22 besenderte Greifvögel liefern wertvolle Daten für den Artenschutz – Erste markierte Seeadler brüten mittlerweile in drei Nachbarländern – Rund 90 Paare leben wieder in Österreich
Europa fischt sich leer: EU setzt Kollapspolitik fort
Hamburg/Wien, 13. Juli 2011 – Wie schlimm steht es wirklich um die Fischerei und die Meere Europas? Werden die Einschnitte durch die kommende EU-Fischereireform Arbeitsplätze in der Fischereiindustrie vernichten? Zahlt der Steuerzahler trotz akuter Überfischung weiter für eine Aufrüstung der Fischereiflotte? Der heute veröffentlichte WWF Report “Mythen und Fakten über die GFP” gibt Antworten auf drängende Fragen zur Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik in Europa und betont die Notwendigkeit eines kräftigen Kurswechsels. Heute Mittwoch stellt die EU-Kommission in Brüssel ihren Entwurf für weitere zehn Jahre EU-Fischereipolitik vor. “Es ist ein Mythos, dass sich die Situation der Fische bessert. Aber es ist ein Fakt, dass es ohne Fisch keine Zukunft für Europas Fischer geben wird”, sagt WWF-Meeresexperte Georg Scattolin. “Diese Reform muss der Überfischung und skandalösen Fischverschwendung jetzt ein Ende setzen.”
Derzeit sind drei von vier der untersuchten Fischbestände in Europa überfischt. Die Fischfangflotte ist zwei bis drei Mal größer, als für eine nachhaltige Fischerei verträglich wäre. Kein Wunder, dass zwischen 1998 und 2008 die in den europäischen Häfen angelandeten Fänge um 30 Prozent zurückgegangen sind. Die Verschwendung von Fisch ist im derzeitigen System vorprogrammiert: Die Politik vereinbart Höchstfangmengen, kontrolliert aber nicht auf See, was dem Meer entnommen wird, sondern erst das, was die Fischer im Hafen als Fang anlanden. Bis zu 60 Prozent der Fänge werden jedoch unregistriert wie “Müll” ins Meer zurückgeworfen. Der WWF fordert daher wissenschaftsbasierte Fangquoten und deren Kontrolle bereits an Bord durch Kameras oder Beobachter. Auch selektivere Fangtechniken und ein Aussetzen der Fischerei in bestimmten Gebieten etwa zu Laichzeiten müssen nach Einschätzung der Umweltstiftung in der anstehenden Reform festgeschrieben werden.
Die Zukunft der Fischerei in Europa sieht düster aus, wenn die Fischbestände schwinden, die wirtschaftliche Lage prekär bleibt und die hohe Abhängigkeit von Subventionszahlungen nicht beendet werden kann. Zwischen 1998 und 2007 ging ein Drittel der Arbeitsplätze in Europas Fangsektor verloren – damals haben die Fischereiminister die wissenschaftlichen Empfehlungen gründlich missachtet und viel höhere Fangmengen erlaubt als die Fischbestände ertrugen. Im Schnitt der letzten fünf Jahre lagen die politisch festgesetzten Quoten noch um 45 Prozent über den Empfehlungen der Wissenschaftler. “Wer systematisch Ressourcen verschwendet, ruiniert die Geschäftsgrundlage – und hat dazu noch die Umweltfolgen geplünderter Meere zu verantworten”, warnt Scattolin.
Laut WWF-Report halten versteckte Subventionen im System das Problem der Flottenüberkapazität und damit die Überfischung am Leben. Seit 2004 werden zwar keine öffentlichen Gelder mehr für den Neubau von Fangschiffen eingesetzt. Dennoch gibt es Subventionen für die Verbesserung der Energieeffizienz und anderer Modernisierungen an Bord. So schrumpfte die EU-Flotte zwischen 2007 und 2009 um sieben Prozent, die technologische Aufrüstung konnte damit aber gerade ausgeglichen werden. Energieeffizientere Schiffe bedeuten quasi eine Erhöhung der Fangkapazität, denn sie können weiter und länger fahren und damit mehr fischen. “Flottenabbau und Subventionsstopp gab es nur auf dem Papier”, sagt Scattolin vom WWF. “Der Druck auf die Fischbestände wird durch die Leistungssteigerung der Schiffe und die Treibstoffsubventionen unverändert aufrechterhalten. Es ist die Fortführung des Kollapsprogramms mit bürokratischen Mitteln.”
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231 oder Email: franko.petri@wwf.at. WWF-Report zum Download auf www.wwf.at/presse.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Wasserkrise in der Lobau: Eines der größten Gewässer erstmals im Frühjahr geteilt
Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau
Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Neuer Bericht zeigt dramatisches Ausmaß illegaler Verfolgung geschützter Arten – BirdLife Österreich und WWF Österreich fordern nationalen Aktionsplan
Neuer Entwurf für Isel-Schutzgebiet verfehlt EU-Vorgaben
Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect
WWF: Neue Hoffnung für den Tiger – Laos startet nationalen Aktionsplan zur Rückkehr der Großkatzen
Nur mehr rund 5.500 Tiger in freier Wildbahn – Neuer Zehn-Jahres-Plan zur Aufwertung der Tiger-Lebensräume in Laos beschlossen – WWF vor Ort zur Umsetzung im Einsatz













