95 Prozent der Grillfleisch-Angebote aus konventioneller Tierhaltung, nur jedes 20. Angebot ist Bio – WWF fordert verpflichtende Kennzeichnung von Herkunft und Haltung
Madagaskar: Schatztruhe der Artenvielfalt in Gefahr
Antananarivo, Montag, 6. Juni 2011 – Zwischen 1999 und 2010 wurden in Madagaskar 615 neue Arten entdeckt. Viele von den kürzlich entdeckten Arten sind jetzt stark bedroht. Schon jetzt hat die viertgrößte Insel der Welt mit ihrer einzigartigen Artenvielfalt 90 Prozent ihrer Wälder verloren. Unter den 615 neu entdeckten Arten befinden sich 385 Pflanzen, 42 Wirbellose, 17 Fische, 69 Amphibien und sogar 41 neue Säugetierarten. Der WWF-Bericht „Schatzinsel: Neue Artenvielfalt in Madagaskar“ beschreibt die entdeckten Arten und auch die Gefahren, die durch Abholzung und menschliche Einflüsse auf sie lauern. „Der neue WWF-Bericht zeigt, wie einzigartig die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars ist. Sie kann nicht ersetzt werden. Wir müssen sie für die Nachwelt jetzt schützen bevor es zu spät ist“, so die Naturschutzdirektorin Nanie Ratsifandrihamanana von WWF Madagaskar.

Madagaskar ist die Heimat von fünf Prozent aller Tier- und Pflanzenarten weltweit. Fast drei Viertel der dort vorkommenden Arten finden sich nirgendwo sonst außerhalb der Insel. Viele der in den letzten zehn Jahren neu entdeckten Arten wie z.B. der nur 30 Gramm wiegende Berthe-Mausmaki, sind wegen der massiven Abholzung stark gefährdet. Dieser Lemur ist der kleinste Primat der Welt und diente einer Figur im Cartoon Madagaskar als Vorlage. Auch eine riesige Fächerpalme (Tahina spectabilis), die nur einmal in ihrem Leben mit einem spektakulären Blütenstand aus der Krone geizt, zählt zu den neuen Arten. Sensationell war die Entdeckung eines Geckos, der seine Hautfarbe wie ein Chamäleon dem Hintergrund anpassen kann. Bekannt aus Madagaskar sind auch das Fingertier (Aye-Aye), die Spinnenschildkröte, Flughunde, Chamäleons und Krokodile.

Leider ist dieses Paradies der Artenvielfalt massiv gefährdet. Manche Arten sind sogar von Ausrottung bedroht. Die Ursachen dafür sind die Entwaldung, die Erosion und Versandung der Korallenriffe. Dürren zwingen die Einwohner dazu ihre Felder aufzugeben und näher ans Meer zu ziehen, wo sie nicht-nachhaltige Fischereimethoden praktizieren.

Nach dem Staatsstreich im März 2009 und den darauffolgenden politischen Unruhen wurden Madagaskars Regenwälder geplündert um teure Harthölzer – besonders Rosenholz – zu gewinnen. Davon waren zehntausende Hektar Wald in den besonders wertvollen Nationalparks Marojejy, Masoala, Makira and Mananara betroffen. Neben der Abholzungswelle wurde zunehmend auch Fleisch von wilden Tieren, sogenanntes „Bush meat“, aus den Wäldern angeboten. In manchen Restaurants kostete ein Teller mit Lemurenfleisch weniger als drei Euro. Die politische Instabilität und die Ausbreitung der Kriminalität hat auch die Tourismusindustrie schwer getroffen, eine der wenigen Einkommensquellen für die lokale Bevölkerung.

Der WWF arbeitet auf der Insel intensiv daran, ein Netzwerk von Schutzzonen zu errichten. Für die Einwohner etabliert die Umweltorganisation eine Reihe von alternativen und nachhaltigen Einkommensquellen, damit die Familien im Einklang mit ihrer Umwelt leben können. „Der Bericht zeigt, welche Naturschätze in Madagaskar existieren. Wir werden alles daran setzen, diese Schatztruhe der Natur zu retten“, so Nanie Ratsifandrihamanana
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231 oder Email: franko.petri@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Neue Studie: Ökonomin Stagl warnt vor Budgetrisiken durch fehlende Klimapolitik
Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget
WWF-Erfolg: WWF weitet Monitoring von Seeadlern aus
So viele besenderte Seeadler wie noch nie zuvor helfen dem WWF, die Rückkehr der Art zu begleiten. Die Daten liefern spannende Einblicke und zeigen, welche Schutzmaßnahmen besonders wichtig sind.
Wappentier im Aufwind: WWF weitet Seeadler-Monitoring aus
22 besenderte Greifvögel liefern wertvolle Daten für den Artenschutz – Erste markierte Seeadler brüten mittlerweile in drei Nachbarländern – Rund 90 Paare leben wieder in Österreich
Wasserkrise in der Lobau: Eines der größten Gewässer erstmals im Frühjahr geteilt
Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau
Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Neuer Bericht zeigt dramatisches Ausmaß illegaler Verfolgung geschützter Arten – BirdLife Österreich und WWF Österreich fordern nationalen Aktionsplan
Neuer Entwurf für Isel-Schutzgebiet verfehlt EU-Vorgaben
Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele













