Kampagnen-Auftakt: Aufschrei für Auenparadies March-Thaya

11. Juni 2010 | Presse-Aussendung

Wien, am 11. Juni 2010 – Am Höhepunkt des Biodiversitätsjahres 2010 startet der WWF heute eine Kampagne für die Rettung der March-Thaya-Auen. Mindestens 100 Arten werden aussterben, wenn diese wertvolle Flusslandschaft im Osten Niederösterreichs an der Grenze zu Tschechien und der Slowakei weiterhin ungeschützt bleibt! Eine Flut an Bedrohungen wie die geplante sechsspurige S8-Schnellstraße oder […]
March

Wien, am 11. Juni 2010 – Am Höhepunkt des Biodiversitätsjahres 2010 startet der WWF heute eine Kampagne für die Rettung der March-Thaya-Auen. Mindestens 100 Arten werden aussterben, wenn diese wertvolle Flusslandschaft im Osten Niederösterreichs an der Grenze zu Tschechien und der Slowakei weiterhin ungeschützt bleibt! Eine Flut an Bedrohungen wie die geplante sechsspurige S8-Schnellstraße oder der Donau-Oder-Elbe-Kanal sollen das Grüne Band entlang des ehemaligen Eisernen Vorhanges zerstückeln. „In den March-Thaya-Auen ist der Naturschutz 1996 auf halbem Wege stecken geblieben“, erinnert WWF-Geschäftsführerin Hildegard Aichberger an die Eröffnung des Nationalparks Donau-Auen. „Wir laden alle ein, den Weg mit uns zu Ende zu gehen, und das Naturparadies March-Thaya-Auen endlich durch einen Nationalpark oder Biosphärenpark zu schützen und zu erhalten!“ Helmut Pechlaner, Freda Meissner-Blau und Bernd Lötsch sind die Erstunterzeichner des Manifests für die Rettung der March-Thaya-Auen. Unter www.die-au.at können alle Österreicher die Initiative unterstützen.

Öko-Eldorado am „Grünen Band“ Europas
Gemeinsam mit der Donau formen die March und die Thaya in der Dreiländerregion Österreich-Tschechien-Slowakei ein riesiges, zusammenhängendes Flusstal von 60.000 Hektar Größe von internationaler Bedeutung (trilaterales Ramsar-Gebiet). Das Aufeinandertreffen unterschiedlichster Ökosysteme bedingt eine außergewöhnlich hohe Biodiversität: Überschwemmte Auwiesen, trockene Sanddünen, und uralte Auwälder beherbergen eine faszinierende Artenvielfalt. Von majestätischen Großgreifvögeln wie dem See- und Kaiseradler, über Auhirsch, Fischotter und Ziesel, bis hin zu Molchen, Fröschen, Urzeitkrebsen und Libellen. „Die March-Thaya-Auen sind ein einzigartiger Hort der Vielfalt und als nationales Erbe mindestens so bedeutend wie der Stephansdom oder die Wachau!“ attestiert WWF-Ehrenpräsident Helmut Pechlaner.

Beton gegen intakte Natur
Ausgerechnet im Jahr der biologischen Vielfalt rollt eine Welle unkoordinierter Infrastrukturprojekte auf die Region zu. „Es ist auffällig, dass die Schifffahrt, die sich selbst immer als umweltfreundlicher Verkehrsträger bejubelt, vermehrt schwere Eingriffe in höchst sensible Flusslandschaften fordert“, erklärt Bernd Lötsch, Österreichische Naturschutzlegende und langjähriger Direktor des Wiener Naturhistorischen Museums. Der Donau-Oder-Elbe-Kanal als künstliche Verbindung zwischen dem Schwarzem Meer und der Nordsee, würde 170 Marchkilometer zerstören.

Das von Österreich und der Slowakei angedachte Donau-Kraftwerk Wolfsthal wiederum würde die March von der Mündung bis ins WWF-Reservat Marchegg aufstauen – um vor allem tschechischen Industrieschiffen den Zugang zur Donau zu ebnen.

„Auch der verheerende Trend zur Zweit – und Drittstraße feiert in der Region fröhliche Urständ“, so Lötsch. Nur 20 Kilometer parallel zur bestehenden Straße zwischen Wien und Bratislava, soll mit der Marchfeldschnellstraße D4/S8 ein doppelter Autobahnring entstehen.

„Österreich lässt zu, dass all diese unseligen, zerstörerischen Faktoren eines unkoordinierten Wachstums über die Region hereinbrechen“, beklagt Lötsch. „Damit verspielt man die große Chance, das ehemalige ‚Niemandsland’ entlang der Grenzflüsse für ein gemeinsames ‚grünes’ Projekt zu nutzen. Im Gegensatz zu Deutschland, das entlang des Grünen Bandes Naturschutz betreibt, verkommt es bei uns zur Todesfalle für die Natur.“

Ökologische Weichenstellungen für das Auenparadies!
„In einer sich chaotisch sich verändernden Welt, sollten wir viel mehr darauf bedacht sein, Naturschätze wie die Marchauen für unsere Kinder zu bewahren – oder sollen wir ihnen einmal erzählen, dass wir für den vermeintlichen Fortschritt alles zerstört haben?“, mahnt auch Hainburg-Kämpferin Freda Meissner-Blau. „Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie der Ballungsraum zwischen Wien und Bratislava völlig chaotisch und unkoordiniert zuwächst.“

Die Region brauche eine Entwicklung, die den wirtschaftlichen Aufschwung gewährleistet, ohne ihre Naturschätze zu zerstören, sind sich die Auenschützer einig.

Naturerbe jetzt erhalten!
Pläne für den Schutz der einzigartigen Flusslandschaft und Arten-Schatzkammer existieren seit über 20 Jahren, wurden jedoch nie realisiert. Nur durch die Einrichtung eines Nationalparks oder Biosphärenparks kann sichergestellt werden, dass nicht noch mehr Arten aus dem Gebiet verschwinden. Zudem verpflichten insgesamt fünf internationale Abkommen Österreich, die March-Thaya-Auen zu erhalten. Dies sind die Biodiversitäts- und die Ramsarkonvention, die EU-Wasserrahmenrichtlinie, sowie die Fauna-Flora-Habitatrichtlinie und die Vogelschutzrichtlinie der EU.

Gute Einzelinitiativen, aber kein Überbau

Ein Herzstück der March-Thaya-Auen ist das knapp 1.100 Hektar große WWF-Naturreservat mit seiner Weißstorch-Kolonie bei Marchegg, das bereits seit 30 Jahren ökologisch nachhaltig bewirtschaftet wird – eine Einzelinitiative von vielen. „Was in der Region fehlt, ist der ’Überbau’ – der Wille, das Gebiet als Ganzes zu schützen“, so Aichberger vom WWF. „Wegen der Inaktivität des Landes Niederösterreich und des Bundes ist die Marchregion dem Druck von allen Seiten schutzlos ausgeliefert!“

„Mit unserer Initiative laden wir alle konstruktiven Kräfte der Region, von Land und Bund ein, das Grüne Herz zwischen Wien und Bratislava gemeinsam zu sichern“, unterstreicht WWF-Ehrenpräsident Helmut Pechlaner. Für den WWF ist klar, dass nur die Einrichtung eines Nationalparks dem Gebiet eine nachhaltige Zukunft sichern kann.

Alle Österreicher sind eingeladen, das Manifest für die Rettung der March-Thaya-Auen auf www.die-au.at zu unterstützen.

Rückfragehinweis und Fotos:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin: Tel. 01-48817-250, Email: claudia.mohl@wwf.at

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