Es war der Start eines großen Abenteuers für 18 Wisente: Die Tiere konnten erfolgreich im Kaukasus ausgewildert werden und somit in ihre Heimat zurückkehren. Darunter auch Ina, eine selbstbewusste und forsche Kuh aus Innsbruck.
Neuer WWF-Report: Globaler Süden trägt Zehnfach-Kosten von Plastikverschmutzung
Plastik ist günstig – so scheint es. Doch die gesellschaftlichen Kosten sind enorm – und ungleich verteilt. Vor allem ärmere Länder zahlen den “wahren Preis” für die Auswirkungen der globalen Plastik-Krise – zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Beratungsfirma Dalberg im Auftrag der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature). Demnach ist die gesamte Plastik-Wertschöpfungskette – von der Gewinnung der Rohstoffe, über die Produktion, die Verwendung, die Entsorgung und Verschmutzung durch Plastikmüll – von strukturellen Schieflagen gekennzeichnet, die das weltweite soziale Ungleichgewicht befeuern: “Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen tragen acht bis zehnmal höhere Kosten der weltweiten Plastik-Krise als reiche Industrienationen, obwohl sie pro Kopf fast dreimal weniger Plastik verbrauchen. Wir brauchen dringend ein starkes, internationales Abkommen, um diese Schieflage zu korrigieren und die Plastik-Flut zu stoppen”, sagt WWF-Experte Axel Hein mit Blick auf die nächste Woche startenden UN-Verhandlungen in Nairobi, Kenia.
Die Mehrkosten im globalen Süden entstehen laut dem Report vor allem durch die Umweltbelastungen des Plastik-Systems, wie Luftverschmutzung oder Schadstoffeintrag in Gewässer und Natur. Denn: Seit dem Jahr 2000 hat sich die weltweite Plastikmüllmenge auf 353 Millionen Tonnen verdoppelt. Doch nur zehn Prozent des globalen Plastikmülls werden recycled. 20 Prozent landen hingegen auf fragwürdigen Deponien, ungefiltert in der Umwelt oder werden illegal verbrannt. Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind außerdem schlechter im Umgang mit der Plastik-Flut ausgerüstet, was neben direkten Umweltschäden auch ernste Gesundheitsrisiken für marginalisierte Bevölkerungsgruppen beinhält. Insgesamt verursachen Krankheiten im Zusammenhang mit unsachgemäßer Abfallbewirtschaftung jährlich bis zu eine Million Todesfälle – 93 Prozent davon in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Auch die prekären Arbeitsbedingungen in der Abfallentsorgung sind oft gefährlich für die Arbeitenden. “Das derzeitige Plastik-System ist tödlich. Ohne dringend nötige Reformen wird sich die Krise nur noch verschlimmern und dabei die Schwächsten weiterhin am härtesten treffen. Wir müssen die Verursacher viel stärker in die Pflicht nehmen”, fordert Axel Hein.
Der WWF fordert daher ein starkes UN-Abkommen mit verbindlichen, harmonisierten Regeln für Produktion und Verbrauch. Ein wirksames Plastikabkommen muss Kunststoffprodukte mit hohem Verschmutzungsrisiko sowie besonders problematische oder toxische Polymere und Chemikalien verbieten, oder ihre Produktion auslaufen lassen. “Das Abkommen muss insbesondere Wegwerfartikel und Mikroplastik zur Priorität machen. Ein weltweites Verbot für risikoreiche und unnötige Einwegplastik-Produkte, wie etwa Plastikbesteck oder Zigarettenfilter muss Teil der Lösung sein”, sagt Hein. Denn Einwegplastik-Produkte machen 60 Prozent des weltweit produzierten Kunststoffes aus. Außerdem muss das Abkommen Regeln zur Wiederverwertbarkeit und verbesserten Recyclingfähigkeit enthalten.
Tödliches Plastik-Meer
Weil die Sammlung von Plastikmüll in ärmeren Ländern besonders schlecht funktioniert, landet weggeworfenes Plastik in Flüssen und schließlich in den Ozeanen – und letztlich in unserer Nahrungskette. Mittlerweile geht man von schätzungsweise rund 150 Millionen Tonnen an Plastik aus, das in den Weltmeeren treibt – mit fatalen Folgen: “Plastikstücke im Magen, tödliche Schlingen um den Hals oder chemische Weichmacher im Blut – die Auswirkungen von Plastikmüll auf Meerestiere sind unterschiedlich. Wie sich die Mikroplastik-Verschmutzung über die Nahrungskette auf den Menschen auswirkt, ist noch viel zu wenig erforscht”, warnt Hein. Schätzungen zufolge verschlucken schon heute bis zu 90 Prozent aller Seevögel und 52 Prozent aller Meeresschildkröten Plastik. Besonders hart trifft die Verschmutzung Korallenriffe und Mangrovenwälder, die zu den weltweit wichtigsten marinen Ökosystemen gehören.
Anmerkungen zum Report:
Während in reichen Industrienationen die geschätzten Gesamtkosten für ein Kilogramm Plastik 19 US-Dollar betragen, liegen die Kosten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen acht Mal höher bei 150 US-Dollar. Vergleicht man nur die Staaten mit Niedrigeinkommen, liegen die Kosten zehnfach höher bei 200 US-Dollar pro Kilo Plastik.
Bilder zum Download hier.
Weitere Infos zu Plastik im Meer hier.
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Auswilderungsprojekt: Tiroler Wisent-Kuh „Ina” erfolgreich im Kaukasus freigelassen
Naturschutzorganisation siedelt Wildrinder in ihrer Heimat Aserbaidschan an – Kuh „Ina” aus Innsbruck ist eines von 18 Tieren – WWF: „Paradebeispiel für internationalen Artenschutz”
Stromanbieter-Check: TIWAG fällt bei Stromanbieter-Check durch
129 heimische Stromanbieter von WWF und GLOBAL 2000 analysiert – TIWAG aufgrund von mangelnder Transparenz und fehlender naturverträglicher Strategie nur auf Platz 116
Stromanbieter-Check: Wenige Vorreiter, viel Intransparenz
WWF und GLOBAL 2000 analysieren 129 heimische Stromanbieter: Nur drei Vorreiter gekürt, schlechtes Zeugnis für viele Landesenergieversorger
Tiwag-Talschaftsverträge: WWF fordert Reformen statt heimlicher Absprachen
Geheime Vereinbarungen erst nach Gerichtsbeschluss offengelegt – WWF fordert volle Transparenz, unabhängige Kontrolle und neue Spielregeln für künftige Verträge
Good News: Neues Jahr bringt Fangverbot für Störe in Bulgarien
Bulgarien hat ein dauerhaftes Fangverbot für Störe in der Donau und im Schwarzen Meer eingeführt. Der WWF Bulgarien spielte dabei eine Schlüsselrolle.
Treibhausgas-Bilanz: WWF warnt vor drohendem Verfehlen der Klimaziele
Ausblick negativ, Österreich nicht auf Kurs für 2030 und 2040 – Verfehlen der Klimaziele wäre „politisches Debakel der Sonderklasse“
WWF zum Ableben von Andreas Pataki
Früherer Bürgermeister von Marchegg und langjähriger Partner im WWF-Auenreservat Marchegg verstorben – WWF würdigt Lebenswerk und Einsatz für Natur
Good News: Abkommen als Meilenstein für Meeresschutz
Das neue Jahr läutet eine neue Ära der Meerespolitik ein: Durch das internationale Abkommen zum Schutz der Hohen See gibt es nun endlich Regeln für zwei Drittel der globalen Meeresfläche.









