Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
Nur noch 89 Irawadi Delfine im Mekong
Flussdelfine sind heutzutage seltene Wesen, die man in freier Wildbahn kaum zu Gesicht bekommt. Sie gehören zu den am meisten vom Aussterben bedrohten Säugetieren überhaupt. Das gilt auch für die letzten Irawadi Delfine im Fluss Mekong (Südostasien). Fischernetze und Staudämme haben die Population an den Rand der Ausrottung getrieben. Dass die gezielten Schutzmaßnahmen der letzten Jahre langsam zu greifen scheinen, zeigt eine aktuelle Zählung des WWF und der Fischereiverwaltung der kambodschanischen Regierung. 2018 schätzte man den Bestand der selten gewordenen Delfine auf 92 Tiere – heute, 2020, auf 89.
Die Schlussfolgerung: Der Bestand ging in den vergangenen zwei Jahren „nur“ leicht zurück statt rapide hinunter, wie es in den vergangenen Jahrzehnten der Fall war. Die Population scheint sich zu stabilisieren. Auch die Überlebensrate der Kälber soll die höchste seit zehn Jahren sein. Ein kleiner Hoffnungsschimmer. Doch eine echte Erfolgsmeldung ist das nicht.

Es braucht mehr Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen
Jedes einzelne Tier, das wir verlieren, bringt den Irawadi Delfin der Ausrottung näher. Wir stehen aktuell an einem Scheideweg. Ob die selten gewordenen Tiere es schaffen, langfristig eine stabile Population aufrechtzuerhalten, ist fraglich. Zählungen zeigen, dass seine Nahrungsquelle – der Fischbestand des Flusses – alarmierend zurückgeht. Damit die Population wieder wachsen kann, braucht es dringend mehr Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen.
Flussdelfine, Fische, Menschen – alle miteinander verbunden
Geht es den Delfinen schlecht, geht es dem Fluss schlecht und letzten Endes auch den Menschen, die von diesem Ökosystem abhängig sind. Flussdelfine sind ein wichtiger Indikator für ein intaktes Fluss-Ökosystem. Wo es gesunde Bestände an Flussdelfinen gibt, da gedeiht auch die gesamte Flusslandschaft mit all ihren Bewohnern. Alles ist miteinander verbunden: Menschen, Flussdelfine und Fische. Sterben die Irawadi Delfine im Mekong aus, ist das ein Hinweis für den schlechten Zustand des Flusses und dessen Fischbestände, von denen die Menschen in der Region stark abhängen.

5 Fakten über Irawadi Delfine
Delfine stehen dem Menschen seit jeher recht nah – beide sind Warmblüter, atmen Luft und säugen ihre Jungen. Um zu verhindern, dass sie im Schlaf ertrinken, schläft eine Hälfte des Gehirns des Delfins. Die andere Hälfte bleibt aktiv, so dass sie weiterhin auftauchen und atmen können. Der Irawadi Delfin ist nach dem gleichnamigen Fluss benannt. Streng genommen ist er aber kein echter Flussdelfin. Er lebt zum Beispiel auch in flachen Küstengewässern. Um bei der Jagd Fische zusammenzutreiben, spucken sie Wasser bis zu 1,5 Meter aus. Charakteristisch für den selten gewordenen Delfin sind seine sehr kleine Rückenflosse, die wulstige Stirn und die auffallend kurze Schnauze. Die letzten Irawadi Delfine leben heute zersplittert und getrennt voneinander in Gruppen und Untergruppen. Besonders schutzlos ist die Population des Mekong, der durch sechs Länder in Südostasien fließt. Mehr Infos über den Irawadi Delin findest du in unserem Artenlexikon.

So hilft der WWF Flussdelfinen
In der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN werden die Populationen im Mekong (Kambodscha), Ayeyarwady (Irawadi – Myanmar) und Mahakam Fluss (Kalimatan, Indonesien), in der Songkhla See (Thailand) und der Malampaya Bucht (Philippinen) als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Fischernetze oder illegale Fangmethoden wie die Elektrofischerei haben die Delfine an den Rand der Ausrottung getrieben. Hinzu kommen Bedrohungen wie Wasserstaudämme, die Übernutzung der Fischbestände und die Wasserverschmutzung. Die Arbeit des WWF zum Schutz der Flussdelfine in Kambodscha ist Teil seiner ehrgeizigen globalen Flussdelfin-Initiative.
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