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Harry-Potter-Wespen, Vampirfledermäuse, Chamäleon-Frösche und Riesenschrecken
WWF Presseaussendung
Bangkok/Wien, 27. Mai 2015 – Eine Vampir-Fledermaus mit riesigen Fangzähnen, ein dorniger Frosch, der seine Farbe je nach Tages- oder Nachtzeit und je nach Stimmung wechselt, und eine Wespe, die ihre Opfer mit einem Nervengift lähmt und bei lebendigem Leib aussaugt. Auch das zweitgrößte Insekt der Welt, eine Stabheuschrecke mit mehr als einem halben Meter Länge, ist darunter – es sind Wesen wie aus Fantasy-Filmen, die der WWF-Bericht „Magical Mekong“ jetzt vorstellt. In dem heute veröffentlichten Report der Naturschutzorganisation sind 139 Arten gelistet, die Forscher im Jahr 2014 in der südostasiatischen Mekong-Region neu entdeckt haben. Und viele der bis dahin unbekannten Erden-Bewohner sind laut WWF jetzt schon stark bedroht.
„Einige dieser Tiere und Pflanzen könnten direkt einem Märchenbuch entsprungen sein und zeigen, wie kreativ und magisch Evolution abläuft“, sagt die zuständige WWF-Referentin Kathrin Hebel. Der besonderen „Magie“ zollten die Forscher auch bei der Namensgebung Tribut. So benannten sie eine Wespenart, die ihre Beute mit einem Stich betäubt und dann bei lebendigem Leibe aussaugt, mit Ampulex dementor nach den berüchtigten, Seelen-aussaugenden Dementoren aus der Harry-Potter-Reihe.
„Die Mekong-Region ist eine der letzten weitgehend unerforschten Ecken der Erde, ein Hotspot der biologischen Vielfalt“, so Hebel. Doch die WWF-Expertin zeigt sich bei aller Begeisterung vor allem besorgt: „Zahlreiche Arten drohen zu verschwinden, bevor sie überhaupt entdeckt werden. Der Bau von Straßen, großen Stauanlagen und schnell wachsenden Städten bedrohen die Artenvielfalt am Mekong.“
Nach WWF-Angaben mussten in Südostasien seit 1990 jährlich 2,7 Millionen Hektar Wald den Monokulturen riesiger Plantagen weichen. Außerdem sollen rund 150 neue Wasserkraftwerke entstehen. Bereits heute finden sich 70 Prozent der nur hier vorkommenden Säugetierarten auf der Roten Liste, darunter der Indochinesische Tiger oder der Asiatische Elefant. Das letzte Java-Nashorn auf dem asiatischen Festland wurde 2011 in Vietnam gewildert. Auch die 139 Neuentdeckungen könnten bald für immer verschwunden sein.
Ziel ist es, so die WWF-Forderung, biologisch wertvolle Gebiete am Mekong grenzüberschreitend und dauerhaft zu schützen, sowie die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen. Gesunde und intakte Ökosysteme kommen dabei auch der dort lebenden Bevölkerung zugute. So werden viele der geplanten Staudämme nicht nur die Artenvielfalt bedrohen, sondern auch die Ernährungssicherheit in Laos, Kambodscha und Vietnam gefährden.
Unter den Neuentdeckungen 2014 finden sich 90 Pflanzen, 23 Reptilien, 16 Amphibien, 9 Fische und ein Säugetier. Die große Mekong-Region erstreckt sich über Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam und Chinas südwestliche Provinz Yunnan. Seit 1997 wurden hier mehr als 2.200 neue Arten wissenschaftlich beschrieben – im Durchschnitt drei neue Arten pro Woche. In dem Bericht finden sich diesmal u. a.
Phryganistria heusii yentuensis – Trotz ihrer Größe konnte sich die Stabheuschrecke bis heute vor dem menschlichen Auge verstecken. Mit über einem halben Meter ist sie das zweitlängste Insekt der Welt.
Ampulex dementor – Die Wespe wurde durch eine Abstimmung unter den Besuchern des Berliner Naturkundemuseum nach Figuren aus den Harry-Potter-Bücher benannt. Die Wespe lähmt mit Gift ihre Beutetiere und verschlingt sie dann bei lebendigem Leibe.
Gracixalus lumarius – Die Frösche präsentieren sich in einer besonderen Kombination aus Rosa und Gelb – zumindest in der Nacht. Tagsüber verblasst ihr gelber Rücken zu einem stumpfen Braunton. Warum und wie der Frosch die Farbe ändert, ist bisher nicht bekannt.
Hypsugo dolichodon – Die Fledermaus mit ihren langen, furchterregenden Fangzähnen mag an einen Vampir erinnern und uns einen Schrecken einjagen, trotzdem hat sie mehr Grund den Menschen zu fürchten als umgekehrt. Ihr Lebensraum in Laos ist durch Infrastrukturprojekte bedroht.
Tylototriton shanorum – Die neuentdeckte Amphibienart aus der Gattung der Krokodilmolche ist bereits kurz nach ihrer Entdeckung durch die Sammelwut von falschen Tierliebhabern bedroht. Die Nachfrage auf dem internationalen Heimtiermarkt nach neuen und möglichst seltenen Arten boomt. Es wurden bereits zwei Vertreter von Tylototriton shanorum in asiatischen Zoohandlungen entdeckt.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231, Email: franko.petri@wwf.at
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