Hoffnung für eine stark bedrohte Art: Durch Schutzmaßnahmen leben wieder 6.487 Spitzmaulnashörner in Südafrika. Vor allem Lebensraumverlust und Wilderei sind eine große Gefahr.
Gewinner und Verlierer 2014
Wien, 22. Dezember 2014 – Für Elefanten, Nashörner, Walrosse, Bonobos und Äschen war 2014 laut WWF-Bilanz kein gutes Jahr. Wilderei, Lebensraumverlust, Klimawandel und Übernutzung – das alles setzte diesen Tierarten und mit ihnen der gesamten biologischen Vielfalt weltweit enorm zu. Der „Living Planet Report 2014“ des WWF zeigt, dass sich im Durchschnitt die Zahl der untersuchten Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische seit den 1970er Jahren halbiert hat.
Doch es gibt auch positive Nachrichten: Blauwal und Tiger profitieren von Schutzgebieten. Der Bestand des Wisents zeigt dank Auswilderungen nach oben und der einst verschwundene Bartgeier etabliert sich zunehmend im Alpenraum. „Diese Beispiele zeigen, dass der Mensch nicht nur das Problem verursacht, sondern auch die Lösung in den Händen hält“, sagt Andrea Johanides, Geschäftsführerin des WWF Österreich. „Als reiche Industrienation sollten wir Vorbild für andere Länder sein. Es gilt, Landwirtschaft und Verkehr nachhaltiger auszurichten und sensible Ökosysteme wie unsere letzten intakten Flüsse wirksamer zu schützen“, unterstreicht Johanides.
Verlierer 2014:
Afrikanischer Elefant: In den vergangenen drei Jahrzehnten haben sich die Bestände der afrikanischen Elefanten auch dank der Arbeit des WWF deutlich erholt. Doch der aktuell enorme Anstieg der Wilderei gefährdet diese Erfolge. Alleine seit Anfang des heurigen Jahres wurden mindestens 20.000 Elefanten Opfer skrupelloser Krimineller, die es auf ihre Stoßzähne abgesehen haben. Die Wilderei liegt damit seit 2010 zum vierten Mal in Folge höher als die natürliche Reproduktionsrate der Elefanten, sodass einzelne Populationen vom Aussterben bedroht sind.
Nördliches Breitmaulnashorn: Der Bestand des vom Aussterben bedrohten Nördlichen Breitmaulnashorns hat sich weiter verringert. Mit dem Nashornbullen Suni starb 2014 in Kenia das wahrscheinlich weltweit letzte fortpflanzungsfähige Männchen dieser Nashorn-Unterart. Damit gibt es nur noch sechs Nördliche Breitmaulnashörner auf der Erde.
Walross: Ende September kam es in Alaska zu einem ungewöhnlichen Schauspiel, das die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels auf die Arktis zeigte: Auf einem Strand lagen – dicht an dicht – 35.000 Walrösser. Normalerweise ruhen sich die Tiere auf Eisschollen aus. Weil sich das Packeis der Arktis 2014 stärker zurückgezogen hat als bisher, mussten sie notgedrungen auf das Festland ausweichen.
Bonobo: Wie bei vielen anderen Menschenaffen ist auch der Lebensraum der Bonobos von Abholzung und die Tiere durch Wilderei bedroht. Der Salonga-Nationalpark in Afrika gilt als letzter sicherer Zufluchtsort für diese friedliebenden Affen. Doch immer mehr gut organisierte Wilderer-Banden dringen in den Nationalpark ein und schlagen aus dem Handel mit Bonobo-Fleisch oder Bonobo-Waisenkindern Profit. Bald könnte der Zugang zu dem fast unberührten Gebiet noch leichter werden: Die kongolesische Regierung hat für einen Teil des Nationalparks Konzessionen zur Förderung von Erdöl vergeben.
Äsche: Auch in unseren Breiten setzt die zunehmende Zerstörung ihres Lebensraumes den bedrohten Arten zu. Die für ihren thymianartigen Geruch bekannte Fischart gehört zu den Lachsartigen. Zum Laichen benötigen Äschen seichte Kiesbänke, die wegen der zunehmenden Verbauung unserer Flüsse immer seltener werden. So wurde heuer am Inn im schweizerisch-österreichischen Grenzgebiet mit dem Bau ein neues Wasserkraftwerks begonnen, ein weiteres an der Ybbs genehmigt. Der rasante An – u. Abstieg des Wasserspiegels durch den kraftwerksbedingten Schwall hat desaströse Auswirkungen auf die natürliche Fortpflanzung dieser Flussfischart, die in Österreich nur mehr durch künstlichen Besatz überleben kann.
Gewinner 2014:
Blauwal: Die größte Blauwal-Population der südlichen Hemisphäre bekommt mehr Schutz. Chiles Regierung hat vor der Küste des Landes ein 70.000 Hektar großes Schutzgebiet eingerichtet. Mehrere Hundert Blauwale kommen jedes Jahr im Golf von Corcovado zusammen, um ihre Jungen aufzuziehen. Seit 2005 setzt sich der WWF für das Schutzgebiet ein. Weltweit gibt es maximal 25.000 Blauwale, nur etwa 1.400 leben auf der Südhalbkugel.
Tiger: Heute leben noch etwa 3.200 Tiger in 13 Staaten Asiens, weniger als 300 davon in Thailand. Wilderei, illegaler Handel und Lebensraumverlust vor allem durch große Straßen- und Dammprojekte, haben den „König des Dschungels“ an den Rand der Ausrottung gebracht. Der WWF hat sich zum Ziel gesetzt, die Anzahl der wildlebenden Tiger bis 2022 zu verdoppeln. Erste Erfolge gibt es in Nepal, wo der Bestand des Indischen Tigers um 63 Prozent zugenommen hat. Auch im WWF-Projekt an der thailändisch-burmesischen Grenze freute man sich heuer erneut über Nachwuchs.
Mantarochen: Zwei 2014 getroffene internationale Regelungen des „Washingtoner Artenschutzübereinkommens“ und der „Bonner Konvention“ sollen zum besseren Schutz der imposanten Fische, die vor allem wegen der großen Nachfrage in der traditionellen chinesischen Medizin stark bedroht sind, beitragen. Mantarochen können bis zu neun Meter lang werden. Sie sind besonders empfindlich gegenüber Überfischung, weil sie sich nur jedes zweite Jahr vermehren und dann meist nur ein Junges bekommen.
Wisent: Auf Initiative des WWF und der Organisation "Rewilding Europe" wurden heuer im Mai 20 Europäische Wisente in den rumänischen Karpaten freigelassen. Die Großrinder sollen in den Tarcu-Bergen, wo auch Bären und Wölfe vorkommen, eine neue Heimat finden. Das ehrgeizige Wiederansiedlungsprojekt soll zum langfristigen Überleben der Art, die 200 Jahre lang ausgestorben war, beitragen. Insgesamt gibt es noch 3.400 Wisente in freier Natur.
Bartgeier: Auch ein heimisches Wiederansiedlungsprojekt meldet heuer Erfolge: 2014 gab es wieder Nachwuchs beim Bartgeier im Nationalpark Hohe Tauern in Salzburg und Kärnten. Österreich hält nun bei einem Rekordbestand von 24 „Knochenbrechern“ mit ihren bis zu drei Metern Flügelspannweite. Die Hoffnungen der Begründer des Rettungsprojekts für den ehemals ausgestorbenen Bartgeier, darunter der WWF, haben sich erfüllt.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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