Begutachtungsphase endet am Mittwoch: Regelungen für Gewerbeparks und Einkaufszentren sollen auf Kosten wertvoller Böden gelockert werden – WWF fordert Fokus auf Bestand statt Neuwidmung auf der grünen Wiese
Schifffahrtsabkommen: WWF gegen geplante Wasserautobahn
Wien, am 27. Mai 2010 – Von der Lebensader zum toten Kanal: Mit der Ratifizierung des AGN-Abkommens, verpflichtet sich Österreich, seinen Anteil am europäischen Binnenwasserstraßennetz zu errichten. Teil des europaweiten Ausbauplanes ist der Donau-Oder-Elbe Kanal. Für diese künstliche Verbindung zwischen Schwarzem Meer und Nordsee würden auch 170 Kilometer der March in einen Schifffahrtskanal umgebaut. Dieser Totaleingriff in den Wasserhaushalt die March in diesem Abschnitt ökologisch zerstören. „Ein völlig überzogenes Megaprojekt gegen die Natur!“, kritisiert Gerhard Egger vom WWF. Zudem widerspricht das Kanalprojekt Österreichs Verpflichtung im Rahmen der EU Wasserrahmenrichtlinie, bis zum Jahr 2027 für einen „guten ökologischen Zustand“ aller heimischen Gewässer zu sorgen.
Das Übereinkommen über Hauptbinnenwasserstraßen von internationaler Bedeutung (AGN) aus dem Jahr 1996 legt für die Unterzeichnerstaaten fest, welche Wasserstraßen geplant und umgesetzt werden müssen. Dieses Regelwerk definiert unter anderem den Donau-Oder-Elbe-Kanal als Wasserstraße von internationaler Bedeutung. Mit der geplanten Ratifizierung des Abkommens noch vor dem Sommer würde sich Österreich zur Errichtung dieses Schifffahrtskanals um mindestens sechs Milliarden Euro verpflichten. Ein entsprechender Gesetzesantrag wurde im Mai ins Parlament eingebracht.
Obwohl das Gesetzesvorhaben einen gravierenden Eingriff in die Flusslandschaft von Donau und March bedingt, befasst sich nur der Verkehrsausschuss des Parlaments damit. Das Vorhaben widerspricht dabei der geltenden EU-Wasserrahmenrichtlinie. Selbst in der Stellungnahme des Lebensministeriums vom Mai 2009 wird auf den Interessenskonflikt mit der Ökologie hingewiesen.
Die Idee, die Flüsse Donau, Oder und in weiterer Folge Elbe zu einem künstlichen Kanal zu verbinden, ist über 300 Jahre alt. „Unzählige Konzepte, Studien und Varianten wurden dazu in den letzten Jahrzehnten produziert und sind wieder in den Schubladen verschwunden“, so Egger. „Nun soll das Kanalprojekt auf Basis des völlig veralteten AGN-Regelwerks mit EU-Millionen eine Renaissance erleben“, schüttelt Egger den Kopf. Das BMVIT soll diesen unausgegorenen Vorstoß zurückziehen, bevor sich Österreich zur Verschwendung von Millionen verpflichtet!“
Insgesamt 170 Kilometer der March-Auen, davon 60 auf österreichischem Gebiet, müssten für dieses Projekt in einen Schifffahrtskanal umgebaut werden. Insgesamt würde die transeuropäische Wasserstraße 61 Schutzgebiete in fünf Ländern mit einer Gesamtfläche von 400.000 Hektar ökologisch massiv beeinträchtigen.
Die Donau-March-Thaya-Auen stehen seit 1990 aufgrund des geplanten Kanalprojekts auf der Liste gefährdeter Ramsar-Gebiete. Das Ramsar-Prädikat kennzeichnet Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250
Gerhard Egger, WWF-Projektleiter March-Thaya-Auen, Tel. 01/488 17 272
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Energiekrise: WWF fordert Spritverbrauchsbremse
Aktuelle Stellungnahme zur geplanten Mineralölsteuer-Senkung – Umweltschutzorganisation fordert Energiespar-Programme und Offensive für öffentliche Verkehrsmittel, um hohe Erdölabhängigkeit zu reduzieren
Ostern ohne bitteren Beigeschmack: WWF fordert entwaldungsfreie Lieferketten für Schokolade
Kakao-Anbau setzt Regenwälder unter Druck – Klimakrise treibt Preise an – WWF plädiert für nachhaltigen Konsum zu Ostern und fordert bessere Rückverfolgbarkeit für Kakaoprodukte
Trockenheit im Seewinkel: WWF warnt vor Lebensraumverlust für Zugvögel
Rückkehr der Zugvögel im März – WWF warnt vor dramatischem Verlust der salzhaltigen Lacken im Seewinkel – Säbelschnäbler besonders betroffen
Konferenz zum Schutz wandernder Tierarten: WWF fordert sichere Routen
Jede vierte wandernde Tierart akut bedroht – WWF fordert grenzüberschreitende Schutz-Korridore – Besonderer Fokus auf Jaguaren und Meeresarten
Winterbilanz Wald: WWF warnt vor Trockenheit und schwierigem Waldjahr 2026
Waldböden zu Frühlingsbeginn vielerorts zu trocken, Wasserspeicher erschöpft – WWF fordert mehr Wasserrückhalt und Renaturierung im Wald
WWF kritisiert Spritpreis-Populismus der Bundesregierung
Umweltschutzorganisation fordert Sofortmaßnahmen für klimafreundliche Mobilität und schrittweisen Ausstieg aus Öl und Gas: Klimaticket vergünstigen, öffentliche Verkehrsmittel ausbauen, Strukturreformen beschließen
WWF-Zählung: Gefährdete Monarchfalter erholen sich trotz anhaltender Bedrohungen
Naturschauspiel: Monarchfalter wandern 4.000 Kilometer in den Süden – Schmetterlingsmigration trotzt Herausforderungen, aber Lage weiterhin fragil
Good News: Nestor ist ältester bekannter Seeadler in Österreich
Ein Wiedersehen der besonderen Art gab es kürzlich im Burgenland: Der Seeadler „Nestor“ wurde 15 Jahre nach seiner Beringung durch den WWF erneut gesichtet. Er gilt hierzulande als ältester bekannter Seeadler.












