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UN-Weltklimarat in Berlin: Die fossile Zeitbombe entschärfen
Berlin, 13. 04. 14. Die rasche Umstellung des Energiesektors auf Energie sparende Technologien und erneuerbare Energie ist unbedingt erforderlich, um die vom Menschen gemachte Erderwärmung aufzuhalten. Das ist die Kernbotschaft des UN-Weltklimarats IPCC in Berlin, der heute nach einer Woche zu Ende geht. Dafür muss mehr als drei Mal soviel wie heute in die Dekarbonisierung des Energiesektors investiert werden. Der WWF verlangt noch mehr als das: Der gesamte Geldstrom im Energiebereich muss Richtung Energiesparen und erneuerbare Energie umgelenkt werden. In den nächsten Jahren ist das die Hauptaufgabe der Energiepolitik, aber auch der Banken, Investmentfonds und Entwicklungsgelder, fordert Karl Schellmann, Klimareferent des WWF in Österreich.
In seinem dritten Teilbericht macht der von den Vereinten Nationen beauftragte Rat von Klimaexperten deutlich, dass die Bekämpfung des Klimawandels machbar ist. Dabei kommt dem Energiesektor eine Schlüsselrolle zu. Aber auch die energieintensive Industrie hat noch viel Verbesserungspotential, wie der neue Klimabericht zeigt. Durch Anwendung moderner Technologien könnte der Energieverbrauch weltweit um bis zu 25 Prozent gesenkt werden. Mit finanzieller Förderung von noch nicht marktfähigen Innovationen sind weitere 20 Prozent Reduktion möglich. Diese Investitionen haben oft positive Zusatzeffekte wie verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, reduzierte Energiekosten, bessere Gesundheit durch weniger Luftverschmutzung und weniger gefährliche Abfälle. All das bringt einen vielfältigen Nutzen im privaten aber auch im gesellschaftlichen Bereich, sagt der IPCC Bericht. Erneuerbaren Energien sind längst kein Nischenmarkt mehr. Sie sind bereits heute weitgehend wettbewerbsfähig und müssen weltweit den Löwenanteil bis hin zur vollständigen Umstellung unserer Energieversorgung ausmachen, fordert Stephan Singer, WWF-Direktor für globale Energiepolitik heute in Berlin.
Der Bericht des Weltklimarats hat klar gemacht, dass nur ein Umstieg zu einer Vollversorgung mit erneuerbaren Energieträgern und eine Verringerung des Energieverbrauches den Klimawandel eindämmen kann. Dazu ist schnelles und tiefgreifendes Handeln nötig wenn nicht hunderte Millionen Menschen ihre Existenzgrundlage verlieren sollen. Ein ungebremster Klimawandel führt zu einer Welt, die 3,7 bis 4,8 Grad Celsius wärmer sein wird. Das würde zum Zusammenbrechen vieler Ökosysteme und auch Wirtschaftssysteme führen. Trotz weltweit begonnener Gegenmaßnahmen haben die globalen Treibhausgasemissionen einen neuen Höchststand erreicht. Laut IPCC sind CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger und aus industriellen Prozessen für 78 Prozent des Treibhausgasanstiegs von 1970 bis 2010 verantwortlich.
Um die Wende einzuleiten, kommt dem Energiesektor eine Schlüsselrolle zu. Laut IPCC sind vor allem die nächsten 15 Jahre entscheidend um den Schwenk hin zu einer CO2-armen Wirtschaft zu vollziehen und so den Klimawandel mit seinen schwerwiegenden Folgen einzudämmen. Die Staaten müssen dringend in erneuerbare Energien und Energieeffizienzmaßnahmen investieren. Der Klimabericht zeigt, dass die erneuerbaren Energien von derzeit 17 Prozent bis 2050 zum weltweiten Standard werden müssen. Tausende Milliarden an Euros werden derzeit noch in Kohle, Öl und Gas investiert. Dieses Geld kann unsere Zukunft retten, wenn es konsequent in Energiespartechnologien und erneuerbare Energien umgelenkt wird. In den nächsten Jahren wird dies die Hauptaufgabe der Energiepolitik, aber auch der Banken, Investmentfonds und Entwicklungsinstitutionen. Die meisten der benötigten Technologien und Ideen sind bereits bekannt und viele schon wettbewerbsfähig. Wir müssen jetzt beginnen fossile Energieträger im Boden zu lassen, wo sie die Natur deponiert hat, so Schellmann.
In Österreich ist schon viel erreicht worden, aber es sind noch viele Hausaufgaben zu machen: Die Subventionierung von fossilen Energien muss gestoppt und das Geld in erneuerbare Energien und in energiesparende Technologien investiert werden. Wir brauchen mehr öffentlichen Verkehr und Wärmedämmung auf jedes beheizte Haus. Kohlekraftwerke und Ölheizungen müssen in wenigen Jahren ersetzt werden. Die Energiepolitik muss sich am Ziel einer Null-Emissions-Gesellschaft bis 2050 orientieren, sagt WWF-Klimareferent Karl Schellmann in Wien heute nach der Präsentation des Klimaberichts.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Email: franko.petri@wwf.at, Video-Links: Statements des WWF-Direktors für globale Energiepolitik, Stephan Singer, zum dritten IPCC-Bericht und hier.
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