Höchstgericht bestätigt fehlende Rechtskonformität von Abschuss-Verordnungen für geschützte Tierarten – Ende der pauschalen Tötungen gefordert
Moorfrosch, Wechselkröte und Co. brauchen dringend Hilfe
Wien, 7. September 2009 – Noch in den 1970er Jahren waren Amphibien wie Rotbauchunken, Moorfrösche und Wechselkröten tausendfach an der March zu finden – und zu hören. Ihre charakteristischen Rufe erfüllten die Auenwildnis. Heute kann sich die March nur noch an wenigen Stellen, wie etwa an der Langen Luss bei Marchegg, ungehindert ausbreiten. Die Au trocknet zunehmend aus. Ohne Süßwasser-Ansammlungen wie Tümpel kann der Laich jedoch nicht überleben. Moorfrosch und Wechselkröte stehen deshalb an der Langen Luss bereits vor dem Aussterben, wie eine aktuelle Studie der Universität Wien zeigt. Das Schutzprogramm der Lebensministerium-Kampagne vielfaltleben soll hier Abhilfe schaffen.
Um den Amphibienpopulationen wieder auf die Sprünge zu helfen, sind in Abstimmung mit den Grundbesitzern gezielte Pflegemaßnahmen an der March, eine der vier Schwerpunktregionen der vielfaltleben-Kampagne, geplant. „Ich habe die Kampagne „vielfaltleben“ ins Leben gerufen, damit wir bis zum Jahr der Biodiversität – 2010 konsequent Projekte zum Erhalt der Biodiversität umsetzen. Wir müssen mit großem Einsatz die biologische Vielfalt als Stabilisator im System der Natur schützen und unsere intakte Umwelt erhalten. Das Schutzprogramm für die Amphibien ist da ein zentraler Baustein.“, betont Umweltminister und Initiator der Kampagne, Niki Berlakovich. Augewässer sollen vertieft und Wiesensenken ausgemäht werden, damit sich das Wasser bis zum Ende der Laichperiode hält. Die vorgeschlagenen Aktivitäten wurden gemeinsam mit der Universität Wien ausgearbeitet und werden vom WWF durchgeführt.
Größte Bedrohung für Amphibien: Die Au trocknet aus
Die Regulierung der March nimmt dem Tiefland-Fluss seine natürliche Dynamik: Neue Augewässer wie Tümpel oder Sutten bilden sich kaum, Bestehende verlanden. Auch die Trockenlegung von Feuchtflächen für die Landwirtschaft bzw. Wiesensenken, die nicht gemäht werden, tragen dazu bei, dass der Amphibien-Lebensraum zunehmend schrumpft.
Renaturierung schafft Lebensräume
„Das Überleben der Amphibien in den March-Thaya-Auen kann nur gesichert werden, wenn die natürliche Flussdynamik an wichtigen Stellen wie etwa der Langen Luss wieder hergestellt wird“, mahnt Bernadette Strohmaier, WWF-Koordinatorin des Amphibienschutzprogramms.
Was der Fluss nicht mehr selbst erledigen kann, muss der Mensch in Angriff nehmen. Der WWF wird deshalb an der Langen Luss, am einzigen natürlichen Überschwemmungsraum, der an der March verblieben ist, verlandete Sutten wieder vertiefen, damit sie länger Wasser führen. „Derzeit sind dort 82 Prozent der Gewässer nicht mehr zur Fortpflanzung der Amphibien geeignet“, erklärt Strohmaier. „Die Laichgewässer trocknen viel zu früh aus, sodass der Amphibien-Nachwuchs vorzeitig stirbt.“
Die March als Eldorado der Artenvielfalt: Wie lange noch?
Die March-Thaya-Auen sind die bedeutendsten Tiefland-Auen Österreichs und ein wahres Paradies der Artenvielfalt. 65 Prozent aller heimischen Amphibienarten, darunter gefährdete Arten wie die Rotbauchunke, die Wechselkröte und der Moorfrosch hängen von einer intakten Auen-Wildnis ab. Doch die melancholischen Rufe der Rotbauchunke und der trillernde Ruf der Wechselkröte könnten in den March-Auen bald nicht mehr zu hören sein.
vielfaltleben – für aktiven Artenschutz
Die Kampagne vielfaltleben des Lebensministeriums hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebenssituation zahlreicher gefährdeter Tier- und Pflanzenarten in ganz Österreich bis zum Jahr 2010 entscheidend zu verbessern. Im Rahmen dieser Kampagne führt der WWF ein Schutzprogramm für gefährdete Amphibienarten in den March-Thaya-Auen durch.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF Pressesprecherin, Tel.: 01/488 17 – 250
Email: claudia.mohl@wwf.at
Mag. Bernadette Strohmaier, WWF Koordinatorin Amphibienschutzprogramm, Tel: 01/488 17 – 214,
Email: bernadette.strohmaier@wwf.at
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