Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget
Meilenstein im Naturschutz: Salzburger Sulzbachtäler offiziell als Wildnisgebiet ausgezeichnet
Mittersill, am 28. Oktober 2019. Mit der heutigen Urkundenüberreichung der Weltnaturschutzorganisation IUCN an den Nationalpark Hohe Tauern werden die Sulzbachtäler offiziell als Wildnisgebiet ausgezeichnet. Als Schutzgebiet höchster Güte bleiben mehr als 67 Quadratkilometer unberührt von jagdlicher und sonstiger Nutzung in ihrer Ursprünglichkeit für die Nachwelt erhalten. Die Naturschutzorganisation WWF Österreich hat den Prozess von Anfang an unterstützt und gratuliert dem Nationalpark Hohe Tauern zu diesem Meilenstein. „Wir freuen uns sehr, dass unsere langjährigen Bemühungen, angefangen mit einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie mit dem Nationalpark im Jahr 2014, heute einen erfolgreichen Abschluss finden“, sagt Bernhard Kohler, Wildnisexperte beim WWF Österreich. „Zugleich hoffen wir, das gewonnene Know-how zur Errichtung eines solchen Schutzgebietes künftig auch in anderen Regionen anzuwenden. Österreich braucht dringend neue Nationalparks und Wildnisgebiete.“ Aktuell hat die Natur nur auf 1,2 Prozent der Staatsfläche absoluten Vorrang – konkret in den sechs bestehenden Nationalparks und zwei Wildnisgebieten.
„Räume, in denen die Natur ihre eigene, autonome Antwort auf die Klimakrise und deren Folgen finden kann, werden immer wichtiger. Denn der Druck auf die Natur steigt überall: Dürre, Wetterextreme, neuartige Krankheitserreger erfordern eine evolutive Anpassung von Arten und Lebensräumen – und das gelingt am besten in Gebieten, die frei sind von zusätzlichen Belastungen“, sagt Wildnisexperte Bernhard Kohler und erinnert die Politik an ihre Versprechen im Vorfeld der Nationalratswahl: im Rahmen des WWF-Parteienchecks sprachen sich sämtliche Parteien für neue Nationalparks und Wildnisgebiete aus. Mehr Tempo ist auch dringend notwendig: Geht es nach der Österreichischen Biodiversitäts-Strategie 2020+ sollte künftig auf zwei Prozent der Staatsfläche eine natürliche – das heißt vom Menschen weitgehend unbeeinflusste – Entwicklung erfolgen können. Ein Ziel, das nur mit Hilfe von hochrangigen Schutzgebieten wie Nationalparks und Wildnisgebieten wirksam zu erreichen ist. Auf die anvisierten zwei Prozent fehlen allerdings noch 67.000 Hektar.
Ausreichendes Potenzial für zusätzliche Schutzgebiete ist jedenfalls vorhanden: Konkret schlägt der WWF Österreich die Einbeziehung der March-Thaya Auen in den Nationalpark Donau-Auen und die längst überfällige Erweiterung des Nationalparks Kalkalpen vor. Als besonders reizvolles Nationalparkprojekt würde sich die imposante Wildflusslandschaft am Tiroler Lech eignen. Großes Potenzial speziell für Wildnisgebiete sieht der WWF nach eigenen Analysen in den Ötztaler Alpen, im Karwendel, im Toten Gebirge und im Hochschwab-Gebiet.
„Voraussetzung für die Ausweisung zusätzlicher Gebiete sind entsprechende Finanzmittel. Denn Großschutzgebiete werden in Österreich vernünftigerweise nur auf Basis von Vertragsnaturschutz-Lösungen errichtet und somit unter angemessener Entschädigung von Grundbesitzern und Nutzungsberechtigten. Die gesamtgesellschaftlichen Vorteile einer solchen Investition sind aber riesengroß“, so WWF-Experte Kohler. „Denn strenge Schutzgebiete sind auch einmalige Freizeit- und Erholungsräume. Wo sonst kann man heutzutage noch Stille, Abgeschiedenheit und eine weitgehende technik- und infrastrukturfreie Landschaft erleben, wenn nicht in Nationalpark- und Wildnis-Kernzonen?“

Wildnisgebiet Sulzbachtäler: Geschichte und Charakteristik
Insgesamt 6.728 Hektar im Ober- und Untersulzbachtal in der Nationalpark-Gemeinde Neukirchen am Großvenediger werden durch die Weltnaturschutzunion (IUCN) als „Wildnisgebiet Ib“ anerkannt. Es handelt sich dabei um die höchste Schutzkategorie gemäß IUCN und unterliegt damit noch stärkerem Schutz als Nationalparks. Das Wildnisgebiet Sulzbachtäler ist das erste derartige Schutzgebiet innerhalb eines österreichischen Nationalparks. Der Grundstein wurde 2014 vom WWF und dem Nationalpark Hohe Tauern mit einer Machbarkeitsstudie gelegt. 2016 erfolgte durch den Ankauf von 3.000 Hektar Fläche von der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide im Unter- und Obersulzbachtal durch den Salzburger Nationalparkfonds, ein weiter wichtiger Schritt.
Charakteristisch für die Sulzbachtäler ist die Unberührtheit des Gebietes. Die Hochtäler und Bergspitzen an der Nordabdachung des Großvenedigers sind wichtige Refugien für Arten wie Steinbock, Murmeltier und Bartgeier. Bedingt durch das Abschmelzen der Gletscher werden dort große Flächen, die bisher von Schnee und Eis bedeckt waren, frei. Dort soll künftig erforscht werden, wie sich Natur ohne Mensch, Nutztiere und Jagd entwickelt. Respektvolle Besucherinnen und Besucher können ein einzigartiges Naturerlebnis genießen, ohne den Wildnischarakter des Gebietes zu beeinträchtigen. Eine Hütte im Obersulzbachtal bietet bis zu 30 interessierten Naturliebhabern ein Basislager für Wildniscamps.
Hochauflösende Fotos zum Download unter:
https://fw.wwf.at/d/3be1dace1e3b4e258e31/
Zur honorarfreien Verwendung auf unter Angabe des Fotocredits, wie angegeben im Dateinahmen
Rückfragen und Kontakt:
Vincent Sufiyan
WWF-Pressesprecher
Tel.: +43 676 834 88 308
E-Mail: vincent.sufiyan@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Erfolg: WWF weitet Monitoring von Seeadlern aus
So viele besenderte Seeadler wie noch nie zuvor helfen dem WWF, die Rückkehr der Art zu begleiten. Die Daten liefern spannende Einblicke und zeigen, welche Schutzmaßnahmen besonders wichtig sind.
Wappentier im Aufwind: WWF weitet Seeadler-Monitoring aus
22 besenderte Greifvögel liefern wertvolle Daten für den Artenschutz – Erste markierte Seeadler brüten mittlerweile in drei Nachbarländern – Rund 90 Paare leben wieder in Österreich
Wasserkrise in der Lobau: Eines der größten Gewässer erstmals im Frühjahr geteilt
Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau
Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Neuer Bericht zeigt dramatisches Ausmaß illegaler Verfolgung geschützter Arten – BirdLife Österreich und WWF Österreich fordern nationalen Aktionsplan
Neuer Entwurf für Isel-Schutzgebiet verfehlt EU-Vorgaben
Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.













