Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
Energiewirtschaftliche Analyse stellt Platzertal-Speicher in Frage
Dass der Ausbau des geplanten Tiwag-Kraftwerks Kaunertal massive Naturzerstörung zur Folge hätte, gestehen selbst Befürworter ein – doch sie argumentieren mit der angeblichen Alternativlosigkeit. Dieses Argument entkräftet nun eine Analyse des Energieexperten Jürgen Neubarth im Auftrag des WWF Österreich: Demnach ist das Herzstück des Kaunertal-Ausbaus, der enorme Pumpspeicher samt Staudamm im Platzertal, weder energiewirtschaftlich notwendig, noch dazu geeignet, die Winterlücke bei den Erneuerbaren Energien zu verringern. „Die Tiwag benutzt das öffentliche Interesse an der Energiewende als Totschlagargument, um den naturzerstörerischen Ausbau des Kaunertal-Kraftwerks durchzuboxen”, kritisiert Bettina Urbanek vom WWF. “Doch die neue Untersuchung zeigt, dass gerade der Pumpspeicher im Platzertal, für den große Moor-Feuchtgebietsflächen zerstört werden würden, nicht alternativlos ist.” Der WWF fordert daher von der Tiroler Landesregierung den Stopp des Projekts, eine unabhängige Überprüfung technischer und naturverträglicher Alternativen zum Bau des Pumpspeichers sowie die Ausweisung des Platzertals als Naturschutzgebiet.
Bereits hohe Pumpspeicher-Kapazitäten vorhanden
Ende 2021 gab es in Österreich Speicherkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von rund 4.800 Megawatt und Pumpspeicherkraftwerke mit rund 4.100 Megawatt. “Das ist im europäischen Vergleich sehr hoch”, erklärt Energieexperte Jürgen Neubarth. „Österreich hat gemessen an der bis 2030 zu erwartenden Windkraft- und PV-Leistung bereits so hohe Pumpspeicherleistungen, dass zumindest kurz- bis mittelfristig kein weiterer Ausbau erforderlich ist.“ Zudem sind aktuell bereits fünf weitere Pumpspeicherkraftwerke mit rund 1.100 Megawatt Leistung im Bau und befinden sich weitere Anlagen in Planung oder im Genehmigungsverfahren.
Gleichzeitig werden beim Thema Netzstabilität neben Pumpspeicherkraftwerken kaum alternative Maßnahmen und Technologien berücksichtigt, wie etwa Batteriespeicher, der Ausbau der Netze oder neue flexible Verbraucher wie Elektroautos. “Pumpspeicher sind nur ein Baustein zur Integration der schwankenden Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Österreich”, sagt Jürgen Neubarth. „Der Ausbau der Stromerzeugung aus Windkraft und Photovoltaik darf also nicht automatisch in einen unmittelbaren Mehrbedarf an Pumpspeicherkapazitäten in Österreich übersetzt werden.”
Konzept des Platzertal-Speichers veraltet
Eine Grundanforderung an die Naturverträglichkeit von Pumpspeichern ist, dass so wenig Natur wie möglich zerstört wird. „Aus diesem Grund schaffen die meisten Betreiber vor allem dort Pumpspeicherkapazitäten, wo bereits zwei Speicherseen vorhanden sind”, erklärt Experte Jürgen Neubarth. Das geschieht etwa bei den Kraftwerken Limberg III und Tauernmoos, oder dem Obervermuntwerk II und dem Lünerseewerk II. “Diese Beispiele zeigen, wie man Pumpspeicherkapazitäten in Österreich naturverträglich ausbauen kann”, erklärt Bettina Urbanek vom WWF. “Und sie zeigen, wie veraltet die Pläne der Tiwag zum Ausbau des Kaunertal-Kraftwerks sind.”
Pumpspeicher könnte Winterlücke sogar verschärfen
Ein weiteres Problem droht im Zusammenhang mit der sogenannten „Winterlücke“: “Wasserkraftwerke produzieren im Winter weniger Strom, weil weniger Wasser verfügbar ist als im Sommer. Mit saisonalen Speichern – wie etwa dem bestehenden Gepatsch-Speicher im Kaunertal – wird deshalb im Sommer Wasser für den Winter zurückgehalten”, erklärt Bettina Urbanek. “Das geplante Pumpspeicherkraftwerk im Platzertal könnte diesen Beitrag zur saisonalen Verschiebung jedoch verringern, da ein Teil des Gepatsch-Speichers für den Pumpbetrieb reserviert werden müsste und damit nicht mehr für eine saisonale Speicherung zur Verfügung stünde.”
Die vollständige Analyse und Fotomaterial zum Platzertal finden Sie hier.
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect
WWF: Neue Hoffnung für den Tiger – Laos startet nationalen Aktionsplan zur Rückkehr der Großkatzen
Nur mehr rund 5.500 Tiger in freier Wildbahn – Neuer Zehn-Jahres-Plan zur Aufwertung der Tiger-Lebensräume in Laos beschlossen – WWF vor Ort zur Umsetzung im Einsatz
WWF zum Natura 2000-Tag: Neue EU-Daten zeigen schlechte Lage der Biodiversität in Österreich
Aktuelle FFH-Datensätze: 81 Prozent der geschützten Arten und 77 Prozent der Lebensräume in keinem günstigen Zustand – WWF fordert größere und bessere Schutzgebiete
WWF zur Inflation: Fossile Energien sind zentraler Preistreiber
Ein Drittel der Teuerung geht auf höhere Treibstoff- und Heizölpreise zurück – WWF fordert mehr Energieeffizienz, Abbau umweltschädlicher Subventionen und naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien – Spritpreisbremse nahezu wirkungslos
WWF zu EABG-Verhandlungen: Regierung muss ihren Entwurf grundlegend verbessern
Naturschutzorganisation kritisiert mangelnde Kompromissbereitschaft der Koalition und fordert klare Verbesserungen bei Naturverträglichkeit










