Naturschutzorganisation warnt vor immer neuen Eingriffen durch Gletscherschwund – Land Tirol soll Ausnahmen einschränken und verbindliche Ausbaugrenzen festlegen
Gelsenprojekt Marchauen: Umweltanwaltschaft leitet Prüfung ein
Wien, Marchegg, am 7. Juli 2011 – Seit dem heurigen Frühjahr läuft in den March-Thaya-Auen ein großflächiges Projekt, um die Belastung der Anrainer durch Gelsen zu reduzieren.
Am 7. Juni hat der niederösterreichische Umweltanwalt Professor Rossmann, eine Prüfung dieses Gelsenprojekts beantragt. Dem Vernehmen nach hat der Regionalverband March-Thaya-Auen als Projektbetreiber die behördlichen Auflagen nicht eingehalten, und muss nun die Naturverträglichkeit mit einem entsprechenden Projektkonzept nachweisen.
Für den WWF steht außer Frage, dass man im Siedlungsbereich entsprechende Maßnahmen ergreifen könne, niemals jedoch dürfen Umweltgifte ohne genaue Planung und ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen flächendeckend ausgebracht werden. „Den Vorwurf des Regionalverbands, dass der WWF das Projekt zu Fall bringen will, weisen wir entschieden zurück“ stellt Gerhard Egger, WWF-Projektleiter March-Thaya-Auen, klar. „Wir lassen uns die offensichtlichen Fehler der Betreiber und der Behörde nicht in die Schuhe schieben.“
Einem Schreiben der niederösterreichischen Umweltanwaltschaft zu Folge, muss das Projekt zur Gelsenregulierung jetzt naturschutzrechtlich geprüft werden. Die zuständige Landesbehörde hätte bereits 2009 prüfen müssen, was jedoch verabsäumt wurde.
Niederösterreichisches Naturschutzgesetz: Projekt muss genehmigt werden
Die Rechtslage ist für derartige Vorhaben und Projekte eindeutig. Selbst für eine einfache Vogel- oder Amphibienzählung, oder für die Befischung seltener Fischarten muss eine naturschutzrechtliche Genehmigung vorliegen „Uns ist unverständlich, dass die Behörde gerade bei einem potentiell gefährlichen Großvorhaben mit Umweltgiften wie diesem, keine Prüfung durchgeführt hat, obwohl das rechtlich erforderlich ist“, sagt Egger vom WWF. „Auch den Gemeinden und den Anrainern sollte es doch wichtig sein, dass man hier mit größtmöglicher Vorsicht handelt.“
Einsatz von Umweltgiften kann das ganze Ökosystem verändern
Die Hauptkritikpunkte des WWF am laufenden Projekt liegen vor allem im sorglosen und schlecht durchdachten großflächigen Einsatz des Umweltgiftes BTI. „Wie bei jedem Einsatz von Giftstoffen ist Umsicht und sparsame Dosierung dringend angeraten“, erklärt Egger. Bei falscher Dosierung kann die Substanz beim Menschen Allergien auslösen, sensible Amphibien- und Fischarten beeinträchtigen, und zudem die Fressfeinde der Gelsen schädigen. „Man darf nicht vergessen, dass auch Fische, Amphibien, Urzeitkrebse, Fledermäuse und Schwalben, die sich von Insekten wie den Gelsen ernähren, durch das Gift dezimiert werden können“, erinnert Egger. „Bei einem schlecht geplanten Einsatz kann der Schuss nach hinten losgehen und wir haben in Zukunft noch mehr Gelsen!“
WWF fordert Aussetzen des großflächigen Gifteinsatzes, bis Prüfung vorliegt
Für den WWF liegt der Ball nun klar beim Regionalverband, der das Projekt entsprechend genehmigungsfähig zu planen und sich an die Vereinbarungen zu halten hat. „Die Landesbehörden müssen das 400.000 Euro-Projekt umgehend prüfen“, fordert Egger. Bis das Ergebnis vorliegt sollte keine großflächige Ausbringung erfolgen, so der WWF.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Finn ist neuer WWF-Naturschutzhund
Der 5-jährige Rüde hilft mit seiner Spürnase dabei, Fälle von Wildtierkriminalität aufzudecken. Er gilt als besonders ausgeglichen und arbeitsfreudig.
Neuer WWF-Spürhund Finn soll illegale Wildtiertötungen aufdecken
Schäferhund-Mischling unterstützt Polizei-Ermittlungen durch Suche nach Tierkadavern und Giftködern – Einsätze vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark
WWF-Analyse: Zu wenig Bodenschutz bei neuen Betriebsgebieten
Bodenschutz bei Betriebsgebieten: Alle neun Bundesländer fallen im WWF-Check durch – Täglich fast zwei Fußballfelder zusätzlich beansprucht – WWF fordert Ende des Wildwuchses – LÄNDER-ZEUGNIS im Detail
Weltnaturkonferenz: WWF warnt vor Verfehlen der 2030-Ziele
Globale Halbzeitbilanz zeigt unzureichende Umsetzung – WWF fordert wirksame Maßnahmen und gesicherte Finanzierung, auch in Österreich – COP17-Konferenz startet am Montag
Klimastreik: WWF fordert Notfall-Programm für Klima und Natur
Umweltschutzorganisation verlangt verbindliches Klimagesetz und wirksamen Renaturierungsplan – Natürliche Schutzmaßnahmen stärken, fossile Großprojekte stoppen
Sanierungsoffensive: WWF sieht zu wenig Schub für die Wärmewende
Umweltschutzorganisation bewertet Regierungspaket als „sinnvollen, aber zu schwachen Impuls“ – WWF fordert mehrjährige Sanierungsförderung und verbindlichen Zeitplan für fossilen Heizungsausstieg
WWF: Nationaler Renaturierungsplan lückenhaft und ambitionslos
Zum Ende der Begutachtung: Zentrale Maßnahmen fehlen, Finanzierung ungeklärt – Weitreichende Ausnahmen bei Stadtbegrünung – WWF fordert grundlegende Überarbeitung
WWF-Städtecheck: Große Lücken bei Stadtbegrünungsplänen
14 Städte untersucht: Planungslücken bei Maßnahmen, Finanzierung und Erfolgskontrolle – WWF fordert langfristige Begrünungsplanung und mehr Unterstützung durch Bund und Länder












