Vollversammlung der internationalen Meeresbodenbehörde startet am Montag in Jamaika – Massiver Druck könnte Moratorium gefährden – WWF fordert das Verhindern einer Umweltkatastrophe
Dreister Giftanschlag auf geschützte Kaiseradler
Wien, am 3. September 2010 – Am 20. August fand ein Landwirt auf seinem Acker bei Goldgeben im Weinviertler Bezirk Korneuburg zwei tote Kaiseradler. Der zuständige Jagdleiter erstattete sofort Anzeige bei der Polizei und leitete eine wissenschaftliche pathologische Untersuchung der Kadaver beider Vögel zur Feststellung der Todesursache ein. Diese Untersuchung der Adler am Wiener Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien ergab, dass die Tiere mit dem Pestizid Carbofuran vergiftet wurden. "In den Kröpfen der Vögel steckten noch Reste des Giftköders“, erklärt Christian Pichler vom WWF. Obwohl das Nervengift seit 2008 verboten ist, horten Giftleger offenbar noch genügend Lagerbestände, um weiterhin illegal Anschläge auf seltene Wildtiere zu verüben," vermutet Pichler.
Der imposante Kaiseradler ist die seltenste heimische Adlerart, und sogar in seinem Weltbestand gefährdet. In ganz Österreich leben nur sechs Paare, drei davon in Niederösterreich. Dazu kommen noch herumstreifende Individuen, die sich bei uns dauerhaft ansiedeln wollen. Die im Weinviertel vergifteten Adler zählten zu diesen und waren sechs Jahre alt.
Für die Vogelschutzorganisation BirdLife bedeutet der Verlust dieser beiden Kaiseradler einen herben Rückschlag. „Es überleben ohnehin nur drei von zehn Jungadlern ihre ersten Jahre – die übrigen sterben, bevor sie mit fünf Jahren das erste Mal brüten könnten“, erklärt Gabor Wichmann von BirdLife Österreich. „Bei dieser seltenen Art zählt für uns jedes einzelne Individuum, damit wir langfristig überlebensfähige Bestände aufbauen können.“ Erst 2008 hatte man sich über den erste Kaiseradlerbrut in Niederösterreich nach etwa 200 Jahren gefreut.

Die ursprünglichen Lebensräume dieser Vögel sind weite, offene Steppenlandschaften. Heutzutage bewohnt der Kaiseradler in Europa landwirtschaftlich genutzte Flächen, die ausreichend Brachflächen besitzen. Er benötigt eine hohe Dichte an Beutetieren zumeist Feldhase, Hamster, Fasan oder Tauben. Das Fehlen hoher und dementsprechend zumeist alter Bäume mit großer Krone stellt in der heutigen Ackerlandschaft ein weiteres Problem dar.
„Für die Jägerschaft stellt der Kaiseradler eine wertvolle Bereicherung der heimischen Artenvielfalt dar“, sagt Peter Lebersorger von der Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände. „Wir verurteilen die illegale Tat scharf und sind an einer raschen und vollständigen Aufklärung interessiert“, so der Generalsekretär. Seit 2004 engagieren sich der WWF und der NÖ Jagdverband gemeinsam gegen das illegale Auslegen von Giftködern gegen Wild- und Haustiere. Obwohl die Giftanschläge seither deutlich zurückgegangen sind, gefährden Einzelfälle immer wieder massiv ambitionierte Artenschutzbemühungen. So wurden seit dem Jahr 2000 insgesamt acht Seeadler- und vier Kaiseradler vergiftet.
Teil des Kaiseradler-Schutzprojektes von BirdLife ist die individuelle Kennzeichnung von Jungvögeln durch Ringe. Dadurch lässt sich auch das Schicksal eines der beiden bei Goldgeben gefundenen Adler verfolgen. Der Jungvogel schlüpfte in einem Horst in Ungarn direkt an der Grenze zu Österreich. Er wurde 2005 beringt und besendert. Das Tier verließ seine Heimat, um durch Westungarn, Ostösterreich, die Westslowakei und Südosttschechien und sogar bis an die Grenze zu Dänemark zu fliegen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass unverantwortliche Einzelpersonen internationale Schutzbemühungen zunichte machen“, so Gabor Wichmann von BirdLife. „Wir werden deshalb auch in Zukunft verstärkt daran arbeiten, dass man den Wert von Naturjuwelen wie dem Kaiseradler nicht verkennt.“
Weitere Informationen:
Claudia Mohl, WWF Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250
E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Bettina Klöpzig, BirdLife Pressesprecherin, Tel. 0699 181 555 65, E-Mail: bettina.kloepzig@birdlife.at
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