77 Prozent der wertvollen Flussstrecken ohne verbindlichen Schutz vor weiterem Wasserkraftausbau – Hitze und Dürre machen Schutz und Renaturierung dringlicher – WWF legt Zeugnisse für alle neun Bundesländer vor
Seele der Alpen: 28.000 Österreicher fordern jetzt Schutz der letzten alpinen Freiräume
Wien, 4. Februar 2019 – Mehr als 28.000 Bürgerinnen und Bürger unterstützen die „Allianz für die Seele der Alpen“. In der entsprechenden Petition fordern WWF, Alpenverein und Naturfreunde von Bundesministerin und Alpenkonventions-Vorsitzender Elisabeth Köstinger, sich für den verbindlichen Schutz der letzten alpinen Freiräume einzusetzen und der weiteren großtechnischen Erschließung verbindliche Grenzen zu setzen. Denn gerade einmal sieben Prozent der österreichischen Staatsfläche sind noch nicht bzw. nur gering erschlossen. „Die rücksichtslose Verbauung der Alpen zerstört immer mehr unberührte Naturräume, erhöht die Verkehrsbelastung in den Tälern und gefährdet Wildtiere wie den Steinbock oder das Murmeltier. Daher braucht es rasch verbindliche und österreichweit koordinierte Erschließungsgrenzen, um die Seele der Alpen zu bewahren“, sagt Hanna Simons, Leiterin Naturschutz beim WWF. „Österreichs Präsidentschaft in der Alpenkonvention läuft noch bis April. Bis dahin sollte die Umweltministerin ein klares Bekenntnis abgeben, dass sie auf der Seite des Alpenschutzes steht und nicht auf der Seite jener, die auch noch die letzten Naturjuwele zubetonieren wollen“, appelliert Simons an Köstinger.
„Österreich hat noch bis 4. April 2019 den Vorsitz der Alpenkonvention inne. Frau Ministerin, nutzen Sie die verbleibenden 59 Tage Ihres Vorsitzes, um Maßnahmen für alpinen Freiraumschutz alpenweit einzuleiten und zu koordinieren“, fordert Robert Renzler, Generalsekretär des Österreichischen Alpenvereins. Der rasante Verlust ursprünglicher Landschaften betrifft nicht nur Österreich, der Erhalt alpiner Freiräume ist eine Herausforderung im gesamten Alpenraum. Die internationale Alpenkonvention sieht die Einrichtung von Ruhegebieten vor, in denen etwa auf touristische und energiewirtschaftliche Erschließungen verzichtet wird.
Es geht um nichts Geringeres als um die Vielfalt und Schönheit unserer Alpen. „Schon heute sind wertvollste alpine Freiräume durch Bauprojekte mit teils unglaublichen Ausmaßen bedroht, etwa der Kraftwerksausbau Kaunertal oder die Schiverbindung Pitztal-Ötztal in den Ötztaler Alpen. Als österreichische Umweltministerin müssen Sie für die politische Willensbildung sorgen, dass die letzten alpinen Freiräume kein Platz für solch zerstörerische Bauprojekte sein dürfen“, fordert der Bundesgeschäftsführer der Naturfreunde Österreich Günter Abraham.
Bodenverbrauch eindämmen, Rückzugsorte für Tier- und Pflanzenwelt erhalten
Nur mehr sieben Prozent der österreichischen Landschaft waren 2017 noch weitgehend unerschlossen und naturbelassen. Drei Fünftel dieser letzten alpinen Freiräume sind nicht vor großtechnischer Erschließung geschützt. Und Österreich steht in Sachen Flächenverbrauch und Infrastrukturausbau europaweit vorne. Aktuell wird täglich eine Fläche von 18 Fußballfeldern neu beansprucht. Österreichs Natur und Landschaft ist mit 3.000 Aufstiegshilfen (weltweit Platz zwei hinter Frankreich), mehr als 5.000 Wasserkraftwerken und 15 Meter Straße pro Kopf (fast zweimal so viel wie in Deutschland) bereits intensiv beansprucht. In den Bergen schreitet die Industrialisierung der Landschaft vor allem durch Tourismus und Energiewirtschaft rasant voran.
Alpine Freiräume sind als ruhige Rückzugsorte für die alpine Tier- und Pflanzenwelt, als einzigartige Erholungsräume für naturnahen Tourismus und die traditionelle Landnutzung von herausragender Bedeutung. Die zunehmende Verbauung zerstört nicht nur intakte alpine Lebensräume, die durch den Klimawandel ohnehin bereits massiv unter Druck stehen. Frequentierung und Nutzungsdruck auf die alpine Landschaft nehmen zu, der Erholungswert sinkt, Kosten für Naturgefahrenschutz und Verkehrsbelastung in Tälern steigen.
Aufgrund dieser bedrohlichen Trends fordert die Allianz für die Seele der Alpen von der Bundesregierung und den Bundesländern eine mutige Naturschutzpolitik, die den Wert und die Bedeutung intakter Alpenlandschaften stets mitdenkt – sei es bei der Tourismusstrategie, der Klimastrategie oder der Energiewende. In diesem Sinne hat zum Beispiel Bayern mit dem Alpenplan bereits 1974 klare Erschließungsgrenzen etabliert, während in Österreich ambitionierte Ansätze wie die Weißzonen in Vorarlberg schubladisiert werden oder sogar neue Großprojekte auf Kosten der Natur durchgeboxt werden sollen.
Rückfragehinweis:
Gerhard Auer
WWF-Pressesprecher
Tel. +43 676 83488 231
Email: gerhard.auer@wwf.at
Mag.a (FH) Monika Melcher
Öffentlichkeitsarbeit Alpenverein
Tel. 0512 59 547-75
Email: monika.melcher@alpenverein.at
Hannes Huber
Pressesprecher Naturfreunde
Tel: 01 892 35 34 33
Email: Hannes.Huber@naturfreunde.at
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