Hoffnung für eine stark bedrohte Art: Durch Schutzmaßnahmen leben wieder 6.487 Spitzmaulnashörner in Südafrika. Vor allem Lebensraumverlust und Wilderei sind eine große Gefahr.
Luchs, Nashorn & Co: Die Gewinner und Verlierer 2011
Wien, 19. 12. 2011 – Die Umweltstiftung WWF zieht unter Artenschutzgesichtspunkten eine zweischneidige Jahresbilanz. Während sich die Lage von Nashorn, Stör, Irawadi-Delphin und Grauwal in 2011 weiter verschlechtert hat, können Europäischer Luchs, Berggorilla und Przewalski-Wildpferd etwas optimistischer in die Zukunft blicken. „Neben Wilderei und Klimawandel ist vor allem auch die ungebremste Lebensraumzerstörung ein Grund für das Massenaussterben im Tier- und Pflanzenreich“, erklärt Stefan Ziegler, Artenschutzreferent beim WWF Deutschland. Im UN-Jahr der Wälder 2011 sind insgesamt rund 13 Millionen Hektar Waldfläche verloren gegangen – das sind 36 Fußballfelder pro Minute. Der rapide Waldverlust gefährdet den Fortbestand von 80 Prozent der Säugetier- und Vogelarten und ist damit die weltweit größte Bedrohung für die Artenvielfalt. Gute Nachrichten hingegen gibt es aus der südafrikanischen Kavango-Zambesi-Region, in der mit 444.000 Quadratkilometern das zweitgrößte Schutzgebiet der Erde entsteht. Der WWF unterstützt das KaZa-Projekt und damit den Erhalt wertvoller Lebensräume für Elefanten, Leoparden und Nashörner.
Die Verlierer 2011
Drei Unterarten von Nashörnern – das Java-Nashorn in Vietnam, das westliche Spitzmaulnashorn und das nördliche Breitmaulnashorn in Afrika sind ausgestorben. „Hauptverantwortlich dafür ist die Wilderei, vor allem um den inzwischen illegalen Bedarf an Produkten für die traditionelle asiatische Medizin zu decken“, erklärt Artenschutzexpertin Jutta Jahrl. Nur in den 1970er Jahren hat die Wilderei ein ähnlich erschreckendes Ausmaß erreicht. Dementsprechend ist die Lage der fünf asiatischen und afrikanischen Nashornarten extrem kritisch. So wurde im vietnamesischen Cat Tien Nationalpark das letzte freilebende Java-Nashorn auf dem asiatischen Festland von Wilderern erschossen und das wertvolle Horn herausgerissen.

Stör: Fünf von den sechs in der Donau heimischen Störarten stehen auch wegen des illegalen Handels mit Kaviar am Rand der Ausrottung. Ein vom WWF veröffentlichter Bericht listet 14 Beschlagnahmungen mit insgesamt über 50 Kilogramm Kaviar durch EU-Behörden innerhalb von zehn Jahren auf. Bulgarien und Rumänien sind die beiden Länder, die die einzigen überlebensfähigen Vorkommen dieser wild lebenden Störarten in der Europäischen Union beheimaten. „Es müssen auf europäischer und auf nationaler Ebene endlich alle Schlupflöcher geschlossen werden, um die Donau-Störe vor dem Aussterben zu bewahren“, fordert Artenschutzexpertin Jahrl.

Irawadi-Delphin: Einem 2011 veröffentlichten Statusreport des WWF zufolge, leben im Mekong nur noch etwa 85 Irawadi-Delphine. Die ohnehin geringe Population ist durch eine hohe Sterblichkeit der Jungtiere und die Nutzung von Kiemennetzen in der Fischerei weiter geschrumpft. Damit ist der Irawadi Delphin akut vom Aussterben bedroht. Der WWF fordert die Regierung von Kambodscha auf, einen rechtlichen Rahmen für den Schutz der bedrohten Spezies zu implementieren. „Es müssen Schutzgebiete ausgewiesen werden, in denen die Nutzung von Kiemennetzen verboten ist“, so Ziegler. Auf der laotischen Seite gibt es nach WWF-Angaben höchstens noch acht Irawadi-Delphine.

Grauwal: Für Wale soll es keine neuen internationalen Meeresschutzgebiete geben. Dies ist das Resultat der diesjährigen Konferenz der Internationalen Walfangkommission IWC. Die Verhandlungspartner versäumten es, sich für einen verstärkten Schutz der Meeressäuger einzusetzen. Dabei sind mutige Entscheidungen dringend nötig um die bedrohten Bestände zu erhalten. Besonders schlimm steht es um den Westpazifischen Grauwal. Die letzten Exemplare – rund 130 Tiere, davon weniger als 30 fortpflanzungsfähige Weibchen – leben vor der russischen Insel Sachalin. Dort sind gigantische Projekte geplant, um weitere Ölvorkommen zu erschließen. Dieser massive Eingriff könnte das Ende der sensiblen Säuger sein. Der WWF wehrt sich deshalb gegen die Realisierung einer weiteren, dritten Ölbohrplattform und setzt sich stattdessen für ein Walschutzgebiet ein.

Die Gewinner 2011:
Europäischer Luchs: Die Rückkehr des Luchses schreitet in Mitteleuropa auch 2011 weiter voran. In den vergangenen Jahrhunderten wurde der Luchs gnadenlos bejagt und bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war er aus weiten Teilen Mittel- und Südeuropas verschwunden. Neueste Untersuchungen lassen vermuten dass mittlerweile etwa wieder zwei Dutzend Luchse im Bayrischen Wald und angrenzenden Böhmerwald leben und sich fortpflanzen. Mittlerweile sind dort auch zahlreiche im Freiland geborene Jungtiere nachgewiesen worden. Auch in Österreich wurden heuer im Nationalpark Kalkalpen ein männliches und ein weibliches Jungtier ausgesetzt.

Przewalski-Wildpferd: Die Wildpferde galten 1996 als in der Wildnis ausgestorben. Gründe hierfür waren starke Bejagung und Lebensraumverlust. In der Mongolei stehen sie mittlerweile unter strengem Schutz. Der WWF engagiert sich seit 1998 für die Wiedereinführung des Przewalski-Wildpferds in der Mongolei. Durch Wiederansiedlungsmaßnahmen konnte es sich in freier Wildbahn etablieren und verzeichnet mittlerweile über 300 Individuen. Die Art wurde von der Kategorie „vom Aussterben bedroht“ auf „stark gefährdet“ zurückgestuft. Sie gelten heute als die einzigen noch verbliebenen Wildpferde der Welt.

Berggorilla: WWF-Angaben zufolge gibt es wieder etwa 780 Berggorillas insgesamt – davon 300 Individuen im Bwindi-Nationalpark in Uganda und 480 im Virunga-Massiv. Letzteres schließt drei aneinandergrenzende Nationalparks ein, in der Demokratischen Republik Kongo, in Rwanda und in Uganda. Mit der Ausweitung von großflächigen Schutzgebieten über Staatsgrenzen hinweg, konnte wichtiger Lebensraum erhalten und ein Zuwachs der Berggorilla-Populationen erreicht werden. „Die Industrienationen müssen Hilfe leisten, die Armut der Menschen in den afrikanischen Entwicklungsländern zu lindern, Lebensraumzerstörung und Wilderei zu stoppen und so das Überleben der Gorillas langfristig zu sichern“, fordert Ziegler.

Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231
E-Mail: franko.petri@wwf.at.
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