Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
Seltener Amur-Tiger wird Opfer von Wilderern
Russische Jäger haben einen der vom Aussterben bedrohten Amur-Tiger erschossen. Die seltene Großkatze fiel in der Provinz Primorje einer Treibjagd zum Opfer, die offiziell Hirschen und Wildschweinen galt.
Nach Angaben des WWF fehlte den Jägern für das Gebiet die erforderliche Jagdlizenz, zudem seien mehr Jäger als erlaubt beteiligt gewesen. „Immer wieder werden bei diesen Treibjagden auch bedrohte Arten geschossen“, ärgert sich Russlandexpertin Helen Kolb vom WWF. „Die Wilderer wissen natürlich, dass es in dem Gebiet auch Tiger gibt.“ Der WWF fordert daher bereits seit Jahren schärfere Regelungen und deren Umsetzung für Jagden in Tigergebieten.

Nur zwei Tage nach dem Vorfall retteten Einwohner des Dorfes Innokentjevka in der Nachbarprovinz Khabarovsk ein halbtotes etwa sechs Monate altes Tigerjunges, das durch die Strassen des Dorfes schwankte.
Die Mutter des fast verhungerten Tieres wurde offenbar ebenfalls Opfer von Wilderern. Das Jungtier befindet sich nun in einer Pflegestation.
„Zwei Einzelfälle, die aber zeigen, dass der Amur-Tiger Leibwächter dringender denn je braucht“, sagt Frank Mörschel, beim WWF Deutschland Leiter des Amurprojekts. Der WWF setzt sich seit 1993 mit Anti-Wilderer-Brigaden für den Schutz der seltenen Raubkatzen ein.
Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation gehen immer mehr Einheimische zum Jagen in die Wälder.
Programme, die die Wirtschaft ankurbeln und das Überleben der Menschen vor Ort sichern sollen sind verabschiedet, doch weil das Geld für die Umsetzung fehlt, kommen sie nicht in Gang.
„Stattdessen finanzieren die Provinzregierungen neue Straßen, um Holzfirmen den Weg auch in abgelegene Regionen zu ermöglichen. Dort holzen sie den unberührten Wald ab, doch von den Gewinnen sieht die Bevölkerung vor Ort nichts“, erläutert Helene Kolb.
Den Tigern schaden die Strassen gleich doppelt, da sie nicht nur ihren Lebensraum zerstören, sondern den Wilderern auch noch den Zugang in sonst schwer erreichbare Gegenden erleichtern.
„Der WWF setzt sich für großflächige und zusammenhängende Schutzgebiete ein, sowie eine nachhaltige Entwicklung in der Region ein – vor allem durch eine verantwortungsvolle Wald-wirtschaft“, betont Frank Mörschel. „Aber auch die russischen Entwicklungsprogramme müssen endlich finanziell richtig ausgestattet werden“, so der Experte.
„Denn das hilft den Menschen und damit auch den letzten Amur-Tigern.“
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