue WWF-Bodenreport liefert aktuelle Zahlen, Beispiele aktueller Negativprojekte, die größten Problemfelder und zahlreiche Lösungsvorschläge für das Umweltproblem Flächenfraß. Die neue Ausgabe und Bildmaterial gibt es hier zum Download.
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